Jens Kaidas ist dann mal weg

Foto: Martina Brinkmann

Hohnstorfs Bürgermeister verlässt die kommunalpolitische Arena und übergibt die Verantwortung an Jüngere

Hohnstorf. Jens Kaidas hat frühzeitig erkannt: "Politikrentner möchte ich nicht werden." Deshalb legt der 61-jährige Christdemokrat seine Ämter in jüngere Hände und verabschiedet sich nach 34 Jahren aus der Kommunalpolitik. Kommenden Sonnabend feiert der Hohnstorfer mit Familie, politischen Freunden und Bürgern seinen letzten Tag als Bürgermeister der Elbgemeinde. Bereits am Montag, 9. August, wählt der Gemeinderat seinen Nachfolger. Vorgesehen ist André Feit. Der wurde geboren, als Kaidas erstmals in den Hohnstorfer Rat gewählt wurde: Vor 34 Jahren.

Kaidas brachte es auf 19 Jahre als Bürgermeister. 29 Jahren saß er im Samtgemeinderat Scharnebeck, 19 Jahren im Kreistag sowie eine Legislaturperiode im Niedersächsischen Landtag.

Doch der Vollblutpolitiker hat auch inhaltliche Gründe für seinen Rückzug. Ihn stört vor allem die Regelungswut vieler Verwaltungen. "Ich komme damit nicht mehr zurecht. Es geht allein um Vorschriften, der Verstand wir ausgeschaltet. Entscheidungen werden nicht mehr vor Ort getroffen. Und ständig ist die Rechtsabteilung anwesend", klagt der Bürgermeister. "Die Behörden sollen nicht Gründe suchen, wie etwas zu verhindern ist, sondern wie es ohne große Kosten und Aufwand ermöglicht werden kann."

Jens Kaidas ist seit jeher ein streitbarer Geist, ein politischer Querdenker: beinhart in der Sache - fair im menschlichen Umgang. Nicht leicht hatte er es in der Samtgemeinde Scharnebeck. Von Ex-Bürgermeister Werner Moss und dem früheren Samtgemeindedirektor Harald Heuer habe er viel gelernt. Oft hätten sie hart um ein Ergebnis gerungen. "Dann war die Versöhnung am schönsten", sagt er rückblickend.

Der Abschied von der Kreispolitik schein dem kommunalen Urgestein wenig schwer zu fallen. Seine Partei, die CDU, werde es schwer haben aus dem derzeitigen Jammertal zu kommen, prognostiziert Kaidas. Zu kurz sei der Zeitraum bis zur nächsten Kommunalwahl, um die Partei personell und programmatisch zu erneuern. Sein Rat: "Die Partei sollte die Zeit nutzen und die Wahl 2016 ins Auge fassen." Bekannt war seine von jeher ablehnende Haltung gegenüber der großen Koalition auf Kreisebene. "Ich konnte mich leider nicht durchsetzen und wäre lieber in die Opposition gegangen."

Nach Kaidas Auffassung fehlt es in der Kreistagsfraktion an politischer Geschlossenheit. Mehrheitsentscheidungen würde nicht solidarisch vertreten. "Es herrscht reine Kirchturmspolitik", so sein verbitterter Kommentar. Ebenso vermisst der Hohnstorfer Bürgermeister die kritische sachliche Auseinandersetzung und den Mut, unpopuläre, aber sachlich notwendige Entscheidungen durchzusetzen und zu vertreten.

"Klare Kante" ist ihm wichtig. Dazu gehört für ihn auch, jüngere Kommunalpolitiker rechtzeitig einzubinden und ihnen Verantwortung zu geben: "Auch wenn die ältere Generation anteilsmäßig stärker wird, die Zukunft liegt in der Jugend." Doch anders als in Hohnstorf sieht der Bürgermeister im Kreis wenig Ansätze. Auch nicht unter dem neuen CDU-Kreisvorsitzenden Eckhard Pols: "Der hat mit seinem Bundestagsmandat genug zu tun."

Zurückhaltend äußert sich der ehemalige Berufssoldat über seine Zeit im niedersächsischen Landtag. "Mit den mir gegebenen Voraussetzungen habe ich das Landtagsmandat, so glaube ich, gut ausgefüllt. Ich war in den Orten präsent und wenn jemand gerufen hat, war ich da und habe unseren Landkreis und unsere Vereine mit Freude und Spaß vertreten." Bitter bleibt ihm die Ausschussbesetzung in Erinnerung, die weniger nach Voraussetzungen, sondern nach Regionalproporz, Fürsprache und Beziehungen vollzogen worden sei. "Als gelernter Maurer, ausgebildeter Bautechniker mit Mittlerer Reife und Berufssoldat musste ich in den Ausschuss für Wissenschaft und Kultur. Meine erste Rede im Landtag war zum Hochschuloptimierungskonzept."

Die schönsten Erinnerungen hat Jens Kaidas an seine Bürgermeisterzeit. Er hat das kleine Hohnstorf aufpoliert. Während in anderen Orten die Grundversorgung verloren ging, hier wurde sie ausgebaut. Praktische Ärzte, Apotheke, Physiotherapeuten, Friseur und Handwerksbetriebe haben sich niedergelassen. Einkaufszentrum, Tankstelle, Sparkassenstandort und Gastronomie heben die Attraktivität des Ortes. Entstanden sind Neubaugebiete - Hohnstorf wächst.

"Besonders freue ich mich über kleine Dinge wie die Elbbrückenbeleuchtung und die Beleuchtung unserer historischen Schule, über Feste und Dorfaktionen oder das neu entstandene Kommunikationszentrum beim Bäcker Harms." Hier spricht Kaidas mit den Bürgern.

Pläne für die neue Zeit hat der agile Dorffürst noch nicht. Doch er wird im Ruhestand keinesfalls die Hände in den Schoß legen. Seine Hohnstorfer Sport- und Kulturstiftung werde er auf jeden Fall ehrenamtlich begleiten: "Ich freue mich schon, wenn die Stiftung Geld an den örtlichen Sportverein und für die Jugendarbeit ausschüttet."