Büffeln im Container

Foto: Stefan Bohlmann

Akute Raumnot am Schulzentrum Adendorf. Landkreis muss mehr als 100 000 Euro für das Provisorium zahlen

Lüneburg. Die Haupt- und Realschule Adendorf platzt derzeit aus allen Nähten. Nun will der Landkreis mit einem sogenannten mobilen Unterrichtsraum Abhilfe schaffen. Die Kosten für die Maßnahme, immerhin insgesamt mehr als 100 000 Euro, sorgte für Zündstoff in der Debatte im Schulausschuss des Landkreises.

Mehr als 600 Schüler lernen derzeit in 26 Klassen in Adendorf. Besonders dramatisch sieht die Situation derzeit in den siebten Klassen aus. Zu Beginn des neuen Schuljahres musste aufgrund von sechs zusätzlichen Schülern eine neue Klasse aufgemacht werden. Damit gibt es jetzt in diesem Jahrgang die Vierzügigkeit. Die neuen Schüler, von denen zwei aus dem Hauptschulzweig in Adendorf wechselten, einer von der Rudolf-Steiner-Schule an den Katzenberg wechselte und drei vom Bernhard-Riemann-Gymnasium in Scharnebeck abgegangen sind, verschärfen das Raumproblem an der Schule noch.

In der Sitzung des Schulausschusses wies der Schulleiter in Adendorf, Martin Peters, darauf hin, dass er bereits in der Vergangenheit immer wieder Wanderklassen eingerichtet und auf Fachräume verzichtet hat, um sie als allgemeine Unterrichtsräume zu nutzen. Schon 2006 wurde der Schule von der Verwaltung ein Container mit zwei Räumen zur Verfügung gestellt, der nach wie vor genutzt wird.

Nun sei durch die neu gebildete Klasse die Grenze des Machbaren mit dem bisherigen Raumangebot aber endgültig erreicht. Der Schulleiter hatte sich an mit der Bitte an die Verwaltung gewandt, seiner Schule ab sofort einen weiteren Container mit zwei Räumen zur Verfügung zu stellen. Damit kommen Kosten in Höhe von mehr als 100 000 Euro auf den Landkreis zu, rechnete Michael Wieske, in der Landkreisverwaltung für den Bereich Schule und Kultur verantwortlich, vor.

Allein die Miete eines solchen Containers betrage monatlich 1300 Euro. Sowohl die Schulleitung, als auch die Verwaltung teilen die Ansicht, dass die prognostizierten Schülerzahlen in Adendorf in den kommenden Jahren weiter steigen. Deshalb sei eine Nutzung des Containers bis Ende des Schuljahres 2013/2014 geplant.

Damit entstehen dem Landkreis Kosten in Höhe von 83 000 Euro. Dazu kämen jeweils 20 000 Euro allein für das Aufstellen und Anschließen. Die finanziellen Mittel müssen für das laufende Jahr durch Umschichtungen im Haushalt aufgebracht werden. Für die nächsten Jahre müssen die Kosten in den Haushaltsplan eingebracht werden.

Gerhard Scharf (CDU) monierte die finanzielle Belastung, die dem Kreis angesichts der Schüler entstünden, die zur Schuljahresbeginn an die Realschule in Adendorf gewechselt sind. "Die Schüler vom Bernhard-Riemann-Gymnasium hätten am Schulzentrum Scharnebeck in den Realschulzweig wechseln können. Dort gibt es entsprechende Kapazitäten und zudem hätten die Schüler ihr soziales Umfeld behalten können", argumentierte Scharf.

Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) widersprach: "Die Schüler um dies es sich handelt, wohnen alle in Adendorf und wollten dort zur Schule gehen. Wir haben den Elternwunsch entsprochen."

Zudem sei es für die Debatte nun zu spät, da das Schuljahr bereits begonnen habe. Martin Peters wies darauf hin, dass er bereits frühzeitig gewarnt habe, dass eine Situation, wie jetzt geschehen, eintreten könnte: "Ich habe bereits zum vergangenen Halbjahr bei den Kollegen des Gymnasiums in Scharnebeck nachgefragt, ob es Schüler geben wird, die das Gymnasium verlassen. Die Antwort kam nicht rechtzeitig genug."

Peters befürchtet, dass sich das Problem im Schuljahr 2011/2012 wiederholen könnte, auch deshalb sei das Ausweichen auf mobile Unterrichtsräume unter den Alternativen die beste Lösung. Die Ausschussmitglieder stimmten dem Antrag aus Adendorf nach langer Diskussion schließlich mehrheitlich, jedoch nicht einstimmig, zu.