Leere Militärgelände

Heideorte ringen um Zukunft nach Abzug der Briten

Britische Soldaten bei der Abschiedsparade in Bad Fallingbostel (Niedersachsen). In den kommenden Monaten werden rund 2300 Soldaten und ihre Familien die Stadt im Rahmen des lange geplanten Truppenabzugs verlassen

Britische Soldaten bei der Abschiedsparade in Bad Fallingbostel (Niedersachsen). In den kommenden Monaten werden rund 2300 Soldaten und ihre Familien die Stadt im Rahmen des lange geplanten Truppenabzugs verlassen

Foto: Peter Steffen / dpa

Nach den Abschiedsparaden bleiben in Bergen und Bad Fallingbostel verwaiste britische Militärgelände zurück. Was passiert nun damit?

Bergen/Bad Fallingbostel. Mit einem großen Militärumzug feierten die britischen Streitkräfte Mitte Mai ihren Abzug aus Bad Fallingbostel, in zwei Wochen gibt es eine Abschiedsparade in Bergen. Während alle Studien zur Nachnutzung der Militärflächen bislang auf eine möglichst schnelle Ansiedlung von Gewerbe abzielten, will der Bund die Gelände nun zunächst für zwei Jahre in seiner Verwaltung behalten.

„Wir stehen erstmal zwei Jahre vor einem Zaun“, sagte der neue Konversionsmanager für die Städte in der Lüneburger Heide, Thomas Rekowski. In den Rathäusern stößt der Kurswechsel aber auf ein geteiltes Echo.

Der Bürgermeister von Bergen, Rainer Prokop (CDU), sieht das Engagement des Bundes positiv, nachdem das Verteidigungsministerium in Berlin bereits die Verlegung eines Panzerbataillons in die britische Kaserne angekündigt hatte. „Es gibt auch konkrete Überlegungen, rüstungsnahe Unternehmen oder Bundesbehörden zu verlegen“, sagte Prokop. „Es gibt eine Zukunft für uns, da laufen Dinge im Hintergrund.“ Da sei es kein Problem, wenn der Truppenübungsplatz in seinen Grenzen zunächst nicht angetastet werden und allenfalls von der Landwirtschaft mitgenutzt werden könne.

Kritisch reagiert die Bürgermeisterin von Bad Fallingbostel, Karin Thorey (parteilos). Die schnelle Umwandlung eines Militärareals nahe der Autobahn 7 in eine Gewerbefläche werde durch das Vorgehen des Bundes verzögert. In der Zwischenzeit sei allenfalls eine Mitnutzung der Flächen vorgesehen. „Ein Bauer hat schon Kontakt aufgenommen, um Schafe dort weiden zu lassen.“ Unternehmen locke dies zunächst nicht an. „Wir können keine Pläne entfalten.“

Beide Städte eint der große Kaufkraftverlust durch den Abzug der Briten sowie die freiwerdenden Wohnungen, denen Konversionsmanager Rekowski sich als erstes annehmen will. Teils bleibe nur der Abriss von heruntergekommenen Gebäuden und eine Renaturierung der Brachflächen. Von Vandalismus betroffene, bereits leerstehende Gebäude in Bad Fallingbostel hätten sich zu Schandflecken entwickelt.

Nicht leichter sei der Umgang mit noch jüngeren Wohnungen für Soldatenfamilien, die nach ihrer Errichtung über Banken und Investmentfonds Eigentümer quer durch Deutschland gefunden hatten. Bis der Leerstand behoben und für alle Gebäude eine Zukunft gefunden sei, könne es 15 bis 20 Jahre dauern, meinte Rekowski. „Zwei große Bereiche sind eine Geisterstadt“, sagte Thorey zur Lage in Bad Fallingbostel. „Die Gebäude sind größtenteils baufällig, da kann man nur noch rückbauen.“

Der Umgang mit den Gebäuden ist das eine, der Kaufkraftverlust, den eine Studie für die Region auf jährlich 65 Millionen Euro beziffert, das andere. „16 Geschäfte in der Innenstadt stehen im Moment leer“, sorgt sich Thorey. Auch in Bergen wird der Wegzug der Briten spürbare Lücken hinterlassen. Um rund 10 000 Einwohner wird die vom demografischen Wandel ohnehin betroffene Region ärmer.

Deshalb lassen Bergen und Bad Fallingbostel nichts unversucht, um zumindest einen kleinen Teil der Briten zum Bleiben zu bewegen - in einem neuen, zivilen Beruf. „Es werden welche hierbleiben, aber der Umfang ist noch unklar“, sagte Prokop zur Kampagne „Bleiben in Bergen“. Es gebe schon etliche Familien, die sich umschauen. Und auch in Bad Fallingbostel gab es Anfang des Jahres einen gut besuchten „Resettlement Fair“, bei dem die Soldatenfamilien über ein Bleiben in der Stadt und die Jobsuche informiert wurden. Für manche Briten werden die Militärparaden deshalb wohl nur den Abschied von der Uniform, nicht aber von Niedersachsen einläuten. (dpa)