Rechtsextreme Gewalt

Lüneburg war rechter Brennpunkt

Foto: Carolin George

Die Journalistin Andrea Röpke warnt beim Rechtsextremismus-Kongress an der Universität vor Gruppen mit völkischem Hintergrund.

Lüneburg. 2009 war Lüneburg Brennpunkt der rechtsextremen Szene im nördlichen Niedersachsen. Das sagte der Sprecher der Antifaschisten bei einer Podiumsdiskussion mit rund 80 Zuhörern während des Kongresses "Aktiv gegen Nazis" der Grünen am Freitagabend in der Universität. Gleichzeitig zog er eine positive Bilanz der Bündnisarbeit gegen Rechts in Lüneburg.

"Dass das klappt, fasziniert uns immer wieder", sagte Olaf Meyer von der Antifaschistischen Aktion Lüneburg-Uelzen. Im "Bündnis für Demokratie - Netzwerk gegen Rechtsextremismus" haben sich 65 Lüneburger Institutionen zusammengetan, unter anderem Antifa, Kirche, SPD, Grüne und Linke.

"Wir haben den Deutschen Gewerkschaftsbund als neutralen Ort und Koordinierungsstelle", sagte Meyer. "Es würde nicht funktionieren, wenn Antifa, SPD oder Kirche sagen würden, wo es langgeht." Das Vertrauensverhältnis zwischen den handelnden Personen sei groß, deswegen funktioniere die Zusammenarbeit seit mittlerweile elf Jahren. "Wir besprechen vor jeder Demonstration, dass es keine Aktion gibt, die kein Konsens ist, zum Beispiel Gewalt."

Zwei Aufmärsche und zwei Mini-Kundgebungen sowie diverse Störaktionen habe es 2009 in Lüneburg von Neonazis gegeben, sagte Meyer. Auch die Jungen Nationaldemokraten, die nationalistische Jugendorganisation der Nationaldemokratischen Partei (NPD), seien sehr aktiv gewesen. "Sie verstärken ihre Ansprache an Jugendliche."

Rechtsextreme Strukturen erkennt Meyer im Landkreis Lüneburg auf zwei Ebenen: zum einen mit der Landesgeschäftsstelle der NPD unter Malte Holzer in Amelinghausen sowie dem NPD-Bundesvorstand Manfred Börm in Handorf.

Zum anderen mit Christian Berisha als Abgeordneten im Lüneburger Kreistag von UWL/Bündnis Rechte. Berisha, der "in den achtziger Jahren Skinhead mit Glatze, Bomberjacke und Stiefeln war, tritt heute ganz anders auf", sagte Meyer. Über Berisha hat auch die Journalistin Andrea Röpke recherchiert. "Laut einer Aussteigerin pumpt er Unmengen Geld in die Szene", sagte sie. "Im Netzradio Germania moderiert er unter dem Namen Christian von der Heide." Das "Netzradio Germania" sendet im Internet Interviews unter anderem mit Manfred Börm, dem NPD-Fraktionsvorsitzenden im Schweriner Landtag Udo Pastörs, dem ehemaligen Chef der verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend Sebastian Räbiger oder auch Christian Sternberg, in Lüneburg als ehemaligen Besitzer eines Bekleidungsgeschäfts bekannt.

Andrea Röpke, die seit Jahren in der Neonaziszene recherchiert und dafür bereits zahlreiche Preise bekommen hat, warnte vor allem vor dem heimattreuen Lager. Völkische Hintergrundgruppen wie etwa "Der Sturmvogel", der "Bund für Gotterkenntnis - die Ludendorffer" und der "Freibund" arbeiten im Verborgenen und gelten laut Röpke auf dem Land sogar teilweise als Ökos. "Sie muss man im Auge behalten."

Stark zugenommen hat laut Röpke auch der Anteil von Frauen in der Szene. "Sie werden in Norddeutschland ganz strategisch eingesetzt", sagte Röpke. "Die Frauen geben sich bewusst reaktionär, lehnen Abtreibung und Kitas ab." Das völkische Brauchtum verbreite sich, sagte Röpke.

Familien mit vielen Kindern, gerade im Bereich Uelzen und Toppenstedt, ziehen ihren Nachwuchs im völkischen, rassistischen Bewusstsein groß. "Die Kinder haben keine Wahl, reden selbst bereits im militärischen Ton. Wir sind ihr Feindbild", sagte Röpke. "Es ist wahnsinnig schwer, dort ranzukommen. Die Jugendämter sind völlig überfordert. Mit 13, 14 Jahren sind die Kinder nicht mehr zu erreichen, man muss viel früher ansetzen."

Organisiert hatte den am Freitag und Sonnabend in der Universität stattfindenden Rechtsextremismuskongress die Partei Die Grünen.