Rückblick zum 65. Geburtstag

Lüneburger hungerten nach Unterhaltung und Ablenkung

| Lesedauer: 3 Minuten

Foto: Maike Schade

Am 29. September 1946 begann in einer baufälligen Turnhalle die Nachkriegsgeschichte des Lüneburger stadtTheaters.

Lüneburg. Viel gab es nicht, damals im Sommer 1945: kaum Nahrung, kaum Kleider, wegen der vielen Flüchtlinge und der Beschlagnahmungen durch die Engländer viel zu wenig Wohnraum. Die Lebensfreude der Lüneburger war dennoch - oder gerade deswegen? - ungebrochen: Nach all dem Schrecken der Naziherrschaft hungerten sie nach Unterhaltung, nach Schönem, nach Ablenkung. Und strömten ins Theater.

"Für die am 1. August 1945 mit Erlaubnis der Militärregierung beginnenden Konzerte, Varieté- und Theateraufführungen in der zu diesem Zweck zum Metropoltheater umbenannten Albert-Fuchs-Turnhalle des Sportvereins Treubund zahlten die Besuchen jeden Preis", schreibt Torsten Hünke von Podewils in seinem Buch "Vorhang auf! Theater in Lüneburg 1946-1990".

Auf Dauer jedoch missfielen die diversen Gastspiele an der Neuen Sülze 9 der Militärregierung. Sie wies an: Von 1. April 1946 an hatte die Stadt Lüneburg das "Metropoltheater" als "ausschließlich und unmittelbar gemeinnützigen Zwecken dienendes Stadttheater" zu übernehmen. Nach fünf Monaten des Umbaus hob am 29. September die "Lüneburger Bühne" erstmals ihren Vorhang. Eine neue Theater-Ära begann.

"Wir fingen buchstäblich mit Nichts an", schrieb Rolf Hübner, der Gründungsintendant. "Ein Saal, in dem 525 Stühle standen, und eine für die Erfordernisse viel zu kleine Bühne, das war alles, was wir vorfanden." Und doch: Es wurden Lösungen gefunden, Tag und Nacht gearbeitet, die erste Spielzeit war ein voller Erfolg.

Mit einer Unterbrechung: Von Januar bis April 1947 musste die "Lüneburger Bühne" wegen der bitteren Kälte geschlossen bleiben - Heizmaterial gab es nicht. Im Sommer 1947 war Lüneburg geradezu im Theaterfieber: "Im weißen Rössl", ein Lustspiel, wurde über zwei Monate täglich gespielt - und war ausverkauft.

Die Währungsreform vom 20. Juni 1948 stürzte das noch junge Stadttheater in eine Krise. Inzwischen war Hans Bauer Intendant.

Während sich die finanzielle Lage Mitte der fünfziger Jahre entspannte, offenbarte sich eine andere Schwierigkeit: Der bauliche Zustand des Theaters an der Neuen Sülze war desaströs. Es war klar: Lüneburg brauchte ein neues Theatergebäude. Gefunden wurde es im "Globe-Cinema" an der Lindenstraße, das 1956 für die britische Besatzung gebaut worden war. Nach diversen Umbauten lud die Stadt "ergebenst" für den 1. Oktober 1961, 11.15 Uhr, zur Matinée im neuen Stadttheater ein.

Erst Mitte der neunziger Jahre, unter der Intendanz von Jan Aust, wurde das Stadttheater saniert. 1996 zog auch die Studiobühne T.NT ins neu polierte Theatergebäude um, seit Oktober 2009 gibt es die Junge Bühne T.3, auf der Produktionen für Kinder und Jugendliche gezeigt werden.

( (mascha) )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Lüneburg