Medizin

Elbmarsch: Erneut erkrankt ein Kind an Leukämie

Die tragische Serie reißt nicht ab. In der Elbmarsch rund um die Atomanlagen in Geesthacht (Schleswig-Holstein) ist erneut ein Kind an Leukämie erkrankt.

- Das bestätigt die Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch.

Ein neun Jahre altes Mädchen aus Horburg im Landkreis Lüneburg ist von der heimtückischen Krankheit betroffen. Damit steigt die Zahl der an Leukämie erkrankten Kinder und Jugendlichen in der Elbmarsch seit Ende 1989 auf 19. Als mögliche Ursache für die weltweit höchste Häufung von Kinderleukämie geraten immer wieder das Kernkraftwerk Krümmel und der GKSS-Forschungsreaktor in den Fokus. Das kleine Dorf Horburg in der Samtgemeinde Bardowick, in dem das jetzt erkrankte Mädchen wohnt, ist Luftlinie rund 5,5 Kilometer von den Atomanlagen an der Elbe entfernt.

Betroffen reagiert die grüne Landtagsabgeordnete Miriam Staudte aus Scharnebeck im Landkreis Lüneburg auf das Bekanntwerden des 19. Leukämiefalls. ,,Der Albtraum hört nicht auf", sagte Staudte und fordert: ,,Das Wiederanfahren des Atomkraftwerks Krümmel im Mai muss gestoppt werde." Durch die neuen Erkenntnisse aus der KIKK-Studie des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) sei belegt, dass es bundesweit im Fünf-Kilometer-Radius um Atomkraftwerke zu einer signifikanten Erhöhung der Kinderleukämien kommt. Staudte vermutet, dass die besondere Leukämie-Häufung um Krümmel auf ein zusätzliches Vorkommnis am 12. September 1986 auf dem Gelände der GKSS-Forschungsanlagen zurückzuführen sei: ,,Es gibt eine Menge Ungereimtheiten, die die Freisetzung von Radioaktivität an diesem Tag betreffen."

Uwe Harden, ehemaliger SPD-Landtagsabgeordneter aus Drage und Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch, sagt, er sei jedoch skeptisch, dass der Verursacher jemals gefunden werde. ,,Es gibt Mitwisser, die schweigen. Und es wurden Spuren und Akten über einen möglichen Atomunfall am 12. September 1986 beseitigt." Für ihn sei der Fall ohnehin geklärt: ,,Weil es offensichtlich ist, dass radioaktive Kügelchen im Boden gefunden wurden - und das ist weltweit einzigartig."

Inzwischen befasst sich auch der niedersächsische Landtag wieder mit dem Thema Leukämie in der Elbmarsch. Wie berichtet, war mehr als ein Jahr verstrichen, bis sich der Sozialausschuss nach der Landtagswahl im Januar 2008 Anfang dieses Jahres wieder der Ursachenforschung widmete. Den beiden Wissenschaftlern Axel Gerdes und Vladislav Mironov will der Ausschuss Fragebögen zukommen lassen, um zu klären, weshalb Mironov radioaktive Kügelchen im Boden der Elbmarsch gefunden hatte und Gerdes nicht.