Spielerische Welt der Zwergensprache

Maximilian (14 Monate) weiß schon ganz genau, wie er seiner Mama sagen kann, dass er Hunger hat - und das, obwohl der kleine Mann noch gar nicht...

Lüneburg. Maximilian (14 Monate) weiß schon ganz genau, wie er seiner Mama sagen kann, dass er Hunger hat - und das, obwohl der kleine Mann noch gar nicht richtig sprechen kann: Er führt seine kleine Hand immer wieder zum Mund. Und wenn Marie (neun Monate) ihren dreijährigen Bruder Anton sucht, dann macht sie mit ihrer Hand einfach eine Halbmondbewegung. Lia (acht Monate) kann das Zeichen zwar noch nicht, aber sie weiß sehr genau, was es bedeutet, wenn Mama Verena Behrendt die Faust öffnet und wieder schließt: Milch. Sofort fängt der kleine Wonneproppen an, freudig zu quietschen.

Sechs Babys und Kleinkinder zwischen sechs und 14 Monaten lernen derzeit mit ihren Müttern die so genannte Zwergensprache im Bonhoefferhaus zwischen Häcklingen und Rettmer. Kursleiterin Yvonne Böckmann bietet den Kurs seit Anfang des Jahres an. "Mit der Zeichensprache, die der Gebärdensprache sehr ähnlich ist, können sich die Babys bereits verständlich machen, ehe sie sprechen können", sagt die diplomierte Sozialpädagogin. Oftmals gäbe es mit dem Baby eher einen Monolog, doch mit Zeichen werde ein Dialog möglich und die Babys können ihre Bedürfnisse wie Hunger, Trinken oder Buch lesen mitteilen.

Spielerisch erlernen die Kleinkinder mit Liedern, Reimen und Tierfiguren. "Auch das Sprechen lernen wird kindgerecht unterstützt, denn mit den Zeichen wird auch immer das Wort dazu genannt", sagt Böckmann. Auch die Motorik könne durch das Nachahmen verbessert werden.

Gelernt hat Yvonne Böckmann die Zwergensprache direkt von Erfinderin Vivian König. "Ich habe früher mit gehörlosen Jugendlichen gearbeitet, da halfen mir meine Kenntnisse über die Gebärdensprache, denn viele Zeichen sind gleich oder ähnlich", so die 33-Jährige. Ausprobiert hat sie das Gelernte das erste Mal an Töchterchen Babette. "Es hat mich selbst erstaunt, wie gut das geklappt hat."

Im zwölfstündigen Kurs lernen die Babys rund 75 Begriffe. "Viele davon erfragen die Mütter, weil es sich einfach aus dem Alltag in der Familie ergibt", sagt Böckmann. Alles passiere aber spielerisch und ohne Zwang, betont die Lehrerin der Zwergensprache.


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