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Schwesig plädiert für Fortführung des 9-Euro-Tickets

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Ein Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn steht an einem Bahnhof.

Ein Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn steht an einem Bahnhof.

Foto: Jan Woitas/dpa/Symbolbild

Ende August läuft das vom Bund unterstützte 9-Euro-Ticket für den Regionalverkehr aus. Die Länder dringen auf eine Weiterführung. Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Schwesig erhofft sich davon auch Rückenwind für eigene Nahverkehrs-Projekte.

Schwerin (dpa/mv). Mecklenburg-Vorpommern hält nach den Worten von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) eigene Überlegungen der Länder zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs für sinnvoll, sieht aktuell aber den Bund in der Pflicht. «Das 9-Euro-Ticket ist eine gute Maßnahme der Bundesregierung. Als Land setzen wir uns dafür ein, dass die Bundesregierung das 9-Euro-Ticket verlängert, wenigstens für die Pendlerinnen und Pendler», sagte Schwesig am Montag in Schwerin.

Zurückhaltend äußerte sie sich zu einem Vorschlag aus Niedersachsen. Das dort von dem CDU-Politiker Bernd Althusmann (CDU) geführte Wirtschaftsministerium hatte für den Fall, dass der Bund nicht für eine bundesweite Anschlusslösung sorgt, ein gemeinsames Vorgehen der fünf norddeutschen Bundesländer ins Spiel gebracht, ohne aber konkret zu werden. «Wir sind natürlich offen dafür zu schauen, wie wir auch im norddeutschen Verbund vorankommen können», sagte Schwesig.

Sie verwies darauf, dass Mecklenburg-Vorpommern bereits das Azubi-Ticket eingeführt habe, mit dem junge Leute für einen Euro am Tag den Nahverkehr nutzen könnten. Ein solch verbilligtes Ticket werde es künftig auch für Senioren geben. Zudem solle das Rufbus-System, das sich im Landkreis Ludwigslust-Parchim bereits bewährt habe, auf das gesamte Bundesland ausgedehnt werden.

«Und wenn die Bundesregierung das flankieren würde mit der Fortsetzung des 9-Euro-Tickets, würden wir in der Frage wirklich gut vorankommen. Einfach nur zu den Leuten zu sagen, ihr sollt nicht mehr euer Benzinauto fahren, reicht nicht. Es muss für die Leute eine echte, bezahlbare Umstiegs-Alternative geben im ÖPNV», betonte Schwesig. Bei ihrer am Montag gestarteten Mecklenburg-Vorpommern-Tour nutzte sie für die erste Etappe von Schwerin nach Neustadt-Glewe und Parchim einen Elektrobus, der auch im Regionalverkehr eingesetzt wird.

Die Reaktionen aus dem Landtag fielen unterschiedlich aus: «Es ist an der Zeit, den Nahverkehr endlich dauerhaft unkompliziert und gut bezahlbar für alle Menschen zu gestalten. Die Bundesregierung muss daher zeitnah eine Nachfolgelösung für das 9-Euro-Ticket finden», forderte die Grünen-Abgeordnete Jutta Wegner. Dass das Ticket millionenfach angenommen wurde, zeige, dass der Bedarf vorhanden ist und «kluge Tickets eine große Akzeptanz haben». Sollte auf Bundesebene keine Lösung gefunden werden, sollten die Nordländer miteinander ein Nachfolgeticket einführen, erklärte Wegner. Zuvor hatte schon die CDU-Fraktion den niedersächsischen Vorschlag eines norddeutschen Modells als Nachfolger des 9-Euro-Tickets begrüßt.

FDP-Fraktionschef René Domke ermahnte die Landesregierung, erst die eigenen Aufgaben zu erledigen, bevor sie weitere Forderungen an den Bund stelle. «Auf das eigene Auto kann nur verzichtet und schließlich Geld gespart werden, wenn Bus und Bahn überhaupt verfügbar sind. Zentral sind daher die Fragen nach einem verstärkten Streckenausbau in Mecklenburg-Vorpommern, einer angemesseneren Taktung und einer weiteren Erhöhung der Angebotsvielfalt», betonte Domke. Nur so könne langfristig Akzeptanz für das Umsteigen auf den ÖPNV geschaffen werden. Domke forderte zudem einen Verbundtarif für Bus und Schiene.