Wochenendspaß mit Schwert und Messer

Foto: Carolin George

Zum großen Burgfest in Bleckede kamen mehrere tausend Besucher und ließen sich ins Mittelalter entführen

Bleckede. Heinrich Lemke hat seinen Sonntagsausflug zur Gesichtspflege genutzt: Beim mittelalterlichen Burgfest am Bleckeder ElbSchloss hat sich der Bartträger seinen Schnauzer per Messer stutzen lassen - voller Vertrauen auf seinen Barbier. Lemke war einer von tausenden Besuchern am Wochenende auf dem Gelände des Bleckeder Schlosses.

Burgfest heißt das Spektakel, weil das ElbSchloss auf den Resten einer Burg steht. Erstmals 1270 erwähnt, entführte das Wochenende im Jahr 2010 zurück in die Zeit der damaligen Burg: "Wo Schild und Lanze sich erheben - da ist Mittelalter zu erleben", lautete das Motto.

Wörtlich umgesetzt hat es die Truppe "Draco Inter Mares" aus Schleswig-Holstein, die mit neun Kämpfern choreografierte Schwertgefechte vorführte. Das Urteil von Besucherin Bianca Müller: "Das ist das beste Burgfest, das ich erlebt habe. Ich war jedes Mal hier, aber sonst gab es weniger Stände. Auch die Aufteilung zwischen Essen und Aktionen finde ich gut. Nur eins fehlt mir: mehr Wassernäpfe für Hunde", sagte die Bleckederin.

Tochter Lara (10) mag gern Schmuck, sah daher fasziniert bei Gunar Herzberg und seiner Frau Jutta zu. Das Paar aus der Nähe von Rendsburg brannte und verkaufte Glasperlen - je nach Größe braucht Gunar Herzberg bis zu 15 Minuten pro Stück.

Ulrich Junga hat das Burgfest derweil genutzt, um sich ein "bisschen Geld nebenher zu verdienen". Der Student war es, der als Barbier den Schnauzer von Heinrich Lemke stutzte - mit Rasierseife und Messer. "Dafür haben die Friseure heute ja keine Zeit mehr", sagte der junge Mann, der sich selbst auch mit dem Messer rasiert.

Und da das Rasieren nicht den Bestimmungen des Haareschneidens unterliegt, darf der Wahl-Hannoveraner das auch ohne Ausbildung machen. Nur zwei Voraussetzungen müssen für die historische Rasur erfüllt werden: die hygienischen, wie etwa Wechselmesser - und das Vertrauen des Kunden, keine Narbe von dem Ausflug ins Mittelalter übrig zu behalten.