Altenpflege

Pflegenotstand: Verdi fordert bessere Arbeitsbedingungen

Da das Renditeziel der privaten Pflegeanbieter über die Löhne der Mitarbeiter erreicht werde, verschlechtere sich auch die Pflegequalität.

Hannover. Die Gewerkschaft Verdi hat die Bedingungen in der Altenpflege kritisiert. Lohndumping, Personalmangel, schlechte Arbeitsbedingungen und damit eine Verschlechterung der Pflegequalität seien die Realität. „Der Wettbewerb in der Pflege wird zulasten der Beschäftigten und Pflegebedürftigen ausgetragen“, sagte Verdi-Landesbezirksleiter Detlef Athing am Freitag in Hannover. 60 Prozent der Anbieter in Niedersachsen seien in privater Hand - deutlich mehr als in anderen Bundesländern. Hauptziel dieser Unternehmen sei es, Rendite zu erwirtschaften. Und das gehe über die Löhne der Mitarbeiter.

Die Personalfluktuation sei enorm hoch und für die Patienten schwierig, da sie ständig neue Pfleger hätten. „Der Durchschnittslohn in der Pflege beträgt 2150 Euro brutto“, sagte Athing. Dazu kämen befristete Verträge, Teilzeitarbeit und Leiharbeit, mit der die Arbeitgeber ihre Mitarbeiter unter Druck setzten.

Die Vergütung im ersten Ausbildungsjahr liege bei 683 Euro, rund 200 Euro unter der Krankenpflege. „Das ist nicht sehr attraktiv“, betonte Athing. Als Folge zeichne sich ein Fachkräftemangel ab. Derzeit gebe es in Niedersachsen rund 260.000 Pflegebedürftige, die Zahl werde aber stark ansteigen. „Bis 2020 brauchen wir etwa 30.000 Pflegekräfte mehr, es werden zu wenige ausgebildet“, erklärte Athing.

Um mehr junge Menschen für die Ausbildung zu gewinnen, forderte Verdi auch die komplette Abschaffung des Schulgelds, wie es in Nordrhein-Westfalen bereits umgesetzt wurde. Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) hatte am Donnerstag auf der Landesmitgliederversammlung des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste erklärt: „Es ist dringend notwendig, den Ausbildungs- und Qualifizierungspakt umzusetzen und insbesondere die Finanzierung des dritten Umschulungsjahres in der Pflege bundeseinheitlich zu regeln.“

Niedersachsen braucht laut Verdi auch einen besseren Pflegeschlüssel, es müsse eine bundeseinheitliche Regelung geben. Bei der gleichen Pflegestufe betreue eine Fachkraft zum Beispiel in Bayern zwei bis zweieinhalb zu Pflegende, in Niedersachsen vier.