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OB Madsen erklärt Rücktritt: «Nicht alle Projekte» zu Ende

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Claus Ruhe Madsen (parteilos), bisheriger Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock.

Claus Ruhe Madsen (parteilos), bisheriger Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock.

Foto: Marcus Brandt/dpa

Beim Amtsantritt im Jahr 2019 wurde Claus Ruhe Madsen mit vielen Vorschusslorbeeren ausgestattet. Nun verlässt er das Rostocker Rathaus und nennt im Resümee ein wichtiges Projekt nicht namentlich.

Rostock. Knapp drei Jahre nach Amtsantritt hat Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) seinen Rücktritt erklärt. «Mit der Ernennung zum Minister in Schleswig-Holstein endet morgen mein Wahlbeamtenverhältnis bei der Hanse- und Universitätsstadt Rostock», wird Madsen in einer am Dienstag von der Stadt verbreiteten persönlichen Erklärung zitiert. «Ich werde Rostock auch weiterhin verbunden bleiben.»

Der 49-jährige Däne Madsen, der seit Ende August 2019 als erster ausländischer Oberbürgermeister eine deutsche Großstadt führte, soll am Mittwoch als Wirtschaftsminister der künftigen Landesregierung Schleswig-Holsteins vereidigt werden. Er wird im Kabinett von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) auch für Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus zuständig sein.

Madsen nannte es eine schwere Entscheidung. Er habe 1998 in Rostock eine zweite Heimat gefunden. Günther kenne und schätze er seit über einem Jahr. Dem Wechsel sei ein persönlicher Anruf vor wenigen Tagen vorausgegangen. Der Gang nach Schleswig-Holstein, das an Dänemark grenzt, sei «eine Rückkehr zu den Wurzeln, geographisch und inhaltlich.»

Günther sagte am Montag, dass er mit Madsen in den vergangenen Jahren mehrere hochspannende Begegnungen gehabt habe - etwa bei der dänischen Königin. Sie hätten zudem ein ähnliches Verständnis vom Politikstil.

Madsen war der erste Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Er verlässt die Hansestadt wenige Tage nach dem endgültigen Aus für die Bundesgartenschau 2025, mit der die Entwicklung von Mecklenburg-Vorpommerns größter Stadt vorangetrieben werden sollte. Rostock hatte 2018 den Zuschlag für das Großprojekt bekommen, die Planung und Umsetzung für die vielen Bauten kamen aber kaum voran. Zuletzt hatte Madsen darauf verwiesen, dass die Buga wegen der enormen Verteuerung aller Projekte durch die Folgen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges nicht mehr realisierbar sei, aber auch interne Fehler eingestanden.

«Nicht alle Probleme haben wir lösen, nicht alle Projekte zu Ende bringen können», erklärte Madsen nun, ohne die Bundesgartenschau namentlich zu nennen. Er sprach von einer Neujustierung und einem vor wenigen Tagen vorgelegte Plan zur Umsetzung der Großprojekte. Land und Stadt hatten zuletzt fünf Großprojekte ausgemacht, deren Bau als Schwerpunkte der kommenden Jahre angesehen werden. Darunter etwa das Archäologische Landesmuseum (ALM), die Brücke über die Warnow und den Neubau des Volkstheaters.

Der Däne war nach einem erfolgreichen und unkonventionellen Wahlkampf mit vielen Vorschusslorbeeren in sein neues Amt gestartet. Doch viel Zeit, in Ruhe seine Pläne umzusetzen, blieb ihm nicht: Nach gut vier Monaten Amtszeit verlangte ihm die Corona-Pandemie alles ab. Sein Ruf als Macher breitete sich rasch aus und Madsen wurde zu einem gerngesehenen Gast in TV-Talkshows.

Er freue sich, als «Außenminister» zur positiven Wahrnehmung der Stadt beigetragen zu haben, schrieb Madsen am Dienstag in seiner Erklärung. Der scheidende OB verwies unter anderem auf Fortschritte bei der Digitalisierung in der Hansestadt oder auf die Ansiedlung der Zoll-Hochschule und des Ocean Technology Campus. Er bedankte sich bei den Menschen der Stadt, ihren Einrichtungen und der Verwaltung.

In der Stadt häuften sich zuletzt die ungelösten Probleme und der Rathaus-Chef sah sich einer ihm immer weniger freundlich gesinnten Verwaltung gegenüber. Seine Ideen, die oft mit dem Vorgehen einer in klaren juristischen Schritten vorgehenden Verwaltung nicht in Einklang zu bringen waren, isolierten ihn zusehends.

In Mecklenburg-Vorpommerns größter Stadt stehen nun Neuwahlen bevor - wahrscheinlich kurz vor der gesetzlichen Frist bis Ende November. Vertreten wird Madsen in der Zwischenzeit von Finanzsenator Chris von Wrycz Rekowski (SPD) als erstem und Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) als zweitem Stellvertreter.

( dpa )