Einstiger Wirtschaftsmotor ist heute Touristen-Magnet

Reichtum durch das weiße Gold

Der Soleabbau hat in Lüneburg aber auch Spuren hinterlassen und für Probleme gesorgt.

Lüneburg. Gut 17 000 Salzsäckchen gehen jährlich über den Ladentisch der Lüneburger Tourist-Information neben dem Rathaus. "Das Säckchen gehört zu unseren meistverkauften Souvenirs", sagt Jürgen Wolf, Geschäftsführer der Lüneburg Marketing GmbH.

Knapp 30 Jahre nach dem Ende der Lüneburger Salzproduktion hat sich der Stellenwert des "weißen Goldes" für die Hansestadt gewandelt: "Wirtschaftlich spielt das Salz in Lüneburg gar keine Rolle mehr", sagt Christian Lamschuss, Direktor des Deutschen Salzmuseums in Lüneburg. "Seitdem die Saline ihre Produktion eingestellt hat, wird in Lüneburg kein Salz mehr hergestellt."

Umso wichtiger ist es für den Tourismus - auch und vor allem mit Blick in die Vergangenheit.

"Wer an Lüneburg denkt, denkt sofort an Salz", sagt Lamschus. "Alles, was Besucher hier heute sehen, verdankt die Stadt dem Salzabbau - die prächtigen Giebelhäuser, die Backsteingotik, die drei Kirchen, das Rathaus sind aufgrund des Reichtums in der Stadt entstanden." Dem pflichtet Wolf bei: "Mit dem Salz hat alles begonnen. Ohne Salz kein wachsender Wohlstand im Mittelalter, ohne Salz keine Hanse, die uns heute so stolz macht. Möglicherweise wäre Lüneburg ein Flecken hinter Bardowick geblieben." Wolf sieht das Salz als Lüneburgs Markenkern - "Unique Selling Proposition" lautet das Fachwort. Dazu gehört alles, was in der Historie Lüneburgs eine Rolle gespielt hat: neben dem Salz sind das die Elbe und die Heide, die Universität, Johann Sebastian Bach, Heinrich Heine, die Hanse und die Lüneburger Backstein-Gotik.

"Das alles haben wir im Jahr 2007 unter das Dach der Marke ,Hanse' zu bringen versucht", sagt Wolf: "Inzwischen hat sich herausgestellt: Wir kommen ohne das Salz nicht aus. Wir können natürlich eine Hansewoche anbieten, aber eine Woche rund um Salz läuft besser."

Die Ära der Salzherstellung endete mit der Schließung der Saline am 6. September 1980. "Es gibt zwar noch Tiefbohrungen in den Salzstock hinein, und auch die Solequelle wird noch ausgebeutet", sagt Lamschus. "Das geschieht aber nur in begrenztem Umfang für das Kurzentrum und die Salzterme SaLü." Für die dort angebotenen Solebäder wird echte Lüneburger Sole verwendet, die aus dem Salzstock gewonnen wird.

Allerdings: "Der Reichtum der Stadt ist gleichzeitig auch ihr Fluch", sagt Lamschus. Weil auf den Salzstock - ein Vorkommen auf einer Fläche von 1,2 Quadratkilometern mit 4000 Metern Tiefe - Teile der Lüneburger Innenstadt gebaut sind, senkt sich der Boden. "Durch den Salzstock fließt Grundwasser, dadurch bilden sich Höhlen, der Boden sackt ab." Mehr als 180 Häuser mussten in den 50er- und 60er-Jahren wegen Senkungsschäden abgerissen werden.

Zwar ist der Salzabbau nicht Auslöser der Versackungen, allerdings habe er die Effekte verstärkt. "Seit der Schließung der Saline haben die Senkungserscheinungen stark abgenommen." Trotzdem will Lamschus auf dem ehemaligen Saline-Gelände wieder Salz herstellen - in minimalem Umfang. "Wir werden anfangen, im Museum Salz zu sieden - mit kleinen Siedepfannen, für Touristen", sagt Lamschus. "Derzeit müssen wir aber noch experimentieren, wie wir das Salz am besten trocknen." Den Namen "Lüneburger Hansesalz" hat sich Lamschuss aber schon mal schützen lassen.