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Fahrradfahrer wollen Parkplätze in Wentorf blockieren

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Der ADFC Wentorf/Börnsen will für seinen „Parking Day“ während einer Demo Parkplätze an der Hauptstraße blockieren. Die ADFC-Aktion steht in einer Reihe ähnlicher Veranstaltungen in anderen Städten.

Der ADFC Wentorf/Börnsen will für seinen „Parking Day“ während einer Demo Parkplätze an der Hauptstraße blockieren. Die ADFC-Aktion steht in einer Reihe ähnlicher Veranstaltungen in anderen Städten.

Foto: privat

Mit der Aktion „Parking Day“ soll gezeigt werden, wie lebenswert Städte sein könnten, wenn es weniger Platz für Autos gäbe.

Wentorf. Auf Konflikte und Reibereien sind die Mitglieder der ADFC-Gruppe Wentorf/Börnsen eingestellt. Am Mittwoch, 15. September, wollen sie auf die ungerechte Raumverteilung zwischen Autos und Fahrrädern hinweisen, indem sie Parkplätze blockieren.

„Wir fangen mal mit drei Parkplätzen an“, sagt Reiner Freund, Sprecher der Gruppe, schmunzelnd. Er hatte das Thema des „Parking Day“ aus dem Landesverband des ADFC mitgebracht. „Und unsere Leute waren sofort Feuer und Flamme“, erzählt er und räumt ein: „Na, ein paar skeptische Stimmen gab es schon.“

ADFC will die positiven Aspekte der Mobilitätswende thematisieren

Um die ungleiche Raumaufteilung zwischen Autos sowie Fahrrädern und Fußgängern öffentlich zu thematisieren, wurde 2005 der „Parking Day“ ins Leben gerufen. Symbolische, zeitlich begrenzte Parkplatzumwidmungen und weitere kreative, neue Nutzungen gibt es mittlerweile auf der ganzen Welt.

Die etwa 15 aktiven Mitglieder der Gruppe Wentorf/Börnsen wollen den Parkplatz vor dem Optiker an der Hauptstraße an ihrem „Parking Day“ von 15 bis 18 Uhr „wohnlicher“ gestalten. „Wir wollen Kunstrasen ausrollen, Liegestühle und einen Tisch aufstellen“, erzählt Freund. Auch ein Regenschutz ist eingeplant. „Wir möchten einfach mit den Wentorferinnen und Wentorfern ins Gespräch kommen, eine Diskussion anstoßen“, erklärt er.

Auto verbraucht 19-mal mehr Platz im Verkehr als ein Fahrrad

Autofahrerinnen und Autofahrer haben in der Gemeinde nicht viel auszustehen: Allein entlang der Hauptstraße sind Stellflächen für 46 Autos eingerichtet. In Wentorf seien im Laufe der Jahrzehnte – wahrscheinlich überdurchschnittlich – viele Parkplätze für Autos geschaffen worden, so Freund. Dies sei Ausdruck des Umbaus der Städte und Kommunen zu autogerechten Städten gewesen. Ein Teil davon seien Autoabstellanlagen in öffentlicher, ein Teil in privater Hand, beispielsweise für die Supermärkte.

Ein paar Fakten zum Thema: Öffentliche Parkplätze, wie die entlang der Hauptstraße, sind rund 15 Quadratmeter groß. Die Einrichtung eines Platzes kostet bis zu 5000 Euro, der Unterhalt kommunaler Plätze bis zu 300 Euro. „Ein Auto verbraucht etwa 19-mal mehr Platz im Verkehrsgeschehen als ein Fahrrad“, stellt Freund fest.

Saubere Luft, weniger Lärm und mehr Sicherheit

Auf einen Pkw-Parkplatz passten hingegen ungefähr zehn Räder. Angesichts knapper öffentlicher Flächen, etwa für den Wohnungsbau, sei es eine Zukunftsaufgabe, Verkehrsflächen neu zu verteilen. „Unter sozialen, ökologischen und Klimagesichtspunkten brauchen wir grüne und fußgänger- oder auch fahrradtaugliche Städte, die zum Verweilen und Flanieren einladen“, sagt Freund Mitstreiter Marco Steinfeld.

Von sauberer Luft, wenig Lärm und mehr Sicherheit profitierten alle, auch der lokale Einzelhandel. „Den motorisierten Individualverkehr aus dem Zentrum vollständig zu verbannen ist nicht realistisch“, räumt Steinfeld ein. „Ihn auf ein Mindestmaß zu begrenzen, ist allerdings sinnvoll.“

Tut dem Geldbeutel und der Gesundheit gut

Die ADFCler laden dazu ein, einen Beitrag zu einer Verkehrswende zu leisten, und wenn immer möglich, das Rad zu benutzen oder auch mal zu Fuß zu gehen. Unbestritten sei, dass dies dem Geldbeutel, der Gesundheit und der Gesundheit des Planeten guttäte.

( st )

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