Insel Baltrum

Streit um Bürgermeister und fehlende Strandkorbeinnahmen

Baltrum ist die kleinste der ostfriesischen Inseln im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Baltrum ist die kleinste der ostfriesischen Inseln im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Foto: Ingo Wagner / dpa

Zoff um Baltrums Bürgermeister: Die Hauptrolle in dem kleinen Politdrama spielen Strandkörbe: Sie sollen 2013 leer gestanden haben.

Baltrum.  Auf der kleinsten der ostfriesischen Inseln geht es übersichtlich zu. Nur sechseinhalb Quadratkilometer groß ist das Eiland mit 475 Einwohnern, jeder kennt dort jeden. Weil sich einst die anderen Inseln touristisch schneller weiterentwickelten, wird das etwas verschlafen wirkende auch das „Dornröschen der Nordsee“ genannt. „Baltrum ist ein Märchen im Meer!“ heißt es beim offiziellen Internetauftritt, „Hier wimmelt es von kleinen Prinzessinnen und Prinzen, die kleine und große Abenteuer erleben.“ Kommunalpolitisch läuft es derzeit aber wenig märchenhaft.

Zündstoff liefert eine Ratssitzung im Juni. Der parteilose Bürgermeister und Kurdirektor Berthold Tuitjer präsentiert die Abschlussrechnung der Kurverwaltung für das Wirtschaftsjahr 2013. Ausgerechnet die wichtigste Einnahmequelle soll deutlich weniger gesprudelt haben als in früheren Jahren: Tuitjer habe nicht aufklären können, warum die Erlöse aus der Vermietung von Strandkörben zurückgegangen seien, kritisieren Ratsmitglieder. Bei einem Jahresumsatz von 250.000 Euro im Jahr gehe es um geschätzte 100.000 Euro als Fehlbetrag und den Verdacht der Unterschlagung. Vier der sechs Ratsleute weigern sich, Tuitjer zu entlasten.

„Können uns eigentlich keine Grabenkämpfe leisten“

Tuitjer reagiert sauer. Der Verwaltungsbeamte war erst 2013 aus der größten ostfriesischen Stadt Emden ins Bürgermeisteramt der kleinsten Insel gewählt worden. „Ich habe hier sehr desolate Strukturen vorgefunden und zwei Jahre Vollgas gegeben. Wenn das nicht anerkannt wird, bin ich definitiv der Falsche“, sagt er.

Der Bürgermeister will nun eine Art Vertrauensbeweis erzwingen. Für die nächste Ratssitzung am kommenden Mittwoch (15.) hat der 45-Jährige seine Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand aus besonderen Gründen beantragt. Nach Paragraf 84 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes ist dies möglich, wenn einem Hauptverwaltungsbeamten nicht das ihm für die Amtsausübung erforderliche Vertrauen entgegengebracht wird.

Für seinen Antrag braucht Tuitjer eine Mehrheit von drei Vierteln der Mitglieder im Rat. Rechnerisch käme er damit nicht durch. Der Bürgermeister sieht die Aktion auch eher als „pädagogische Maßnahme und Versuch zur Disziplinierung“, als Weckruf zur Zusammenarbeit. „Wir können uns eigentlich keine Grabenkämpfe leisten.“

Entlassung ist formal nicht möglich

Auf der Gegenseite bleibt CDU-Fraktionsvorsitzender Jann Bengen jedoch bei seiner Kritik. Er kann nicht verstehen, wie es zu einem Leerstand von 40 Prozent bei den Strandkörben gekommen sein soll. „Der Kurdirektor konnte das nicht erklären“, begründen Bengen und sein CDU-Ratskollege Andreas Dietrich ihre Weigerung bei der Entlastung. Aufklärung könne vielleicht das Finanzamt bringen.

Wie geht es dann weiter mit dem Vertrauen? Eine Entlassung oder die Versetzung von Tuitjer in den Ruhestand seien formal derzeit nicht möglich, sagte Bengen: „Die Abstimmung im Rat ist daher eine Farce. Wir wollen das Ganze aber nicht weiter hoch schaukeln, letztlich müssen wir noch fünf Jahre mit dem Bürgermeister zusammenarbeiten.“

(dpa)