Sandweg

Wentorf: Ärger um Bauvorhaben auf der ehemaligen Mülldeponie

Heute kaum zu glauben, doch in den 1950ern und 1960ern diente dieses grüne Idyll als Mülldeponie. Heute wird diskutiert, hier zwei Gebäude für Geflüchtete und auf lange Sicht für sozial Schwächere zu bauen.

Heute kaum zu glauben, doch in den 1950ern und 1960ern diente dieses grüne Idyll als Mülldeponie. Heute wird diskutiert, hier zwei Gebäude für Geflüchtete und auf lange Sicht für sozial Schwächere zu bauen.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Am Sandweg soll eine Asylbewerberunterkunft entstehen. Doch wie giftig ist der Boden? Die Anwohner sorgen sich um ihre Gesundheit.

Wentorf.  Es war im Jahr 2004, als ein Spielplatz am Eulenkamp verschwand, um das Grundstück für Wohnbebauung zu verkaufen. Anwohner Derek Benke bedauerte das, schließlich hätten die Nachbarskinder dort so gerne gespielt. Er hatte damals im Rathaus angefragt, ob nicht das ungenutzte, gemeindeeigene Areal am Sandweg bebaut werden könne. „Mir wurde gesagt, das würde nicht gehen, der Grund wäre verseucht. Nun wundert mich, dass das damals verseuchte Land heute bebaubar ist“, sagt Benke.

Auf Wunsch der Politik hatte die Gemeinde Möglichkeiten zum Bau einer Asylbewerberunterkunft südlich der Hausnummern 23 a-c vorgestellt – in einem reinen Wohngebiet. Der Standort soll als Alternative zur Erweiterung des Containerbaus an der Schanze dienen und
in zwei Wohnhäusern 40 Menschen unterbringen. Die Wohnungen sollten auf lange Sicht in Sozialwohnungen umgewandelt werden.

Ausdünstungen von Kohlendioxid- und Methangas

Das Areal hatte von den 1950er-Jahren an für etliche Jahre als Mülldeponie gedient. Wie es aus der Verwaltung heißt, befinden sich dort Altmüllablagerungen aus Haus- und Sperrmüll. Bei einem Baugrundgutachten im Jahr 2016 waren Ausdünstungen von Kohlendioxid- und Methangas festgestellt worden.

Demnach darf auf dem Areal nur unter bestimmten Voraussetzungen gebaut werden. Die Gebäude dürfen beispielsweise nicht unterkellert werden und es muss eine gasdichte Sohlplatte aus Stahlbeton ausgeführt werden. Für die Bebauung liegt vom Kreis ein positiver Bauvorbescheid vor. Die Kosten würden bei gut 1,3 Millionen Euro liegen.

Alte Lastwagen und „toxischer Müll“ unter der Erde am Sandweg

Annegret Borchers ist Ur-Wentorferin und lebt am Sandweg. Sie weiß: Dort wurde damals nicht nur Haus- und Sperrmüll abgeladen, wie im Gutachten von 2016 beschrieben. In stundenlanger Arbeit befragte sie Zeitzeugen, sammelte Fotos und Unterlagen. Früher habe das Lazarett ebenfalls Abfälle jeglicher Art dort entsorgt, alte Lastwagen würden unter der Erde verkommen, Fässer und toxischer Müll wären in der ehemaligen Kiesgrube abgeladen worden. Bis letztlich die Mülldeponien am Sandweg in den 1970er-Jahren mit Bauschutt vom Neubau der Realschule aufgeschüttet wurden, wie ein Anwohner berichtet.

Deshalb fordert die Nachbarschaft, von einer Bebauung „ohne detaillierter Analyse des tatsächlichen Inhalts der Deponie“ abzusehen. „Wir fürchten um unsere Gesundheit“, sagt Borchers. Bürgermeister Dirk Petersen erklärt auf Anfrage: „Die Befürchtungen der Anwohner sind nicht unerheblich.“ Deshalb geht er von einem „Sinneswandel“ in der Politik aus.

FDP fordert Gutachten, um gesundheitliche Gefahren auszuschließen

In einem Antrag der FDP für den Hauptausschuss am kommenden Montag heißt es: „Die FDP fordert bis zu einer endgültigen Klärung der Umweltverträglichkeit ein Moratorium für die Bebauungsplanung.“ Ohne ein weiteres Gutachten, das gesundheitliche Einschränkungen für Anwohner ausschließt, soll nicht gebaut werden dürfen.

Um dennoch zeitnah Plätze für die Unterbringung von Geflüchteten zu schaffen, schlägt die Fraktion den Ankauf einer Containeranlage an der Schanze vor. Das ist auch
der Wunsch der Verwaltung. 600.000 Euro stehen im Haushalt bereit, der Containeranbau wäre schnell zu realisieren, so Petersen. „Wir stehen unter enormem Druck, uns fehlt eine Vielzahl an Plätzen“, sagt der Bürgermeister.

Hitzige Debatten drohen im Hauptausschuss

Unter den Fraktionen droht jedenfalls eine hitzige Debatte. Die CDU will an der jetzigen Planung für den Sandweg festhalten. „Wir haben von vorneherein gesagt, dass die 40 Plätze an der Schanze nur eine Übergangslösung sind“, erklärt die Fraktionsvorsitzende Kristin Thode. Die Grünen wollen weder, dass Menschen auf einer „Müllkippe“, noch in Containern leben, so Fraktionschef Torsten Dreyer. Die SPD war gestern bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.