Rostock (dpa/mv). Um eine mögliche Lockerung strenger EU-Gentechnikregeln wird seit langem gestritten. Der BUND warnt vor einem Treffen der EU-Agrarminister vor massiven negativen Folgen und sieht den grünen deutschen Ressortchef in der Pflicht.

Die Umweltorganisation BUND hat an Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) appelliert, sich bei EU-Beratungen Anfang der Woche gegen die geplante Deregulierung sogenannter Neuer Gentechnik-Verfahren (NGT) zu positionieren. Ein entsprechender Gesetzvorschlag der EU-Kommission könne dramatische Auswirkungen haben, sagte der BUND-Experte und Koordinator der 13 gentechnikfreien Regionen in Mecklenburg-Vorpommern, Burkhard Roloff, der Deutschen Presse-Agentur. Am Montag und Dienstag beraten die EU-Agrarminister über eine Ratsposition zur Neuen Gentechnik in der Landwirtschaft.

Mit dem Gesetzentwurf sollten unter anderem das verpflichtende Zulassungsverfahren mit einer Risikoprüfung und die eindeutige Kennzeichnung abgeschafft werden. „Bis zu 94 Prozent der NGT-Pflanzen würden dann überhaupt nicht mehr reguliert: Sie würden ohne Zulassungsverfahren und ohne Risikoprüfung auf die Äcker und Märkte kommen“, sagte Roloff. Ohne Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit gebe es keine Wahlfreiheit mehr für Konsumenten, Bauern, Züchter sowie Lebensmittel-Verarbeiter und -Händler.

Roloff forderte Özdemirs auf, in Brüssel dafür zu sorgen, dass die sogenannte Neue Gentechnik weiterhin als Gentechnik gekennzeichnet und geprüft werde. Der Minister müsse sich stark machen für ein EU-Gentechnikrecht, das auch in Zukunft eine gentechnikfreie Saatgut- und Lebensmittelerzeugung sichere.