Nazi-Verbrechen

Früherer SS-Mann sollte schon viel früher vor Gericht

Vor dem Landgericht Lüneburg findet vermutlich einer der letzten großen  NS-Prozesse statt

Vor dem Landgericht Lüneburg findet vermutlich einer der letzten großen NS-Prozesse statt

Foto: pa/dpa

Bericht: Staatsanwaltschaft Frankfurt lehnte Ermittlungen ab. Früherer SS-Mann Oskar Gröning will zu seiner Arbeit in Auschwitz aussagen.

Lüneburg/Hamburg. Anders als Ankläger in Hannover hat es die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main offenbar abgelehnt, die Ermittlungen gegen den früheren SS-Unterscharführer Oskar Gröning wieder aufzunehmen. Das berichtet der "Spiegel“. Der heute 93-jährige Gröning muss sich von Dienstag (21. April) an vor dem Landgericht Lüneburg in einem der vermutlich letzten großen NS-Kriegsverbrecher-Prozesse für seine Taten im Dienste der Nationalsozialisten verantworten. Die Staatsanwaltschaft Hannover wirft ihm vor, im Frühjahr 1944 in Auschwitz Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen geleistet zu haben. Nach verschiedenen Berichten will Gröning aussagen.

Wie der „Spiegel“ berichtet, wollten die Frankfurter Staatsanwälte im Januar 2013 nicht gegen den SS-Mann vorgehen, der heute in der Lüneburger Heide lebt. Er war im Vernichtungslager Auschwitz als Buchhalter eingesetzt. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte bereits 1985 ein Ermittlungsverfahren gegen Gröning eingestellt. Zur Begründung hieß es damals, die „Kausalität seiner Tätigkeit“ sei „für den Erfolg der Vernichtungsaktion“ nicht gegeben gewesen. Gröning habe lediglich in der Lagerverwaltung gearbeitet, der Massenmord im Konzentrationslager könne ihm nicht zur Last gelegt werden.

Die Staatsanwaltschaft Hannover hingegen argumentiert, Gröning habe in Auschwitz den reibungslosen Ablauf der Tötungsmaschinerie gewährleistet. Sie reichte deswegen im August 2014 Anklage ein und legte eine 85-seitige Klageschrift vor. Nach Angaben seines Anwaltes will sich Gröning vor Gericht zu den Vorwürfen äußern.

Für das Verfahren, das unter hohen Sicherheitsvorkehrungen stattfindet, haben sich nach Angaben des Gerichtes mehr als 50 Journalisten angemeldet. Darunter sind auch Reporter von der "New York Times" und der britischen BBC. In dem auf 27 Termine angesetzten Prozess treten 67 Nebenkläger auf, unter anderem aus den USA, Kanada, Ungarn oder Israel. Unter ihnen sind Menschen, die selbst das Lager Auschwitz durchlitten haben und Angehörige von Ermordeten.

Gröning war für das Gepäck der verschleppten Menschen auf der Bahnrampe von Auschwitz mit zuständig und verbuchte das Geld, das sie bei sich hatten. Nach den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft hat er Spuren der Massentötung verwischt, indem er half, Gepäck wegzuschaffen. Er habe dem NS-Regime wirtschaftliche Vorteile verschafft und die systematische Tötung von Menschen unterstützt. (epd/HA)