Auschwitz-Prozess

Überlebende empfinden Prozess als „Genugtuung“

Eva Pusztai-Fahidi ist Nebenklägerin, die 89-jährige Ungarin hat den Völkermord überlebt

Eva Pusztai-Fahidi ist Nebenklägerin, die 89-jährige Ungarin hat den Völkermord überlebt

Foto: Peer Körner / dpa

Lüneburg.  Im Lüneburger Auschwitz-Prozess nennt es die Nebenklägerin Eva Pusztai-Fahidi „eine Art von Genugtuung“, dass sie als Zeugin gegen den ehemaligen SS-Mann Oskar Gröning aussagen darf. Nach vielen Jahrzehnten könne sie endlich vor einem deutschen Gericht über das sprechen, „was damals ein Verbrechen war, noch heute eins ist und morgen und in alle Ewigkeit“, sagte die 89-jährige am Dienstag in der Verhandlung vor dem Landgericht. „Es geht mir nicht um die Strafe. Es geht um das Urteil, die Stellungnahme der Gesellschaft“, betonte sie.

Die heute in Budapest lebende Pusztai-Fahidi schilderte vor dem Gericht, wie sie mit ihrer Familie 1944 unter unvorstellbar grausamen Umständen aus dem ungarischen Debrecen in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt wurde. Sie verlor dort ihre Eltern und ihre Schwester. Insgesamt 49 Mitglieder ihrer Familie seien während des Holocaust ermordet worden: „Die Verbrechen in Auschwitz-Birkenau sind unbeschreibbar“, sagte sie in ungarisch gefärbtem Deutsch. „Wir sind dort gestanden, kahlgeschoren und splitternackt“, beschrieb sie die Umstände nach der Ankunft.

Der 93-Jährige Oskar Gröning muss sich vor dem Landgericht wegen Beihilfe zum Mord in Auschwitz in mindestens 300.000 Fällen verantworten. Dabei geht es um die Zeit der sogenannten Ungarn-Aktion im Sommer 1944. Der seit einer Woche laufende Prozess soll klären, ob Gröning an der Bahnrampe von Auschwitz-Birkenau Spuren der Massentötung verwischt hat, indem er half, das Gepäck wegzubringen.

Nach dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte so dazu beigetragen, das Tötungssystem zu unterstützen. Gröning war im KZ für das Gepäck der verschleppten Menschen auf der Bahnrampe mit zuständig und verbuchte auch das Geld, das sie bei sich hatten.

(dpa)