Nazi-Verbrechen

Auschwitz-Prozess gegen SS-Sanitäter wird ausgesetzt

Leer ist der Platz des Angeklagten zu Beginn des Prozesses gegen einen ehemaligen SS-Sanitäter 70 Jahre nach dessen Einsatz im Konzentrationslager Auschwitz

Leer ist der Platz des Angeklagten zu Beginn des Prozesses gegen einen ehemaligen SS-Sanitäter 70 Jahre nach dessen Einsatz im Konzentrationslager Auschwitz

Foto: Bernd Wüstneck / dpa

Der heute 95 Jahre alte Mann soll in mehr als 3000 Fällen Beihilfe zum Mord geleistet haben. Er kam wiederholt nicht zum Prozess.

Neubrandenburg.  Der Prozess gegen den 95-jährigen ehemaligen SS-Sanitäter in Neubrandenburg ist ausgesetzt worden. Nachdem der Angeklagte am Montag wegen gesundheitlicher Probleme erneut nicht zum Termin vor dem Landgericht erschienen war, habe der Vorsitzende Richter Klaus Kabisch eine umfassende internistische und kardiologische Untersuchung des Mannes in einer Klinik angeordnet. Das bestätigte das Landgericht auf epd-Anfrage. Von dem Ergebnis hängt demnach der weitere Prozess-Verlauf ab.

Beihilfe zum Mord in mehr als 300 Fällen

Der Mann aus einem Dorf bei Neubrandenburg war zum ersten Termin vor zwei Wochen wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands nicht erschienen. Dem Angeklagten, der als SS-Sanitäter im KZ Auschwitz-Birkenau gearbeitet haben soll, wird vorgeworfen, in mindestens 3681 Fällen Beihilfe zum Mord geleistet zu haben. Er soll von Mitte August 1944 bis Mitte September 1944 durch seine Tätigkeit dazu beigetragen haben, dass die SS-Leute im KZ Auschwitz-Birkenau handlungsfähig waren und die Massenvernichtung von Deportierten ausführen konnten.

Im Sommer 1944 war er für mehrere Wochen in der Sanitätsstaffel im KZ Auschwitz-Birkenau tätig. In diesem Zeitraum kamen laut Anklage mehrere Züge mit Häftlingen an, die in den Gaskammern umgebracht wurden. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Mann drei bis 15 Jahre Haft. Der Verteidiger bestreitet eine Schuld seines Mandanten. Dieser habe im Sanitätsdienst 1944 nur Soldaten betreut.