Lüneburg: Zehn neue Stolpersteine

Gegen das Vergessen: Gedenktafeln für NS-Opfer

Hulda und Adolf Schickler lebten mit ihren vier Kindern zwischen 1906 und 1943 in Lüneburg. Die Familie hatte ein Fachgeschäft für Schuhe, Knaben- und Herrenbekleidung an der Bardowicker Straße 4 und wohnte im Haus an der Großen Bäckerstraße 23.

Lüneburg. Doch am 5. Mai 1943 wurden die jüdischen Eheleute erst nach Hamburg, dann nach Theresienstadt deportiert. Adolf Schickler stirbt auf dem Transport, seine Frau ein Jahr später an Unterernährung. Jetzt erinnern zwei kleine Gedenktafeln aus Messing im Boden, so genannte Stolpersteine, vor ihrem ehemaligen Zuhause an der Bäckerstraße an ihr Schicksal.

Der Künstler Gunter Demnig setzte am Sonnabend insgesamt zehn neue Stolpersteine in der Lüneburger Innenstadt - sechs allein in der Unteren Schrangenstraße, wo die jüdische Familie Horwitz lebte, bevor sie in Konzentrationslagern ermordet wurde. Demnig will mit der Aktion an die einzelnen Opfer der NS-Zeit erinnern. Die Inschrift auf den Tafeln gibt Auskunft über Namen, Geburtsjahr und das gewaltsame Lebensende. Jetzt erinnern in der Marcus-Heinemann-Straße 26, in der Oberen Schrangenstraße 13, in der Große Bäckerstraße 23 und Am Ochsenmarkt 3 die Gedenktafeln im Boden an weitere Lüneburger Opfer.

"Wir haben nun insgesamt 23 Stolpersteine in Lüneburg", sagt Jochen Fischer von der Initiative "Stolpersteine in Lüneburg" des Vereins Geschichtswerkstatt e.V. Und es werden noch weitere folgen.

Lüneburgs Erster Stadtrat Peter Koch: "Wir müssen deutlich dem braunen Gedankengut entgegentreten, deshalb hat die Hansestadt Lüneburg auch sofort dieser Aktion zugestimmt." Inzwischen liegen mehr als 17 000 Stolpersteine an rund 400 Orten in Deutschland, Österreich, Ungarn und in den Niederlanden. Sie alle erinnern an Opfer der NS-Zeit. In Lüneburg gibt es neben den neuen Stolpersteinen bereits welche in der Schießgrabenstraße, der Haagestraße, der Bardowicker und der Rotehahnstraße sowie Am Sande und Am Wienebüttler Weg. Die Geschichtswerkstatt bietet regelmäßig Stadtrundgänge an, die an Orte führen, die während der NS-Zeit eine Rolle gespielt haben und zeigen, wie sich die nationalsozialistische Gewaltherrschaft im Alltag der Lüneburger ausgewirkt hat. Am Sonntag, 9. August, 11 Uhr, gibt es die nächste Rundführung unter dem Titel "Jüdisches leben in Lüneburg". Anmeldung unter Tel. 04131/40 19 36.