Wolfsburg

Veggie-Streit: Geflügelkonzern droht VW mit Boykott

So soll es nicht auf den Tellern aussehen. Jedenfalls laut Werbung in den Restaurants der Autostadt (Archivbild)

So soll es nicht auf den Tellern aussehen. Jedenfalls laut Werbung in den Restaurants der Autostadt (Archivbild)

Foto: Ole Spata / dpa

Hähnchenmäster Rothkötter will keine Volkswagen mehr kaufen. Grund: In den Autostadt-Restaurants wird für fleischlose Ernährung geworben.

Meppen/Wolfsburg. Im Streit zwischen Landwirtschaftverbänden und Volkswagen wegen der Werbung für vegetarische und vegane Ernährung in den Restaurants der Autostadt in Wolfsburg haben sich nun auch die Chefs des Schlachtkonzerns Rothkötter eingeschaltet. „Solange die Stigmatisierung der konventionellen Land- und Ernährungswirtschaft auf der Homepage nicht beendet wird, werden wir keine weiteren Fahrzeuge des VW-Konzerns mehr erwerben“, schrieben die beiden Geschäftsführer Franz-Josef Rothkötter und Wilfried Fleming in einem Brief an VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtete zuerst über den Boykott-Aufruf, der in sozialen Netzwerken kursiert.

Bereits im April hatte die Werbung für fleischlose Ernährung in den Restaurants der Autostadt zum Streit zwischen Landwirten und VW geführt. Damals hatte der niedersächsische Landvolk-Präsident Werner Hilse indirekt zum Boykott von VW-Produkten aufgerufen, weil sich Landwirte von den agrarkritischen Bemerkungen diskriminiert fühlten.

Autostadt-Sprecher Tobias Riepe verwies darauf, dass sich inzwischen Hilse und der Autostadt-Geschäftsführer Otto Wachs getroffen hätten. Es solle einen weiteren Austausch zwischen Landwirten und der Autostadt geben. „Da befinden wir uns noch in der Terminfindung“, sagte Riepe. Möglicherweise werde die Homepage überarbeitet. Die Autostadt gebe keine einseitigen Empfehlungen für fleischhaltige, vegetarische oder vegane Ernährung, sondern wolle alle Ernährungsformen mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen darstellen. Mehr als zwei Drittel der Gerichte enthielten Fleisch, betonte Riepe.

Dessen ungeachtet hat der emsländische Geflügelkonzern an der Kritik festgehalten. Sie seien „zunehmend irritiert“, dass es auf der Homepage der Autostadt bislang zu keinen wahrnehmbaren Korrekturen gekommen sei, schreiben Rothkötter und Flemming. „Unser Fuhrpark besteht zurzeit aus 159 LKW, davon 100 Scania, und 68 PKW, davon 41 VW/Audi“, heißt es in dem auf den 6. Mai datierten Brief an Winterkorn.

Der Rothkötter-Konzern produzierte laut dem jüngsten im Bundesanzeiger veröffentlichten Konzernabschluss vom 30. Juni 2013 30 Prozent des deutschen Hähnchenfleischs. Der Jahresumsatz betrug damals 995,5 Millionen Euro. Rothkötter betreibt Hähnchenschlachthöfe im emsländischen Haren und in Wietze. Die Konzernwurzeln liegen in einem Mischfutterwerk in Meppen. Das Unternehmen betreibt auch eine Brüterei. Aktuell beschäftigt es eigenen Angaben zufolge 2500 Mitarbeiter.