Bad Nenndorf

Protest gegen Neonazi-Aufmarsch in Bad Nenndorf

Foto: dpa / dpa/DPA

Am Sonnabend haben mehr als 1000 Menschen gegen einen Neonazi-Aufmarsch protestiert. DGB-Kundgebung: "Bad Nenndorf ist bunt"

Bad Nenndorf. Am Sonnabend haben mehr als 1.000 Menschen gegen einen Neonazi-Aufmarsch im niedersächsischen Bad Nenndorf protestiert. „Der Protest heute ist wesentlich stärker, als er bereits in den vergangenen Jahren war“, sagte Steffen Holz vom Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zu Beginn der Kundgebung unter dem Motto „Bad Nenndorf ist bunt“. Für den Nachmittag wurden in dem Kurort nahe Hannover rund 1.000 Neonazis aus dem ganzen Bundesgebiet zu einem sogenannten Trauermarsch erwartet.

Die Route der Rechtsextremisten sollte in diesem Jahr erstmals an den Gebetsräumen einer jüdischen Gemeinde vorbeiführen. Für die mittägliche Sabbatfeier war Polizeischutz eingeplant. Zahlreiche Christen wollten die jüdische Gemeinde aus Solidarität besuchen.

Die Nenndorfer Bürgermeisterin Gudrun Olk betonte, dass die Rechtsextremisten in der Stadt nicht willkommen seien. „Ein normales gesellschaftliches Leben ist in dieser Stadt heute nicht möglich“, sagte sie bei der Kundgebung des Bündnisses „Bad Nenndorf ist bunt“ und des DGB. Geschäfte hätten geschlossen, Hochzeiten seien verschoben, Familienfeste abgesagt. Sie sei irritiert und verärgert, dass ihr Protestschreiben an den niedersächsischen Innenminister Uwe Schünemann (CDU) unbeantwortet geblieben sei.

Der Vorsitzende der DGB-Region Niedersachsen-Mitte, Andreas Gehrke, betonte, dass der Protest gegen die Aufmärsche fortgesetzt werden müsse. Er rief den Neonazis zu: „Eure sogenannten Trauermärsche sind eine Verhöhnung der Opfer, die eure Vorbilder abgeschlachtet haben.“ Der evangelisch-lutherische Superintendent Andreas Kühne-Glaser wies darauf hin, dass das christliche Kreuz zu Protest und Widerstand gegen Rechtsextremismus verpflichte. Es mache zzugleich „Mut aufzustehen für Menschenfreundlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden.“

Mit ihrem „Trauermarsch“ wollen die Neonazis nach eigenen Angaben an Folterungen führender Nationalsozialisten im Bad Nenndorfer Wincklerbad erinnern. Zwischen 1945 und 1947 befand sich hier ein britisches Militärgefängnis. Die Misshandlungen sind dem DGB zufolge damals umgehend geahndet und von der Öffentlichkeit in Großbritannien verurteilt worden. Die Neonazis nutzten die „Trauermärsche“ um ihre Propaganda zu verbreiten. Nach der Auflösung der Grabstätte des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß (1894-1987) im vergangenen Monat gilt Bad Nenndorf als einer der letzten „Wallfahrtsorte“ der Neonazis. (EPD)