Wentorf

Die andere Rolle des Edeka-Marktleiters Wolfgang Snijders

„Das Leben ist schön – von einfach hat niemand gesprochen“, sagt Wolfgang Snijders,  Geschäftsführer im Edeka-Markt.

„Das Leben ist schön – von einfach hat niemand gesprochen“, sagt Wolfgang Snijders,  Geschäftsführer im Edeka-Markt.

Foto: Imke Kuhlmann / BGZ

Der 46-Jährige ist durch seine Frau in den Einzelhandel geraten und hat gelernt, dass der sogar Spaß macht. Was macht er so privat?

Wentorf. Wenn Wolfgang Snijders durch den Laden geht, fällt er schon auf. Immer schwarz gekleidet, groß, kräftig und er trägt einen langen Pferdeschwanz. „Den habe ich, seitdem ich zwölf Jahre alt bin“, sagt er. Nur die Spitzen werden regelmäßig geschnitten. Snijders ist nicht der typische Einzelhändler, doch mit seiner Freundlichkeit ist er nahezu unschlagbar. Er ist sich selbst treu, egal, was andere denken.

Und auch wenn seine äußere Erscheinung auffällt, sei er doch trotzdem ein „typischer Deutscher“. Von sich selbst sagt er: „Ich bin ehrlich, aufrichtig und verbindlich und auf Pünktlichkeit lege ich Wert.“ Und dennoch habe er Ecken und Kanten und genau das ist es, was er auch an anderen Menschen mag. Sich selbst treu zu sein, zählt zu seinen Maximen.

Auch sein Lebenslauf ist spannend: Vom gelernten Groß- und Außenhandelskaufmann, Musikjournalisten, Eventmanager bis zum Vertriebsexperten und nun Geschäftsführer eines Edeka-Marktes.

Wolfgang Snijders ist besonders gut im Controlling

Chefin ist seine Frau und das ist für den begeisterten Musikexperten absolut in Ordnung. „Sie ist diejenige, die das Geschäft von der Pike auf gelernt hat. Da werde ich einen Teufel tun und mich mit Halbwissen ins Geschäft stellen“, sagt er. Seine Expertise ist das Kaufmännische: Controlling, Verhandlung mit Lieferanten und Personalorganisation sind seine Aufgaben. Doch er sitzt auch schon mal selbst an der Kasse. Und doch: „Ohne meine Frau wäre ich nie diesen beruflichen Weg gegangen. Ohne sie hätte ich aber auch nie erlebt, wie viel Spaß mir die Arbeit im Einzelhandel macht“, sagte er. Die beiden haben in Börnsen gebaut.

Privat ist die Musik eine seiner größten Leidenschaften. Bereits mit sieben Jahren entdeckte er die Liebe zur Hardrockmusik. Die Musik der Band Kiss war sein erster Kontakt zu diesem Genre. „Ich erinnere mich noch, dass ich ein Stück immer und immer wieder gehört habe, weil es mir so gut gefiel“, sagt der Musiker. Sein Kiss-Lieblingslied ist „Exciter“ vom Album „Link it up“ (1983) – das Gitarrensolo von Vinnie Vincent fasziniert ihn.

Jedes Tattoo hat seine eigene Geschichte

Bis heute ist er Fan der Gruppe. 2010 hat er die Band sogar auf ihrer Tour begleitet. Ein Tattoo mit Autogramm und Konterfei des Sängers Gene Simmons schmückt seine Wade. Wolfgang Snijders liebt nämlich Tattoos. Sein Körper ist voll davon, nur Kopf, Hals und Hände bleiben frei. Und jedes Tattoo hat seine Geschichte.

Die erste musikalische Begegnung mit Kiss habe sein Leben verändert. Von da an wollte er unbedingt das Gitarrespielen lernen. Und er bekam eine. „Eine Gitarre mit Loch“, wie er sagt. „Erst einmal lernst du klassische Gitarre“, waren die Worte seiner Mutter. Mit elf Jahren gab es dann die ersehnte erste E-Gitarre – ohne Loch. Mit mehreren Bands spielte er in den vergangenen Jahren zusammen. Sogar CDs wurden veröffentlicht. Doch immer blieb es ein Hobby.

„Dafür bin ich dann doch zu sicherheitsdenkend. Ich möchte wissen, dass ich jeden Monat meine Rechnungen bezahlen kann“, sagt er. Mit vier weiteren Musikern spielt er in der Band Hellforged, er selbst die Bassgitarre. Eine eigene CD sei denkbar. Death-Thrash-Metal heißt die Musikrichtung, die die fünf Musiker spielen. Eine extreme Spielart der Metalmusik. Hier schlüpft Wolfgang Snijders in eine andere Rolle. Hier kann er laut sein. Die Musik sei für ihn der Ausgleich zum Alltag.

