Mecklenburgische Seenplatte

OB Witt: Aus für Frühchen-Station «rücksichtslos»

| Lesedauer: 2 Minuten
Ein Hinweisschild mit der Aufschrift «Krankenhaus» weist den Weg zur Klinik.

Ein Hinweisschild mit der Aufschrift «Krankenhaus» weist den Weg zur Klinik.

Foto: Marcus Brandt/dpa/Symbolbild

Nach monatelanger Auseinandersetzung wollen die Krankenkassen die Behandlung sehr kleiner Frühchen in Neubrandenburg nun doch beenden. Oberbürgermeister Witt nennt das «rücksichtslos» - und hofft auf politische Hilfe beim Land.

Berlin/Neubrandenburg (dpa/mv). Der Oberbürgermeister von Neubrandenburg, Silvio Witt (parteilos), hat den Schließungsplan der Krankenkassen für die Behandlung sehr kleiner Frühgeborener am Klinikum Neubrandenburg scharf kritisiert. «Das ist für mich rücksichtslos», sagte Witt am Donnerstag auf der Stadtvertretersitzung. So sollte man nicht mit dem ländlichen Raum umgehen. Bei der Entscheidung der Fachkommission der Landesverbände der Krankenkassen und Ersatzkassen in Mecklenburg-Vorpommern seien weder die damit bundesweit größten Einzugsgebiete, noch die extrem weiten Wege für Betroffene und die Attraktivität des Krankenhauses für Mediziner berücksichtigt worden.

Die AOK Nordost hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass Neugeborene mit weniger als 1250 Gramm Geburtsgewicht ab 2023 nicht mehr am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg behandelt werden dürfen. Die Behandlungszahlen seien zu gering, um die notwendige Qualität sicherzustellen, hieß es. Eine Zusage für die Behandlung solch kleiner Frühchen hätten die Uniklinik Greifswald, die Helios Kliniken Schwerin und das Südstadtklinikum Rostock bekommen.

Die Zahl der Behandlungen sei ein Kriterium, aber nicht das einzige, sagte Witt. Bisher versorgt ein solches «Perinatalzentrum» in MV Menschen auf rund 5700 Quadratkilometern, wenn die Pläne umgesetzt werde, seien es 7800 Quadratkilometer. Das wäre bundesweit - in negativer Hinsicht - Spitze, sagte Witt. So müssten Betroffene bis zu viermal länger als bisher bis Berlin fahren. Man werde versuchen, die Fraktionen im Landtag einzuschalten, um die mögliche Ausnahmeregelung für Neubrandenburg doch noch zu erreichen.

Für 2023 gelten 20 Behandlungsfälle laut Fachkommission als Untergrenze, ab 2024 sollen es 25 Fälle sein. In Neubrandenburg seien es im Jahr 2021 nur sieben gewesen. Witt wies darauf hin, dass diese Behandlungszahl am Klinikum Neubrandenburg seit 2012 zwischen 5 und 22 Fällen im Jahr gelegen habe. Vom Behandlungsverbot betroffen sind laut Fachkommission planbare Geburten sehr kleiner Frühchen. Notfälle könnten weiter in Neubrandenburg entbunden werden.

Frühgeburten mit weniger als 1250 Gramm Geburtsgewicht sind den Angaben zufolge selten: Sie beträfen 0,6 bis 0,7 Prozent aller Geburten, hieß es. Im vergangenen Jahr kamen in Mecklenburg-Vorpommern den Angaben zufolge 11 845 Babys zur Welt.