Kolumne: Uni-Angehörige schreiben

Alles eine Frage der Kleidung

Eine Sache, die ich beim Studium des Faches Kunst gelernt habe ist: Alles ist Aussage. Nicht nur in der Kunst, auch im Alltag. Und natürlich auf dem Campus.

Was für ein Auto jemand fährt beispielsweise oder was man in der Mensa isst. Aus jeder dieser Aussagen lassen sich Rückschlüsse ziehen. Besonders viel kann man über eine Person erfahren, schaut man sich die Kleidung an.

In Lüneburg schien bisher jeder Studiengang seine eigene, geheime Kleiderordnung zu haben. Aufgrund der Kleidung den Studiengang zu erraten, war immer eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Genau das wird aber offenbar immer schwieriger und es fällt auf, dass man unterschiedliche Studiengänge oft nicht mehr an der Kleidung erkennen kann.

Der typische Umweltwissenschaftler trug früher eine Cordhose und einen Parka oder eine Funktionsjacke. BWL-Studenten waren immer schon sehr konservativ gekleidet, sie umgab ein Geruch von frisch gemähtem Golfrasen. Kulturwissenschaftler präsentierten sich im Berlin-Mitte-Chic und die Lehrämter taten sich durch pure Einfallslosigkeit hervor.

Diese Zeiten sind vorbei. Es wurden schon Umweltwissenschaftler mit Polohemden gesehen - natürlich den Kragen hochgestellt -, als ob das nicht schon immer ein Verbrechen war. Kulturwissenschaftler tragen klassische Hemden, gestreift oder hellblau, dazu Brogues. Lehramtsstudenten werden mit guten Frisuren und Neonfarben gesichtet.

Man kann sich hier eben auf nichts mehr verlassen.

Florian Schaper studiert Angewandte Kulturwissenschaften an der Uni Lüneburg.

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