Heimatgeschichte: Gedenken an ermordete Juden

Zehn Namen gegen das Vergessen

Im Schlosspark soll künftig ein Gedenkstein daran erinnern, dass jüdisches Leben durch den Holocaust erlosch.

Bleckede

Jüdische Familien waren einst tief verwurzelt in Bleckede. Die Blütezeit des jüdischen Lebens fällt in das 19. Jahrhundert. 1848 lebten 41 Juden zusammen mit 616 Lutheranern und sechs Katholiken in der Stadt an der Elbe - zehn Jahre später stieg die Zahl der Bürger mit jüdischem Glauben sogar auf 53. Sie besaßen Häuser und Läden. Sie betrieben Mode- und Textilgeschäfte, verkauften Möbel, verdienten ihr Geld als Schlachter und Viehhändler, hatten Bürger-, Holz- und Fischereirechte.

Auch im gesellschaftlichen Leben wirkten jüdische Mitbürger lebhaft mit, wurden Schützenkönig, waren Mitbegründer der ersten freiwilligen Löschschar des Ortes, prüften die Kasse der Feuerwehr und riefen eine Sanitäterkolonne mit ins Leben.

Heute gibt es keine Juden mehr in Bleckede. Schon Ende des 19. Jahrhunderts verließen viele aus wirtschaftlichen Gründen die Stadt. Das jüdische Leben endete jedoch endgültig und grausam mit dem Holocaust. Die letzten verbliebenen Bleckeder Juden wurden in den Jahren 1941 bis 1944 von den Nazis deportiert und in den Konzentrationslagern Auschwitz, Theresienstadt, Riga und Sobibor ermordet.

An das Schicksal der Juden will nun die Stadt mit einer Gedenkstätte erinnern. Ein Rechteckquader in bläulich gefärbtem Zementguss soll seinen Platz im Herzen der Stadt, im Schlosspark finden. Entworfen hat den 95 Zentimeter hohen, 50 Zentimeter tiefen und 1,70 Meter langen Gedenkstein der Künstler Johannes Kimstedt aus Tosterglope, der auch an den ersten Entwürfen für ein Holocaust-Denkmal in Berlin mitgearbeitet hatte. Die Idee, an das jüdische Leben und die Ermordung der Juden zu erinnern, hatte die Projektgruppe ,,Geschichte der Juden in Bleckede", ein Spross des Arbeitskreises Geschichte für die diesjährige 800-Jahr-Feier der Stadt.

Dr. Lukas Jockel leitet die Projektgruppe. Er sagt: ,,Der Vorschlag, einen Gedenkstein aufzustellen, kam von Bodo Riethmüller vom Landesverband der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen beim Besuch des jüdischen Friedhofes von Bleckede. Wir waren spontan angetan." Der Friedhof liegt in einem Wald am Ortsausgang in Richtung Neetze, wurde 1752 errichtet und 1802 erweitert.

Bei Bürgermeister Jens Böther (CDU) stieß die Idee für die Gedenkstätte auf offene Ohren. ,,Die Juden waren Bleckeder Bürger und Teil des öffentlichen Lebens. Doch davon ist keine Spur geblieben", sagt er. Der Gedenkstein gehöre in den Stadtkern. ,,Es spricht vieles für den Schlosspark, denn in dessen Nähe hat die jüdische Bevölkerung früher gelebt - an der Breiten Straße und der Friedrich-Kücken-Straße." Dr. Jockel ergänzt: ,,Es gibt keinen Grund, die Geschichte zu verstecken." Vielmehr solle das Schicksal der Juden an die Bleckeder nahe heranrücken.

Der Stadtrat muss noch entscheiden, ob der Gedenkstein im Schlosspark aufgestellt wird. Segnet der Rat das Vorhaben ab, findet der Quader seinen Platz nahe dem Gedenkstein für die Toten des Zweiten Weltkrieges. Die gelbe Inschrift soll die Namen der umgebrachten Juden tragen, die Bodo Christiansen von der Projektgruppe recherchiert hat: Lieselotte Rosen, Caroline Gunst, Minna Joseph (geborene Benjamin), Alexander Moses (genannt Süsskind), Amalie Obermeyer (geborene Benjamin), Klara Plaut (geborene Moses, genannt Ballheimer), Frieda Seligmann (geborene Katzenstein), Regine Hertz, Josef Rosen, Ottilie Rosen (geborene Lindenbaum). ,,Nur die drei letztgenannten Personen wurden aus Bleckede deportiert. Die anderen waren vorher fortgezogen, wurden aber auch in Konzentrationslagern ermordet", sagt Dr. Jockel.