Bildung

Schüler im Kampf mit dem System

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Julia Heinze und Katinka Czepoks*

Wentorf. "Warum gibt es bloß diese Profiloberstufe?" Dieser Stoßseufzer ist nicht nur am Gymnasium Wentorf zu hören, sondern in ganz Schleswig-Holstein. Denn das alte Kurssystem wurde für ein neues System abgeschafft - jetzt kämpfen die Schüler mit der Profiloberstufe. Bis vor kurzem wussten nicht einmal alle Lehrer, was es damit auf sich hat. Doch allmählich löst sich das Rätsel.

Im Gegensatz zum alten Kurssystem bleibt jetzt der Klassenverband erhalten. Früher wurde in Kursen - häufig mit einer sehr geringen Schülerzahl - unterrichtet. In der neu reformierten Oberstufe wählen die Schüler statt der Kurse nur noch komplette Fächergruppen mit einem bestimmten Schwerpunkt: entweder das gesellschaftswissenschaftliche, das sprachliche, das naturwissenschaftliche, das ästhetische oder das sportliche Profil. Allerdings kann eine Schule nicht alle anbieten.

In jedem Profil gibt es vier Hauptfächer, bestehend aus drei Kernfächern und einem Profilfach, die jeweils drei- oder vierstündig unterrichtet werden und in denen zwei Klausuren pro Halbjahr geschrieben werden. Sie werden nicht nach den Interessen der Schüler festgelegt, sondern schon vorher von der Schule beschlossen. Dazu kommen weitere elf oder zwölf Fächer mit zwei Stunden Unterricht in der Woche, in denen jeweils eine Klausur pro Halbjahr geschrieben wird und auf freiwilliger Basis noch Sporttheorie. So kommen einige Schüler auf 17 verschiedene Fächer mit einem entsprechend vollen Stundenplan.

Auch die übrigen Wahlmöglichkeiten sind nun stark eingeschränkt. Man kann sich in Wentorf beispielsweise nur noch zwischen Musik und Kunst, Religion und Philosophie entscheiden.

Denn die Profile unterscheiden sich auch durch das restliche Fachangebot. So kann man beispielsweise als Schüler im naturwissenschaftlichen Profil nur eine Fremdsprache zu Englisch hinzu belegen und hat Informatik, wohingegen Schüler im sprachlichen Profil zwei Fremdsprachen zusätzlich zu Englisch haben, aber auf Informatik verzichten müssen.

Da die Fächer für die verschiedenen Profile schon vorab festgelegt sind, müssen sich die Schüler oft von ihren individuellen Interessen verabschieden. Deshalb fordern die meisten betroffenen Schüler, dass die Profiloberstufe wieder abgeschafft wird.

Jan Andersen, Oberstufenleiter des Gymnasiums, klärt über die Motive zur Einführung der Profiloberstufe auf: "Das neue System ist zur Vermittlung eines breiteren Allgemeinwissens der Schüler gedacht. Die Universitäten sagten häufig, dass die Schüler nicht nur einseitiges Wissen vorzeigen sollten." Profil ergänzende Fächer sollten den übergreifenden Unterricht erleichtern.

*Die Autorinnen sind für zwei Wochen Praktikantinnen der Redaktion

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