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Julie Delpy dreht heimlich einen Kinofilm in Wentorf

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Susanne Tamm
Hollywood-Star Julie Delpy dreht heimlich einen Kinofilm in Wentorf bei Hamburg.

Hollywood-Star Julie Delpy dreht heimlich einen Kinofilm in Wentorf bei Hamburg.

Foto: Matt Sayles / picture alliance / AP Photo

Star aus „Before Sunrise“ spielt in „The Tutor“ die Ehefrau eines Literaten. Was über den Dreh bekannt ist.

Wentorf/Reinbek.  Dass die Schauspielerin Julie Delpy ihn einmal um den Schlaf bringen könnte, das hätte sich Wolfgang Brzynczek nie träumen lassen – zumal der Reinbeker Pensionär die französische Darstellerin vieler Kinofilme („Before Sunrise“) noch nicht einmal kennt. Doch er wohnt gegenüber vom Museum Rade. Und das ist derzeit an eine Filmproduktionsfirma vermietet, die gerade einen Kinofilm in Wentorf dreht.

In dem Film geht es um einen angehenden Schriftsteller (gespielt von Daryl McCormack), der in die Welt eines bedeutenden Literaten (Richard E. Grant) hineingezogen wird. Dessen Frau wird von Delpy gespielt. Sie verbirgt ein verstörendes Geheimnis. Das Drehbuch ist von Alex MacKeith, Regie führt Alice Troughton. Das Projekt wird von der Moin Filmförderung unterstützt. Entgegen der Mitteilung der Moin Filmförderung im Mai, dreht die Schauspielerin Julie Delpy derzeit nicht in Hamburg, sondern am Billeweg in Wentorf. Das Hauptquartier mit Caterer, Maskenbildner und Produktionsbüros befindet sich am Museum Rade in Reinbek.

Julie Delpy in Wentorf: Filmaufnahmen dauern länger als üblich

„Am Tage bekommen wir von den Arbeiten überhaupt nichts mit“, erzählt Brzynczek. „Dann übertönt der Straßenlärm ohnehin alles. Aber nachts, gerade wenn wir gern mal ein Fenster öffnen, war es in den vergangenen Nächten hell erleuchtet und vor allem sehr laut. Da wurde geredet und gegrölt.“ Auch seine Nachbarin Alina Bartsch, die den Sport Club Bergedorf leitet, fühlte sich gestört: „Da wurde um 4 Uhr nachts laut Musik gehört, das muss nicht sein. Wir fragen uns schon, was dort denn eigentlich gedreht wird.“ Immerhin dauern diese Filmaufnahmen länger als üblich, laufen auch am Wochenende und nachts.

Tagsüber liegt der Parkplatz verwaist da. Der Catering-Wagen und der Maskenbildner-Wagen sowie mehrere weiße Zelte sind verschlossen. Schilder verwehren den Zutritt zum Gelände, das seitlich mit Flatterband abgesperrt ist. Durch ein Fenster ist eine Frau zu erkennen, die auf einer Tastatur tippt.

Der Park wird in künstliches Mondlicht getaucht

„Das ist ein englischer Film“, weiß Miriam Denker, stellvertretende Leiterin des Restaurants Bringezu im Schloss Reinbek, über das Projekt. „Die haben sich im Vorfeld einmal vorgestellt und erzählt, als sie sich die Lokalitäten angeschaut haben.“ Allerdings seien weder Crewmitglieder noch Schauspieler je bei ihr zum Essen gewesen. „Oder sie haben sich nicht zu erkennen gegeben“, sagt sie lächelnd.

Winfried Schneider aus der Nachbarschaft weiß mehr: „Die drehen überhaupt nicht am Museum oder Schloss, sondern in einer Villa im Billewinkel in Wentorf. Eine Jugendfreundin, die dort wohnt, hat mir erzählt, dass dort regelmäßig der Park mit einem hellleuchtenden Ballon in falsches Mondlicht getaucht wird.“ Die Freundin bestätigt dies, ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen. „Die Mitarbeiter dort sind alle sehr freundlich“, sagt sie.

Anwohner am Billewinkel wurden vorab informiert

Ein Wurfzettel hat die Nachbarschaft darüber informiert, was dort gedreht wird: der Psychothriller „The Tutor“ mit Julie Delpy (52), Richard E. Grant (65) und Daryl McCormack (29). „Unsere Tochter kennt diese Schauspieler, aber uns sagen diese Namen nichts“, erzählt die Anwohnerin. Julie Delpy ist vor allem durch die flirrende Romanze „Before Sunrise“ und ihre Fortsetzungen bekannt geworden, Richard E. Grant, wurde für seine Nebenrolle in „Can you ever forgive me?“ (2018) für den Oscar nominiert, 2019 war er in „Star Wars“ als General Pryde zu sehen. Gesehen hat man die Schauspieler vor Ort allerdings noch nicht: „Sie werden meist in einem Kleinbus mit abgedunkelten Scheiben gebracht“, berichtet die Anwohnerin.

Das romantische und abgeschottete Anwesen der Villa Rieck aus dem 19. Jahrhundert scheint wie gemacht für Dreharbeiten: 16 Zimmer, verteilt auf 1000 Quadratmetern auf drei Ebenen, imposante Sprossenfenster, aus denen man einen traumhaften Blick in den einen Hektar großen Park hat. Er wird von der Bille begrenzt und ist so dicht zugewachsen, dass man auch vom Völckers Park am anderen Ufer keinen Blick auf die Dreharbeiten erhaschen kann. Die Aufnahmen sollen am 13. Juli fertig sein, die Veröffentlichung des Films ist für das Jahr 2023 angekündigt.

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