Randnotiz

Ein Dorn für das Röschen

Märchenfiguren kennen wir alle. Ihre Namen haben sich uns eingeprägt vom Froschkönig über Rumpelstilzchen, Schneewittchen, dem tapferen Schneiderlein bis hin zu Dornröschen.

Wir haben sie alle gelesen und erzählt bekommen, irgendwann in unserem Leben. Allerdings sind wir ihnen nie begegnet. Das ist schade, denn so eine echte Begegnung mit einer Prinzessin und einem Prinzen aus dem Märchen, das wäre doch was.

Solche Wünsche sind unerfüllbar, obwohl immer wieder Versuche gemacht werden. Wer etwa mit seinen Kindern bei Disney World war, wird sicher auch an den Plätzen gewesen sein, wo Dornröschen, Schneewittchen und wie sie alle heißen, leibhaftig stehen und in den Arm genommen werden können. Dort handelt es sich um Menschen, die in die Kostüme der Filmfiguren geschlüpft sind, die alle kennen.

Aber auch als Erwachsener gibt es manchmal solche Begegnungen - völlig unerwartet zum Beispiel auf dem Markt einer großen deutschen Stadt. Da steht er doch tatsächlich, der Obst- und Gemüsestand mit dem Namen "Dornröschen". So, so - Dornröschen hat sich also unter die Biobauern begeben - kein Wunder nach einem hundertjährigen Schlaf. Da hat sie erfahren, was Qualität und Haltbarkeit wirklich bedeuten! Mal sehen, wie knackig frisch sie noch ist, mal sehen! "Wo ist denn Dornröschen", frage ich die Verkäuferinnen und sie zeigen auf ihren Chef, einen Herrn mittleren Alters mit freundlichem Lächeln. "Sie sind Dornröschen?", frage ich erstaunt und ungläubig. Die Antwort kommt prompt und nicht eine Sekunde verzögert: " Nein, nein - ich bin der Dorn, das Röschen sitzt zu Hause!" Schallendes Gelächter in der Runde. So hatten wir alle das Märchen nicht in Erinnerung...