Anschläge

Rostock-Lichtenhagen: 50.000 Euro für Erinnerungs-Kunst

Der in Rostock geborene Bundespräsident Joachim Gauck (links) und Erwin Sellering, Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, stehen bei einer Gedenkfeier vor dem Sonnenblumenhaus im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen. Dort ereigneten sich 1992 die rassischtischen Ausschreitungen

Der in Rostock geborene Bundespräsident Joachim Gauck (links) und Erwin Sellering, Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, stehen bei einer Gedenkfeier vor dem Sonnenblumenhaus im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen. Dort ereigneten sich 1992 die rassischtischen Ausschreitungen

Foto: Jens Büttner / dpa

1992 flogen Brandsätze auf das Sonnenblumenhaus. Nun sollen die Ausschreitungen künstlerisch aufgearbeitet werden.

Rostock.  Das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt die Erinnerung und Aufarbeitung der rassistischen Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen 1992 mit 50.000 Euro. Wie der Rostocker SPD-Landtagsabgeordnete Ralf Mucha in Schwerin mitteilte, beschloss der Finanzausschuss des Landtages, mit dem Geld einen künstlerischen Wettbewerb für dezentrale Erinnerungsobjekte zu fördern. Eine von der Rostocker Bürgerschaft eingesetzte Arbeitsgruppe „Gedenken“ plant, bis zum 25. Jahrestag der Ausschreitungen 2017 Erinnerungsobjekte „als sichtbare Mahnung im öffentlichen Raum“ an den Orten in Rostock zu installieren, die einen Bezug zu den damaligen Ereignissen haben.

Rostock-Lichtenhagen ein Stigma und Trauma

Das Konzept eröffne auch die Chance, sich mit den menschenverachtenden Ausschreitungen offensiv und selbstbestimmt auseinanderzusetzen, erklärte Mucha. Wie wichtig dies sei, zeige die erschreckende Zahl fremdenfeindlicher Anschläge überall in Deutschland. „Rostock-Lichtenhagen 1992 ist für die Stadtgesellschaft Stigma und Trauma zugleich.“ Mit dem Landeszuschuss werde das Bekenntnis Rostocks zu seiner Verantwortung für die rassistischen Brandanschläge auf das Sonnenblumenhaus gewürdigt. Denn noch immer gebe es in der Hansestadt ein Defizit bei der Aufarbeitung.

Haus mit Steinen und Brandsätzen beworfen

Vom 22. bis 26. August 1992 kam es in Rostock-Lichtenhagen zu schweren fremdenfeindlichen Ausschreitungen. Am 24. August hatten Hunderte Jugendliche und Erwachsene, darunter viele Rechtsradikale, die kurz zuvor geräumte Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber im Sonnenblumenhaus sowie ein benachbartes Wohnheim für Vietnamesen belagert und aus der Menge heraus Steine und Brandsätze geworfen. Mehr als 100 Vietnamesen und einige Deutsche konnten sich nur durch Flucht auf das Dach des Hauses vor dem Feuer retten.