Pendler

Jeder vierte Lüneburger Student wohnt in Hamburg

Morgens wird der Metronom vom Hauptbahnhof Hamburg zum Studentenexpress nach Lüneburg

Morgens wird der Metronom vom Hauptbahnhof Hamburg zum Studentenexpress nach Lüneburg

Foto: Klaus Bodig

Fast 25 Prozent aller Lüneburger Studenten wohnen in Hamburg und fahren jeden Morgen mit dem Metronom zur Universität. Ein Ortsbesuch.

Hamburg/Lüneburg. „Die Fahrkarten bitte“, ruft Schaffner Marco von Luntern durch das Abteil. Diego greift zu seinem Portemonnaie und zückt sein Semesterticket. Der 22-jährige Student der Politikwissenschaften wohnt in Hamburg, studiert allerdings an der Leuphana Universität in Lüneburg . Von Montag bis Freitag pendelt er mit dem Metronom. „Ich bin in Hamburg aufgewachsen“, sagt er. „Hier gefällt es mir einfach besser, und alle meine Freunde leben hier.“

Diego ist nicht alleine: Fast 25 Prozent der rund 8400 Lüneburger Studenten haben als Wohnsitz eine Adresse in Hamburg angegeben. Vor allem am Morgen und am Nachmittag ist der Metronom deshalb voll mit Studenten. Je nach Uhrzeit und Jahreszeit schätzt die Metronom Eisenbahn GmbH den Studentenanteil der Fahrgäste auf zehn bis 15 Prozent. „Den Zug, der um 8.54 Uhr in Hamburg abfährt, kann man durchaus als Studentenzug bezeichnen“, sagt Marco von Luntern, während er sich von Abteil zu Abteil vorarbeitet. „Die ersten drei Wagen sind immer der Leuphana-Bereich. Sie halten nämlich direkt dort, wo die Shuttlebusse zur Uni fahren.“

Manche frühstücken zusammen im Zug

Auch BWL- und Wirtschaftspsychologiestudentin Lisa, 25, gehört zu den Pendlern. „Am Anfang hat mich das schon gestört“, sagt sie. „Aber mittlerweile macht es Spaß. Zumal man ja nicht alleine ist.“ An diesem Morgen hat sie sich mit ihren Kommilitonen Damaris, 22, und Daniela, 25, verabredet. Die drei nutzen die Zeit, um zu frühstücken. „Ich habe durch meine Ausbildung vorher schon in Hamburg gewohnt“, sagt Damaris. „Wer den Wohnungskampf hier einmal mitgemacht hat, der gibt seine vier Wände nicht einfach so auf, bloß weil man drei Jahre woanders studiert. Zumal die Mieten in Lüneburg praktisch genauso hoch sind.“ Hamburg als Wohnort zu wählen, hat nach Meinung der drei jungen Frauen aber noch einen weiteren Vorteil: „Dort gibt es deutlich mehr Studentenjobs“, sagt Lisa. „Ich kenne viele, die nach der Uni von Lüneburg nach Hamburg pendeln, um zu arbeiten.“

Die Fahrtzeit liegt zwischen 32 und 48 Minuten

Viele Studenten vertreiben sich die Fahrtzeit wie Damaris, Lisa und Daniela: Sie frühstücken, quatschen, tauschen sich über Professoren und Studieninhalte aus. Die ganz Fleißigen hingegen sitzen an ihren Laptops oder machen Hausaufgaben. „Das hatte ich mir auch fest vorgenommen“, sagt Cathrin. Die 30-Jährige wollte ihre schöne Wohnung im Hamburger Stadtteil Winterhude nicht aufgeben und pendelt deshalb seit zwei Jahren. „Meistens höre ich aber doch einfach Musik oder mache noch mal die Augen zu“, sagt sie. „Man darf aber auf keinen Fall vergessen, sich etwas zu lesen mitzunehmen.“ Denn auch wenn die eigentliche Fahrzeit je nach Anzahl der Zwischenhalte nur 32 bis 48 Minuten beträgt, ist Cathrin von Tür zu Tür über eineinhalb Stunden unterwegs.

In dem Metronom werden Freundschaften geschlossen

„Plus Pufferzeiten – das darf man sich gar nicht ausrechnen“, sagt sie. „Ich dachte anfangs, dass ich mich daran im Laufe der Zeit gewöhne – aber das habe ich nicht.“ Einen Wagen weiter sitzt Jacob, 25. Auch ihn halten Freundschaften und seine Wohnung in Hamburg. „Der Nachteil ist, dass man Lüneburg als Stadt kaum kennenlernt, wenn man pendelt“, sagt der Lehramtsstudent. „Man kommt an, nimmt den Bus zur Uni, und danach geht es direkt zurück.“ Andererseits habe er im Metronom viele Kommilitonen kennengelernt. „Da sind schon echte Freundschaften entstanden“, sagt er.

In diesem Moment rollt der Metronom in Lüneburg ein. In Scharen strömen die Studenten zu den Shuttlebussen. Auf dem Gleis haben sich derweil bereits diverse Studenten versammelt, die auf den Metronom in die entgegengesetzte Richtung warten. Milena, 22, wohnt und studiert in Lüneburg, und trotzdem nimmt sie für ihren Freund und ihren Hund an vielen Tagen die bis zu zweieinhalb Stunden lange Fahrt ins heimische Scheeßel auf sich.

Andere pendeln auch noch Niedersachsen zur Hamburger Uni

Wir treffen den 23-jährigen Hendrik, der Mechatronik an der HAW in Hamburg studiert, aber in Adendorf bei Lüneburg lebt, weil er „einfach kein Stadtmensch“ ist. Und Elisabeth, 21, die ein WG-Zimmer in Lüneburg hat, ist auf dem Heimweg nach Elmshorn. „Ich finde den Metronom super“, sagt sie. „Der ist eigentlich immer pünktlich, da wird auch nicht gestreikt, und die Schaffner haben meistens einen lustigen Spruch parat. Außerdem ist die Strecke zwischen Lüneburg und Hamburg echt schön. Ich sitze gerne oben und gucke aus dem Fenster.“

Laut Schaffner Marco von Luntern gehören die Studenten zu den angenehmen Fahrgästen. Doch nicht nur deswegen sind sie im Metronom gern gesehen. „Studenten haben Ideen für das Reisen der Zukunft, Studenten denken quer, Studenten fragen nach“, sagt Björn Pamperin, Leiter der Unternehmenskommunikation der Metronom Eisenbahn GmbH. „Bei diesen Ideen hören wir gerne zu, einige haben wir bereits umgesetzt, und der ein oder andere ehemalige Student arbeitet inzwischen fest beim Metronom.“