Kronsberg: Nach 30 Jahren müssen Archäologen ihre Arbeit vorerst beenden

Für weitere Grabungen fehlt das Geld

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Ulrike Kressel

Ende dieses Jahres ist Schluss. Gemeinde Rullstorf pachtet das Areal, will unentdeckte Relikte schützen.

Rullstorf. Auch nach 30 Jahren Ausgrabungsarbeiten schlummern im Erdreich am Rullstorfer Kronsberg noch viele ungeborgene Schätze. Doch ob die künftig auch alle wieder ans Tageslicht gelangen, ist ungewiss. Denn Ende dieses Jahres werden die Ausgrabungen am Kronsberg beendet. Die finanziellen Mittel der staatlichen Denkmalpflege sind ausgeschöpft. Und andere Gelder oder Investoren sind derzeit nicht in Sicht.

"Archäologie ist eine teure Sache und die Mittel dafür in Niedersachsen sind bescheiden. Schließlich graben wir hier schon seit 30 Jahren, da muss man Verständnis dafür haben, dass auch in andere Projekte im Land investiert wird", sagt Dr. Wilhelm Gebers (63), Referent für Archäologie am Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege.

Etwa 140 000 Euro flossen allein in diesem Jahr in die Ausgrabungsarbeiten am Kronsberg - reine Personalkosten. Sechs Arbeiter, drei Zeichner und eine Archäologin mussten davon bezahlt werden. Doch damit ist 2009 erst einmal Schluss - auch wenn unter dem letzten Ausgrabungsabschnitt von 7500 Quadratmetern Größe noch etliche Schätze schlummern.

Die Gemeinde Rullstorf hat das Areal vorsorglich für die nächsten 30 Jahre gepachtet, um die Hinterlassenschaften der Vergangenheit im Boden vor tief greifenden landwirtschaftlichen Aktivitäten zu schützen. Das Projekt ist damit nicht gestorben. "Hier wird immer noch eine Menge passieren. Der Freundeskreis Archäologie Niedersachsen und der Verein für Heimat Scharnebek und Umgebung werden ehrenamtlich dran bleiben", sagt Wilhelm Gebers. Ohne ehrenamtliche Hilfe seien schon in den vergangenen Jahren viele Arbeiten nicht möglich gewesen. Mehrere Tausend Menschen haben in den 30 Jahren mit angefasst, darunter auch viele Ein-Euro-Jobber.

Angefangen hatte alles Ende der siebziger Jahre. Der Heimatforscher und Hobbyarchäologe Christian Krohn entdeckte auf einem seiner Spaziergänge eigentümliche Bodenverfärbungen an der Abbruchkante der Sandkuhle am Kronsberg: ein deutlicher Hinweis auf Siedlungsspuren. Die Entdeckung des Archäologen führte damals dazu, dass der gerade erst begonnene Sandabbau in diesem Gebiet gestoppt wurde. "Mit Studenten förderten wir massenhaft Keramik zu Tage", sagt Krohn. Auch die Reste eines bronzezeitlichen Grubenhauses kamen zum Vorschein. Aus den kurzfristigen Notgrabungen wurden langfristige Forschungsgrabungen, der Sandabbau geriet für längere Zeit ins Stocken.

Kohn und seine Helfer stießen schon bald auf Besiedlungsreste aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit, der Epoche der Römischen Kaiser bis in die Moderne und machten Rullstorf über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Zu den spektakulärsten Funden zählen die Reste des ältesten Langhauses Niedersachsens, dessen Alter auf 4000 Jahre vor Christi bestimmt wurde. Und dabei blieb es nicht. Weitere Relikte gab der Sand bald frei und bewiesen: mehr als 20 weitere Langhäuser haben einst am Kronsberg gestanden.

Nicht weniger bedeutend ist ein spätsächsisches Gräberfeld, das kurz darauf freigelegt wurde. Knochenreste von 40 Pferden entdeckten die Forscher im Untergrund und damit das größte je in Deutschland entdeckte Pferdegrab. Auch Reste von Hunden und Lockhirschen wurden entdeckt. Mit diesen Schätzen musste die Geschichte der Gemeinde, die im Jahr 1150 erstmals urkundlich erwähnt wird, umgeschrieben werden.

Der Heimatforscher Christian Krohn sucht nun nach Lösungen, um die Grabungen fortsetzten. "Vielleicht probieren wir es mit experimenteller Archäologie und laden interessierte Hobbyarchäologen zu Ausgrabungsseminaren nach Rullstorf ein. Auch archäologische Erlebnistage für Touristen wären denkbar."

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