Forschung

Transrapid-Technik lebt im Elektroauto weiter

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Auf dem Gelände der Testanalage für den Hochgeschwindigkeitszug im Emsland wird weiter gearbeitet. Forscher wollen zeigen, dass man einen Teil der Magnetbahntechnik in Elektroautos verwenden kann.

Lathen. Der Transrapid steht auf dem Abstellgleis: Der TR09, der Zug, der eigentlich einmal in München Flughafen und Innenstadt verbinden sollte, ist derzeit in einer alten Halle im Emsland untergebracht.

Dort auf dem Gelände der Testanlage in Lathen, wo der Hochgeschwindigkeitszug jahrzehntelang erprobt wurde, gehen die Entwicklungsarbeiten weiter, obwohl der Transrapid längst Geschichte ist. Der Testanlagenbetreiber IABG will mit seiner Tochterfirma Intis zeigen, dass ein wichtiger Teil der Magnetbahn-Technik auch für Elektroautos taugt.

Geforscht wird an der induktiven Energieübertragung. "Das Prinzip kennen wir von Elektrozahnbürsten", sagt Intis-Geschäftsführer Ralf Effenberger. Zum Aufladen wird die Bürste in einen Halter gesteckt, und der Akku lädt sich kabellos wieder auf. Auch Elektroautos, sagt Effenberger, lassen sich ohne Kabel aufladen. Vom Transrapid weiß man, dass das sogar beim Fahren funktioniert.

Das Prinzip demonstrieren Effenberger und sein Team an einem fahrbahren Schlitten, auf dem eine Batterie von leistungsstarken Scheinwerfern montiert ist. Sein Team schiebt das Gestell über eine in dem Boden eingelassene Spule. Sobald die richtige Position erreicht ist, beginnen die Lampen aufzuleuchten. "Die Energie wird berührungslos von der Straße in den Schlitten übertragen", erklärt Effenberger. Der Luftspalt beträgt 15 Zentimeter, die Leistung 60 Kilowatt.

"Die Technik haben wir auch in einen Pkw und einen Bus eingebaut. Beide Fahrzeuge konnten wir kontinuierlich mit Energie versorgen – ob zum Nachladen der Batterie oder direkt für den Fahrzeugantrieb", sagt Effenberger.

Diese Technik eröffnet eine Vielzahl von Möglichkeiten. "Die Autofahrer bräuchten kein Ladekabel mehr", erklärt Effenberger. "Auf induktivem Wege lassen sich ohne weiteres die Leistung übertragen, die der Elektromobilist zum rechtzeitigen Nachladen seiner Autobatterie braucht." Solche elektrischen Leistungen konventionell zu übertragen, würde dicke und unhandliche Kabel erfordern.

Der Komfortvorteil für die Autofahrer wäre enorm. "Man könnte zum Beispiel Wartespuren für Taxen mit den Induktionsmodulen ausstatten", sagt Effenberger. Denkbar wäre es aber auch, die Technik in Garagen oder Parkhäuser einzubauen, ergänzt Robert Kuhfuss vom Projektpartner Fraunhofer Institut IFAM. Dann könnte das Auto während des Parkens vollautomatisch aufgeladen werden, ohne weiteres Zutun des Fahrers. Technisch möglich wäre es auch, Straßen – etwa Autobahnen – mit den Induktionsschleifen auszustatten. Die Technik lässt sich gut in der Straße unterbringen. Sie ist unsichtbar und gegen Vandalismus geschützt.

Die Bundesregierung will bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße bringen. Auch aus diesem Grund beteiligt sich das Bundesverkehrsministerium an der Finanzierung der Entwicklungsarbeit in Lathen. Die Bundesregierung hofft, damit die Akzeptanz für den im Moment noch zäh verlaufenden Ausbau der Elektromobilität zu stärken und den Markthochlauf zu unterstützen, sagt Ministeriums-Sprecherin Julie Heinl.

Unterdessen steht das weitere Schicksal des abgestellten TR09 noch in den Sternen. Das Fahrzeug gehört dem Bund. Auf der spanischen Ferieninsel Teneriffa gibt es Überlegungen, eine Transrapidstrecke zu bauen. Wenn es dazu käme, würde die Regierung den jetzt in Lathen stehenden Zug zur Verfügung stellen, heißt es aus dem Bundesverkehrsministerium. Doch ob das wirtschaftlich angeschlagene Spanien die Mittel für das drei Milliarden Euro teure Projekt aufbringen kann und will, weiß bislang noch niemand.

Die Samtgemeinde Lathen würde gern ein Museum zum Transrapid bauen. "Wir haben vom Bund die Zusage, wenn uns die museale Aufbereitung gelingt, dann bekommen wir das letzte Fahrzeug, das jetzt in der Halle steht", sagt Samtgemeindebürgermeister Karl-Heinz Weber (CDU). Seit den 80er Jahren ist die Transrapid-Testanlage Teil der Ortsgeschichte. Die Kommune brauche für ein Museum auch Hilfen von Bund und Land, sagt der Politiker. Die Teststrecke, 2006 kam es zu einem schweren Unfall mit 23 Todesopfern, soll abgerissen werden. Aber wann das geschehen wird, dazu hüllt sich die Eigentümerin IABG in Schweigen.

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