Volles Haus, zum ersten Mal in der neuen Saison

Foto: Carolin George

Lüneburgs Theater lud die Bürger ein, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen

Lüneburg. Was er vom Theater in der nächsten Spielzeit erwartet, formulierte Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) beim Theater- und Lernfest am Sonntag ohne Umschweife: eine deutlich höhere Auslastung als in der vergangenen Saison. Gestern gelang das schon mal. Drei Wochen vor seiner ersten Premiere hatte der neue Intendant Hajo Fouquet das erste Mal ein volles Haus.

Ab 11 Uhr und bis in den Abend hinein war das Theater geöffnet, sämtliche Mitarbeiter aus dem künstlerischen wie auch dem technischen Bereich waren vor Ort, zeigten den Besuchern Einblicke in die kommenden Produktionen und hinter die Bühne.

"Das Ensemble begrüßt sein Publikum", formulierte es Oberbürgermeister Mädge zur Begrüßung. "Dieses Theater lebt davon, dass die Menschen kommen. Die Auslastung der vergangenen Saison von 72 Prozent befriedigt dabei allerdings nicht." Dass sie steige, dafür müssten Geschäftsführung, Ensemble und Gäste "gemeinsam kämpfen". Denn: "Was wäre Lüneburg ohne sein Theater?"

Wie es weiter finanziert wird, darüber beginnen laut Mädge morgen die Verhandlungen mit dem Land. Der derzeitige Vertrag zwischen Niedersachsen, Hansestadt und Landkreis Lüneburg läuft 2011 aus.

Dass das Lüneburger Theater mehr Unterstützung - beispielsweise in Form von Abonnements - braucht, dachten sich am Rande des Fests Christina (63) und Carl-Friedrich (67) Gontard. Auf das neue Ensemble freut sich das Ehepaar - und ist gespannt auf neue Inszenierungen. Christina Gontard sagte mit einem Lächeln: "Eigentlich ist man ja so schrecklich konservativ. Aber man ist ja auch lernfähig."

Dass "sicher nicht in alten Pfaden weiter getreten wird", erwartete auch Bettina Kehr (43). Sie hat bislang nur die Weihnachtsmärchen mit ihren Kindern besucht, war mit ihren Kolleginnen Renate Schinkel (62) und Ute von Rautenkranz (64) vom Amateurtheater "Spotlight" beim Fest der Profi-Kollegen. "Wir sind froher Erwartung auf andere Ideen", sagte Ute von Rautenkranz. Der Wechsel sei für das Theater "sicher gar nicht verkehrt".

Stefanie Kahmke (42) hofft von der neuen Intendanz, dass "mehr bekannte Musicals gespielt werden, bei denen das Haus voll ist". Mit Töchterchen Luisa will sie in diesem Jahr zum ersten Mal zum Weihnachtsmärchen gehen - und die Kleine später zu Ballettunterricht und Kinderchor des Theaters anmelden. "Davon sind die Mädchen und Jungen ganz begeistert, denn sie dürfen ja mit auf der Bühne stehen."

Worte, die dem neuen Intendanten sicher gefallen. Denn das Theater näher an die Menschen zu bringen, ist Hajo Fouquets erklärtes Ziel. Insofern passte das Fest gestern exakt in das Fouquetsche Konzept von kommunalem Bürgertheater: Bürger auf der Bühne, Schauspieler in der Stadt, das Theater als "Schaltzentrale für Vernetzung".

Als Motor für gemeinsame Projekte hat Fouquet bereits gestern fungiert: indem er erstmals auch Museen - Salz- und Ostpreußenmuseum - zum Lernfest einlud. Außerdem dabei: Lebenshilfe, Musikschule, Volkshochschule, Feuerwehr, Volksbühne - und natürlich der Freundeskreis Theater.