Abgespecktes Angebot

Wentorf macht das Beste aus dem verkaufsoffenen Sonntag

Der Besucherandrang beim Herbstfest bei Möbel Schulenburg ist kaum vergleichbar mit dem der vorigen Jahre. Das Möbelhaus musste sein Fest abspecken und coronakonform gestalten. Doch Zuckerwatte und Karussell ließen zumindest die Kinderherzen höher schlagen.

Der Besucherandrang beim Herbstfest bei Möbel Schulenburg ist kaum vergleichbar mit dem der vorigen Jahre. Das Möbelhaus musste sein Fest abspecken und coronakonform gestalten. Doch Zuckerwatte und Karussell ließen zumindest die Kinderherzen höher schlagen.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Verkaufsoffener Sonntag in Wentorf fand in abgespeckter Form statt. Einzelhändler sind zufrieden, Besucher wünschen sich mehr Angebot.

Wentorf. Gegen etwas mehr Halligalli zum ersten verkaufsoffenen Sonntag in diesem Jahr hätten die Wentorfer nichts gehabt. Doch die Auflagen erschwerten es Einzelhändlern, ein buntes Programm auf die Beine zu stellen. Für einige lohnt es sich gar überhaupt nicht, am Sonntag zu öffnen. Holger Bartsch, der einen Lagrein bei Gregor Zahnows Weinhandel verköstigt, kann das verstehen. Dennoch: „Von der Verbraucherseite aus gesehen wäre es praktisch, wenn alle kleinen Läden an der Hauptstraße geöffnet hätten.“ Den Kauf der Sonnenbrille beim Optiker Martin Busch muss er nun vertagen, die Türen an der Hauptstraße blieben am Sonntag verschlossen.

Etwas mehr Publikum als an der Hauptstraße versammelte sich bei Möbel Schulenburg. Doch war der Besucherauflauf kaum ein Vergleich zu den vergangenen Jahren. Gerade das Oktoberfest vor dem Möbelhaus hatte viele Besucher angezogen. Geschäftsführer Joachim Marcks weiß, dass ein Festzelt – mit 500 Menschen auf engem Raum, feuchtfröhlich und mit stehender Luft – gerade nicht drin ist. „Wir mussten ein bisschen umstricken“, sagt Marcks. Am Sonntag bot Schulenburg drei Jahrmarktbuden mit Naschereien und Kaffee sowie ein Kinderkarussell im Außenbereich.

Möbelbranche Gewinner in der Krise

Trotz aller Widrigkeiten sieht der Unternehmer seine Branche als Gewinner der Krise. Marcks sowie sein Nachbar bei Möbel Roller erkennen den Trend, sich in Corona-Zeiten die eigenen vier Wände gemütlicher herrichten zu wollen. Turgay Agirsaygin, der stellvertretende Marktleiter bei Roller, erklärt: „Bis einschließlich August lief es nach dem Lockdown besser als erwartet. Viele fliegen nicht in den Urlaub, stecken das Geld in den Garten und ins Haus oder in die Wohnung.“ Der Schuhkauf bei Bode läuft seit Beginn der Pandemie verhalten. „Es ist auch anstrengend, mit Maske Schuhe anzuprobieren“, weiß Filialleiterin Stephanie Gustmann. Dennoch zieht sie für den verkaufsoffenen Sonntag eine positive Bilanz.

Mit bunten Ballons vor dem Laden lockte sie auch Familie Wehncke aus Bergedorf, die zufällig von dem Sonntagsverkauf mitbekommen hatte. „Wir waren nebenan unser Auto waschen, dann haben wir die Luftballons vor Schuh Bode gesehen. Und unser Sohn braucht ohnehin neue Schuhe fürs Kinderturnen“, erklärt Bianca Wehncke. Gemeinsam mit ihrem Mann Tobias und dem kleinen Lian (4) ging es danach noch weiter zu Schulenburg, Karussell fahren.

„Man darf diesen nicht mit vorigen verkaufsoffenen Sonntagen vergleichen“

Gregor Zahnow vom Weinhandel Oxhoft freut sich, Gelegenheit gehabt zu haben, seinen Kunden Neuentdeckungen von einem Weingut in Südtirol präsentieren zu können. In der Funktion des Vorsitzenden der Wirtschaftsinitiative erklärt er: „Wenn man an ein Gewinnplus denkt, ergibt es für einige keinen Sinn, sich am verkaufsoffenen Sonntag zu beteiligen. Aber es geht auch darum, den Menschen zu zeigen, dass der stationäre Einzelhandel auch noch da ist.“

Ähnlich sieht es die Inhaberin der Buchhandlung Bücherwurm, Maike Knoff: „Man darf diesen nicht mit den vorigen verkaufsoffenen Sonntagen vergleichen. Es ist eben eine besondere Zeit.“

Große Unsicherheit bei den Einzelhändlern

Generell legte der Aktionstag in Wentorf einen holprigen Start hin. Lange Zeit war gar nicht klar, wie und ob er angeboten werden kann. Einzelhändler mussten sich genau überlegen, wie sie geplante Aktionen umsetzen können. „Es herrschte eine große Unsicherheit“, sagt Zahnow. Schließlich hätte sich gut ein Dutzend entschieden, mitzumachen, sechs Einzelhändler, die 2019 dabei gewesen waren, sagten ab. Und obwohl einige Besucher sich mehr erwartet hatten, überwiegt die Freude, wieder etwas Normalität in den Alltag einkehren lassen zu können. „Momentan bleibt so viel auf der Strecke. Aber ich habe auch Verständnis dafür“, sagt Tina Celik (40). Die Schwarzenbekerin und ihre Tochter Nisa (8) genossen den Mutter-Kind-Tag beim gemeinsamen Basteln bei Schulenburg. Entstanden ist ein bunter Pappdrache, der die Haustür von Familie Celik schmücken wird.

Der nächste verkaufsoffene Sonntag ist am 8. November.