Projektionskunst

Lüneburgs Illuminator

Harm Bremer setzt Oberflächen durch geschickte Beleuchtung mit eigenen Entwürfen in Szene.

Projektionen sind seine Leidenschaft. Der Lüneburger Harm Bremer taucht mittels Dia-Projektoren vielfältige Muster, "Patterns", wie er sie nennt, an Gebäude, Böden und andere Flächen. Zum Einsatz kommt Bremers Projektionskunst vor allem bei großen Veranstaltungen. Beim Lüneburger Stadtfest setzte er das "Parklokal" im Clamartpark in Szene, aber auch international ist er längst nicht mehr unbekannt.

Seine Lichtkunst von heute findet ihren Ursprung in seiner Liebe zur Musik. Harm Bremer erinnert sich: "Wir haben 2001 Sonic Fiction gegründet. Ein Künstlerkollektiv, in dessen Zentrum die elektronische Musik stand." Schnell gesellten sich zu den Initiatoren, neben Bremer zählte dazu auch Jan Torge Claussen, weitere Musiker. Seither veranstalten sie Parties, anfangs vorwiegend in Lüneburg, später wurden sie bundesweit gebucht.

"Für mich bedeuten diese Events nicht einfach laute Musik und Alkohol. Das künstlerisches Gesamtwerk ist wichtig. Alle Sinne sollten angesprochen werden." Und so gesellte sich zu der Musik die Lichtkunst. Begonnen hat alles mit einem Diaprojektor vom Flohmarkt. "Es hat mich einfach fasziniert, wie anders Räume und Gebäude wirken, wenn Projektionen darüber liegen."

Mittels Dias mit grafischen Mustern und einer Tricklinse, die das Licht je nach Schliff unterschiedlich bricht, wirft das Gerät seine Entwürfe auf die Projektionsfläche. Die Muster für die Dias entwirf Bremer mit einem speziellen Vektorprogramm. "Anfangs habe ich die Dias selbst ausgedruckt und anschließend mühsam zurechtgeschnippelt." Inzwischen lässt der Künstler die Filme professionell belichten.

"Eigentlich schade, denn die selbst hergestellten Dias sind schon etwas Besonderes. Wenn die Tinte sich abnutzt und bröckelt, hat das nämlich einen ganz tollen Effekt bei der Projektion." Besonders reizen den Lüneburger Projektionen unter freiem Himmel: "Wenn die Muster durch Bewegungen, Gebäude Pflanzen oder Menschen aufgebrochen werden, finde ich es besonders spannend."

Gelegenheit seine Projektionen auszuprobieren hat Harm Bremer genug, regelmäßig ist der Lichtkünstler gefragt, wenn es darum geht ein Event in Szene zu setzen. "Die größte Veranstaltung, für die ich gebucht wurde, war das Boom-Festival in Portugal", sagt der 31-Jährige. Noch in diesem Sommer führt ihn seine Kunst nach Griechenland und im nächsten Jahr hat er einen "Gig" in Marokko. Aber auch hier in der Region kann man Veranstaltungen besuchen, denen seine Projektionen eine besondere Atmosphäre verleihen. In Lüneburg sind das vor allem Läden, in denen elektronische Musik gespielt wird. Illuminiert hat Bremer unter anderem das Jekyll and Hyde, die Garage und die Wunderbar. Trotzdem gibt es auch hier noch Orte, die den jungen Künstler reizen: "Ich würde meine Patterns gern mal an den Wasserturm projizieren." Auch am Kurpark, beispielsweise bei der "Nacht der Romantik" würde sich Lüneburgs Illuminator gern einmal ausprobieren: "Angefragt habe ich bereits", verrät Bremer.

Wie vielseitig die grafisch reduzierten Formen einsetzbar sind, sieht man spätestens bei einem Besuch der Classic Lounge in den Herrenhäuser Gärten in Hannover. Hier tritt Bremer derzeit regelmäßig auf, um junge Menschen an klassische Musik heranzuführen. Die Muster ändern sich dabei nicht. Harm Bremer sagt: "Dort stellen meine Projektionen einen Kontrast zur Musik dar und geben den Konzerten einen Club-Touch."

Übrigens zeigt das Konzept Wirkung, denn die Besucherzahlen steigen, so Bremer. Licht, so der Künstler, werde bei Veranstaltungen ohnehin häufig unterschätzt. "Die Flächengestaltung wird meist eher nebensächlich behandelt, dabei ist sie für das Gesamtkonzept enorm wichtig." Er schaffe mit den Projektionen Räume, "Freiräume", wie er es nennt. Das Besondere: "Meine Projektionen sind still. Sie bombardieren die Menschen nicht mit einer Bilderflut. So können sie fernab vom Alltag ausspannen und einfach eine gute Zeit verleben."

Wer sich einen genaueren Eindruck von Harm Bremers Lichtkunst verschaffen will, wird auf seiner Internetseite fündig.

www.aerosol-light.net

"Wenn die Muster durch Bewegungen, Gebäude, Pflanzen oder Menschen aufgebrochen werden, finde ich es besonders spannend."

Harm Bremer