Was zählt, ist soziale Kompetenz

Foto: elke schneefuß

Die Suche nach geeigneten Auszubildenden gestaltet sich immer schwieriger

Lüneburg. Schulabgänger, die sich in diesem Sommer auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz machen, sollten es eigentlich nicht so schwer haben: Die Zahl der Lehrstellenbewerber sinkt. Nach dem Doppel-Abiturjahrgang im Sommer 2011 rechnen Experten sogar mit einem dramatischen Einbruch bei den Bewerberzahlen.

Aber mit denjenigen, die sich bewerben, haben die Ausbildungsbetriebe zunehmend Probleme: "60 Prozent der Unternehmen beklagen, dass sich keine geeigneten Bewerber finden. Bemängelt werden vor allem das mündliche und schriftliche Ausdrucksvermögen, die Disziplin und elementare rechnerische Fertigkeiten", sagt Volker Linde, Leiter der Abteilung Ausbildung bei der IHK Lüneburg-Wolfsburg.

Viele Betriebe versuchen, sich selbst zu helfen. "Die Arbeitsplatzreife ist ein großes Thema", sagt Linde. "Die Unternehmen bieten Nachhilfeunterricht und andere Zusatzangebote an, um nachzuarbeiten, was gebraucht wird." Solche Anstrengungen bedeuten jedoch erheblichen Aufwand.

Vielen Jugendlichen fehlen heute Grundfertigkeiten

"Unseren Bewerbern fehlen oft die notwendigen Qualifikationen", sagt Anita Wolff, Marketingleiterin bei der Firma Deerberg in Velten (Landkreis Lüneburg). "Im ersten Ausbildungsjahr investieren wir oft viel Zeit um die neuen Auszubildenden in Grundfertigkeiten zu schulen. Es gibt große Defizite im Bereich Rechtschreibung und auch bei den Umgangsformen. Ich vermute, dass das Zusammenspiel zwischen Schule und Elternhaus in vielen Fällen nicht mehr stimmt", sagt Wolff.

"Wir haben allerdings auch nur wenige Abiturienten unter unseren Bewerbern. Die Anderen müssen wir nachschulen, damit wir sie mit dem dritten Ausbildungsjahr übernehmen können", sagt Wolff. Nachlassen will das Unternehmen, das eine eigene Firma nur mit Auszubildenden betreibt, bei seinen Ausbildungsbemühungen nicht: "Die junge Generation ist wichtig für das Gesamtgefüge im Unternehmen" sagt Wolff.

Überwiegend positive Erfahrungen gemacht hat dagegen Michael Habor von der Buchhandlung Perl in Lüneburg. Das Traditionsunternehmen bildet seit Jahrzehnten aus, außerdem ist Habor Mitglied im IHK-Prüfungsausschuss für angehende Buchhändler: "Wir haben eine hohe Abiturientenquote unter denjenigen, die sich bei uns im Betrieb um eine Ausbildungsstelle bewerben. Aber natürlich gibt es auch Bewerber, die nicht passen - beispielsweise weil sie keine Leseerfahrung haben", sagt Geschäftsinhaber Michael Habor.

Der Buchhändlernachwuchs macht seine Arbeit gut: "Vor kurzem haben zwei unserer Auszubildenden eine Übernachtungsparty zum Welttag des Buches organisiert. Das war ein großer Erfolg, es klappte alles reibungslos", sagt Habor. Sehr zufrieden mit ihrem Ausbildungsplatz ist auch die angehende Buchhändlerin Susann Aue: "Buchhändlerin ist schon mein Traumberuf", sagt sie.

Susann Aue ist von Helmstedt nach Lüneburg gezogen für die Ausbildung

Für die Ausbildung zur Buchhändlerin ist Susann Aue eigens umgezogen. Und was empfiehlt sie Schulabgängern, die diesen Job machen möchten? "Die Deutschnote ist schon wichtig. Ein Interesse für Bücher sollte auch da sein - und auf Menschen zugehen zu können, das ist wichtig", sagt die Auszubildende.

Gute Umgangsformen und keine Angst vor dem Kundenkontakt, das braucht man in dem Beruf zunehmend: "Das Berufsbild wandelt sich. Der Außenauftritt einer Buchhandlung wird wichtiger. Die Buchhandlung wird zum Treffpunkt für Bücherfreunde. Wir bieten häufiger Events an, um auch einen Austausch der Leser untereinander zu ermöglichen", sagt Habor.

Er will auch im nächsten Jahr ausbilden - insgesamt jedoch wird sich die Situation für die Betriebe in den nächsten Jahren vermutlich eher verschärfen. Die Zahl der Schulabgänger wird aus demographischen Gründen sinken. "Die Situation wird schwieriger", sagt Volker Linde von der IHK. "Bereits jetzt präsentieren sich die Unternehmen auf Messen und in Schulen, um geeignete Bewerber auf sich aufmerksam zu machen.

"Noch ist die Lage bei uns nicht wirklich dramatisch. Aber in der südlichen Metropoleregionen stehen wir in starker Konkurrenz. Die Hamburger werden zunehmend auch im Raum Lüneburg nach Auszubildenden suchen", sagt Linde.