Buchprojekt

An ihrem Krimi darf jeder mitschreiben

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Susanne Tamm

Foto: Susanne Tamm

Wentorf. Zwei Leichen gibt es bereits ... Ob es bis zum Schlusskapitel von „Verstrickung – Marlowes erster Fall" noch mehr werden, entscheiden Indira Wirths-Kosub und Ute Smola nicht allein. Denn an ihrem Kriminalroman darf jeder mitschreiben. Die Geschichte entsteht derzeit als Blog im Internet.

Das wäre es doch – einmal selbst einen Krimi schreiben! Davon träumen nicht nur enttäuschte Tatort-Zuschauer, die am liebsten einfach das Drehbuchende umschreiben würden. Der Blog www.die-kriminalisten.de macht es jetzt möglich: Jeder kann Krimi-Autor werden und mitbestimmen. Die Wentorfer Autorin Indira Wirths-Kosub hat sich das interaktive Schreibprojekt gemeinsam mit ihrer Frankfurter Kollegin Ute Smola ausgedacht. Am 3. März soll der fertige Krimi als gedrucktes Buch erscheinen.

„Das ist nicht nur für unsere Co-Autoren, sondern auch für uns sehr spannend“, sagt Wirths-Kosub. „Denn auch wir wissen nicht, wohin die Reise geht.“ Noch ist alles offen, auch wenn es bereits zwei Tote gegeben hat, wie unter dem Register „Was bisher geschah“ zu lesen ist: Es geht um einen Rosenkrieg. Das gelangweilte, wohlhabende Hamburger Ehepaar Franziska und Jan-Phillipp von Hohenlof hält es kaum noch miteinander aus. Stünde da nicht diese Passage im Ehevertrag, dass bei einem Seitensprung der Betrüger alles an den Ehepartner verlieren würde, wäre ihre Beziehung wohl längst Geschichte. Doch dann begegnet Franziska bei einem Feng-Shui-Seminar Steven – und zu allem Überfluss schaltet ihr Gatte auch noch einen Detektiv ein. Jetzt heckt jeder der beiden Ehepartner einen teuflischen Plan aus. Aufklären sollen den Fall die beiden Kommissare Kattlowitz und Sauer aus Frankfurt und Hamburg. „Sie sorgen für das nötige Lokalkolorit“, erklärt Indira Wirths-Kosub.

Wie „Verstrickung – Marlowes erster Fall“ ausgeht, daran schreiben bisher 15 Co-Autoren mit. Auch der Titel ist ein Ergebnis demokratischer Mitbestimmung: Die Mitschreiber haben 20 Vorschläge gemailt, aus denen Wirths-Kosub und Smola sechs auswählten. Die Ideengeber stimmten schließlich ab und entschieden sich für die „Verstrickung“.

Weitere Mitstreiter sind noch willkommen: Sie brauchen nicht mehr als einen Internetzugang und Lust zum Fabulieren, um sich anzumelden. „Es gibt so viele Menschen, die gern lesen und auch schreiben, sich aber mit ihren Texten nicht an die Öffentlichkeit trauen“, weiß Wirths-Kosub. Der Blog sei ideal, um sich auszuprobieren: Die Co-Autoren können Ideen liefern oder ganze Kapitel schreiben. Smolka und Wirths-Kosub halten den roten Faden zusammen und glätten den Text, damit er wie aus einem Guss wirkt. Einmal wollte ein Co-Autor aus dem Krimi einen Vampirroman machen. Das aber ging dem Herausgeber-Duo doch zu weit. „Das passte nicht in die Struktur. Der rote Faden muss bleiben, auch wenn er etwas dicker ist als in üblichen Romanen“, hält die Wentorferin fest.

„Wir sitzen jeden Tag etwa drei Stunden an unserem Blog“, erzählt Wirths-Kosub. „Wir müssen natürlich sicher sein, dass die Texte gewaltfrei sind, keine Beleidigungen oder Ähnliches enthalten. Dann geben wir die Texte frei.“ Über eine Drop-Box, ein Online-Ordner, auf den beide zugreifen können, schicken sie sich die verschiedenen Versionen hin und her. „Wir ergänzen uns gut: Ich schreibe viel, habe das Konzept erarbeitet und mache die Öffentlichkeitsarbeit. Ute Smola übernimmt die technischen Dinge und pflegt unseren Facebook-Auftritt.“ Jeden Sonntagabend skypen sie, ansonsten schicken sie sich jeden Tag E-Mails. Jeden Montag erscheint ein neues Kapitel.

„Für den Schluss haben wir auch schon eine Idee unserer Mitschreiber bekommen“, erzählt Wirths-Kosub. Welche, verrät sie noch nicht. „Aber wir kommen langsam auf die Zielgerade.“ Bis März sollen 44 Kapitel fertig sein und in einem etwa 200 Seiten starken Taschenbuch sowie als E-Book erscheinen. Das Urheberrecht bleibt bei ihnen.

„Es war noch nie so einfach, an einem Krimi mitzuschreiben“, stellt Indira Wirths-Kosub fest und hofft auf viele weitere Co-Autoren.

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