Uganda

Wie ein Wohltorfer mit Kuh-Spenden Leben rettet

| Lesedauer: 4 Minuten
Susanne Tamm
Jedes Mal, wenn einer Frau in Uganda eine Kuh gespendet wird, wird das zum Freudenfest. Denn eine Kuh sichert einer Familie dort über mehrere Jahre die Zukunft.

Jedes Mal, wenn einer Frau in Uganda eine Kuh gespendet wird, wird das zum Freudenfest. Denn eine Kuh sichert einer Familie dort über mehrere Jahre die Zukunft.

Foto: Mwaka

Der Wohltorfer Volkmar Wywiol sammelt für Kuh-Spenden. Schon ein einziges Tier sichert in Uganda die Zukunft einer ganzen Familie.

Wohltorf. Uganda hat Volkmar Wywiol (86) bislang nicht bereist. Erstaunlich, denn eigentlich ist der Wohltorfer Unternehmer in der ganzen Welt zu Hause: Zumindest überall dort, wo das Unternehmen Stern-Wywiol-Gruppe, das er vor 42 Jahren als Start-up gründete und dann zu einer internationalen Gruppe aufbaute, Tochterfirmen hat.

Aber der Weltenbürger unterstützt privat schon seit Jahren Schwester Elisabeth Mwaka dabei, Waisenheime und Hospitäler in Uganda zu errichten. Die Schwester sorgt dort zudem mit Mikro-Krediten von etwa 25 bis 50 Euro dafür, dass Uganderinnen mit einem kleinen Straßenhandel ihre Familien ernähren können.

Projekt „More milk for children in Uganda“ rettet Leben in Uganda

„Uganda hat mit 15,5 Jahren das niedrigste Durchschnittsalter auf der gesamten Welt“, sagt Volkmar Wywiol. Das liege nicht nur an den vielen Waisenkindern aufgrund der Aids-Erkrankungen, sondern auch daran, dass die Frauen meist sechs bis sieben Kinder bekämen. „Diese Frauen sind sehr engagiert, nicht nur als Mutter und Ehefrau, oft sorgen sie auch für den Lebensunterhalt der Familie, während die Männer gern die Frauen arbeiten lassen“, stellt der Wohltorfer fest.

Schwester Elisabeth, eine Deutsche, die mit einem Ugander verheiratet ist, sorgt dafür, dass sich die Frauen in Gruppen austauschen können und unterrichtet sie zusätzlich in Sachen Ernährung, Gesundheit oder Empfängnisverhütung.

250 Euro für eine Kuh hätten die Frauen nie als Kredit aufgenommen

Vor etwa zehn Jahren habe sie in einem Newsletter geschrieben: „Ach, hätte ich doch einen Bullen, dann könnte ich meine Waisenkinder besser ernähren!“, berichtet der Senior-Unternehmer. Denn die afrikanischen Buckelrinder gäben nur etwa drei Liter Milch pro Tag – ein wichtiges Nahrungsmittel für die Kinder. Mit einem Bullen, in den ein holsteinisches Rind eingekreuzt sei, wäre die nächste Rindergeneration stärker und der Ertrag deutlich gesteigert worden. Doch ein solcher Bulle koste 1000 Euro – unerschwinglich für Schwester Elisabeth.

„Da habe ich kurzerhand eine meiner Assistentinnen gebeten, nach Uganda zu fliegen, um diesen Bullen im Nachbarland Kenia zu organisieren“, erzählt Volkmar Wywiol. Gesagt, getan. Als dann die nächsten Kälber geboren wurden, kam dem Unternehmer die Idee: Warum den Frauen nicht direkt eine Kuh spenden? Ein nachhaltigeres Projekt sei kaum vorstellbar. „Die 250 Euro pro Kuh hätten die Frauen niemals als Kredit aufgenommen aus Angst, ihn im Leben nicht zurückzahlen zu können“ erläutert der 86-Jährige.

Dieses Jahr sollen 99 Kühe für die Kinder in Uganda gespendet werden

So gründete er 2020 sein jüngstes Projekt: „More milk for children in Uganda“ (Mehr Milch für Kinder in Uganda). Mit einer Kuh ging es los, im Jahr 2021 konnte er schon die Spenden für 71 Kühe sammeln. Sein Ziel für 2022: 99 Kühe. Das Geld für 45 Kühe hat er bereits zusammen. „Ich habe 150 meiner Geschäftsfreunde angeschrieben und für dieses Projekt geworben“, berichtet der Wohltorfer. Etwa 15 Prozent der Angeschriebenen hätten bereits gespendet. „Aber es ist an der Zeit, dass Projekt einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen und die Herzen weiter zu öffnen.“

Die Stern-Wywiol-Gruppe mit Niederlassungen in 17 verschiedenen Ländern produziert Zutaten und Zusatzstoffe für Nahrungs- und Futtermittel. Darunter auch Fette in Pulverform, die den Milchertrag von Kühen steigern können. Die Kühe in Uganda erhalten kein Kraftfutter, erklärt Volkmar Wywiol: „Das ist zu teuer. Sie fressen dort, was die Natur hergibt: Elefantengras, trockne Bananenschalen und Bohnenkraut.“ Durch die Kreuzung aber geben die Kühe bis zu zehn Liter Milch pro Tag.

Die Geschäftsführung der Gruppe hat heute Volkmar Wywiols Sohn Torsten übernommen, er selbst hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, kümmert sich um humanitäre und kulturelle Projekte. Interessierte erreichen ihn unter der E-Mail vwywiol@stern-wywiol-gruppe.de.

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