Weihnachtsmärchen und Metal sind für ihn kein Gegensatz

Und ein weiteres Hobby ist für ihn der Ausgleich zum Job: die Wentorfer Bühne. Seit 2012 gehören er und seine Frau Daniela zu dem Ensemble. „Das erste Stück waren die Bremer Stadtmusikanten“, erinnert er sich. Beide stehen sie gern auf der Bühne. „Ich lerne allerdings nicht gern Texte auswendig und improvisiere, das kommt nicht immer gut an“, sagt er, mittlerweile Erster Vorsitzende des Vereins., schmunzelnd.

Und auch wenn es für manchen klingt wie ein extremer Gegensatz zur Metalmusik, so sei es eben die Bühne und die Unterhaltung der Menschen, die beides verbinde. „Ob Musik, Bühne oder Edeka-Markt, für mich ist alles ein Hobby“, sagt er. 14 Personen gehören zum aktiven Ensemble des Theaters. Coronabedingt muss auch dieses Team aber gerade pausieren. Nicht einmal das beliebte Weihnachtsmärchen wird es geben.

Sein Verantwortungsgefühl gilt auch anderen – kulturell und sozial

Snijders engagiert sich jedoch auch anderweitig in der Region. Er ist Vorstandsmitglied in der Wirtschaftsinitiative Wentorf. „Für mich ist es wichtig, das Interesse der Gemeinde an der Wirtschaft zu stärken“, erläutert der Geschäftsmann. Körperlich powert sich Wolfgang Snijders inzwischen schon gern mal aus. Regelmäßig stemmt er Gewichte im Fitnessstudio. Sein Job sei mehr als „nine to five“ am Schreibtisch, daher brauche er die physische Herausforderung.

Doch Entspannen kann Wolfgang Snijders ebenso. Gern taucht er in die Geschichte ein und liest schon einmal mehrere Bücher parallel. Aktuell ist es das Buch „E-Gitarren“, das von der technischen Entwicklung dieses Instruments handelt.

Edeka-Markt war in Corona-Zeiten stark gefordert

Im Grunde seines Herzens sei er jedoch Niederländer. Dort liegen die Wurzeln seines Vaters, seine Mutter ist Russin. „Wie er liebe ich das Meer. Mein Vater war Kapitän und ich durfte ihn schon als Kind ab und an begleiten“, erinnert er sich. Wie gut, dass seine Frau Daniela von der Insel Rügen kommt. Die Liebe zum Wasser verbindet die beiden und so geht es für einen Kurzurlaub gern mal an die See.

In Corona-Zeiten war der Edeka-Markt, den er mit seine Frau führt, stark gefordert. „Nicht nur die Warenbeschaffung, sondern auch der Schutz unserer Mitarbeiter war für uns von besonderer Bedeutung“, sagt er. Doch ihr Verantwortungsgefühl gilt nicht allein ihrem Team: Mit dem Markt unterstützten die beiden immer wieder Bedürftige, ob Tierheime, die Organisation „Zwischenstopp Straße“, die sich um Obdachlose kümmert, oder die Bergedorfer Tafel.

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Ganz aktuell hat Wolfgang Snijders mit dem Inhaber der Bergedorfer Klangbar, Heiko Papke, den Verein Sounds e.V. gegründet. Die Klangbar hatten die Snijders während der Pandemie bereits mit kleineren Projekten unterstützt. Im Mai planen sie ein Open-Air-Konzert vor dem CCB, bei dem neben seiner eigenen Band fünf weitere Bands spielen sollen. Sämtliche Einnahmen sollen an die Bergedorfer Kulturszene gehen. Denn Snijders scheut keine Verantwortung – weder kulturell und sozial.

  • Wolfgang Snijders’ Lieblingsorte:

Die Dahlbekschlucht: „Das Naturschutzgebiet liegt zwischen Escheburg und Börnsen und wird durch den Bachlauf der Dahlbek gebildet. Die Dahlbekschlucht ist ein bewaldetes, tief in die Steilhänge eingeschnittenes Bachschluchtensystem mit einer Größe von rund 66 Hektar. Hier gehe ich gern spazieren, oft allein. Einige Titel unserer Band sind hier entstanden.“

Der Tierpark Krützen: „Gerade erst waren meine Frau Daniela und ich wieder dort. 1992 hat das Ehepaar Drewke den Tierpark gegründet. Sie halten die Tiere artgerecht. Ich mag die Natürlichkeit dieser Anlage. Mehr als 600 Tiere können Besucher erleben. Für uns ist ein Rundgang eine wunderbare, kleine Erholung.“

Norderney: „Die ostfriesische Insel in der Nordsee. Norderney liegt im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und ist für mich immer wieder ein Ort, an dem ich gern bin. Schon auf der Fähre empfinde ich das Glücksgefühl aus Kindertagen. Meine Frau Daniela und ich sitzen dann gern am Strand oder machen einen Bummel durch das kleine Zentrum.“