Polizei Ratzeburg

Viele erstaunte Gesichter bei der Wohnmobil-Wiegeaktion

| Lesedauer: 3 Minuten
André Herbst
Mit Zuladung ist das zulässige Gesamtgewicht vieler Wohnmobile schnell überschritten. Da muss sich manch einer entscheiden, ob er nun lieber seine Frau oder das Fahrrad mit an Bord nehmen will.

Mit Zuladung ist das zulässige Gesamtgewicht vieler Wohnmobile schnell überschritten. Da muss sich manch einer entscheiden, ob er nun lieber seine Frau oder das Fahrrad mit an Bord nehmen will.

Foto: Dirk Schulz

72 Fahrzeug-Besitzer nutzten die Wiegeaktion der Polizei Ratzeburg für ihre Camper. Die Ergebnisse überraschten die meisten.

Elmenhorst.  Selbst aus Schwerin und Hamburg machten sich Camper-Besitzer auf den Weg, um ein Angebot der Polizei in Elmenhorst zu nutzen. Das Autobahn- und Bezirksrevier Ratzeburg hatte Sonnabend eingeladen, Wohnmobile und Wohnwagengespanne wiegen zu lassen. 72 Besitzer nutzten die Chance. Viele waren überrascht. Schon ohne Urlaubsgepäck erreichten oder übertrafen Fahrzeuge das zulässige Maximalgewicht, mit geringer Beladung überschritten manche die im Kfz-Brief eingetragenen Werte klar.

Wiegeaktion hilft, das erlaubte Gewicht zu bemessen

Wer mit voll beladenem und deutlich übergewichtigem Camper in den Urlaub startet, riskiert nicht nur ein Bußgeld. Die Unfallgefahr steigt. Bei Kontrollen werden immer wieder Fahrzeuge und Wohnwagen aus dem Verkehr gezogen, die deutlich über den zulässigen Werten liegen.

Dieses Wochenende musste nach dem Wiegemarathon niemand das Portemonnaie zücken. Die eingesetzten zwölf Polizeibeamten berieten manch verblüfften Fahrer und statteten ihn oder sie mit einem Protokoll aus. Die Idee: Wer selbst keine Lösung für eine bessere Beladung findet, kann sich mit diesem an Hersteller oder Verkäufer wenden, um dort um Hilfe nachzusuchen.

Mit Protokoll zum Händler oder Hersteller

Udo Pape, Chef des Autobahn- und Bezirksreviers Ratzeburg, kennt das Problem. Der Blick in den Fahrzeugbrief gibt nicht die Realität wieder. „Dort wird das Leergewicht der Standardausstattung für das Fahrzeug genannt, ohne Wohnmobilausstattung, ohne Herd, ohne Standheizung und ohne Wassertank“, erläutert der Erste Polizeihauptkommissar.

Auch Zusatzbatterien für den Wohnmobilbetrieb oder eine Klimaanlage treiben das Gewicht in die Höhe – und senken häufig zugleich den Spielraum für die Zuladung. Das gilt auch für die Fahrzeugausstattung selbst. Ein größerer Dieselmotor, vielleicht noch gepaart mit Automatik und Vierradantrieb, bringen reichlich zusätzliches Gewicht auf die Achsen.

Technik und Ausstattung treiben Gewicht in ungeahnte Höhen

„Wir hatten in Kontrollen schon alte Wohnmobile, die nur mit Fahrer und Beifahrer die erlaubten 3,5 Tonnen erreicht haben“, so Pape. Viele Fahrzeuge könnten zwar auch für ein höheres zulässiges Gesamtgewicht ausgelegt und zugelassen werden. Eine denkbare Lösung ist dies allerdings nur für Fahrer mit einem älteren Pkw-Führerschein, der das Führen von Lkw bis 7,5 Tonnen erlaubt. Oder Besitzer eines Pkw-Führerscheins (B) erwerben kostenträchtig einen Führerschein C1.

Manche Hersteller liefern gut ausgestattete Wohnmobile aus, die bis zur 3,5-Tonnen-Grenze nur noch eine Zuladung von 150 Kilogramm bieten. Das Mitnehmen von Fahrrädern auf einem Heckträger oder gar E-Bikes verbietet sich dann von selbst, ebenso eine Fahrt mit der Familie.

3,5-Tonnen-Grenze bereitet Probleme

Besser achten Fahrer und Beifahrer darauf, dass sie selbst kein Übergewicht haben. „Wir geben Wohnmobilbesitzern schon mal den Tipp, sie sollten ihren 100-Liter-Wassertank besser nur zum Teil füllen“. so Pape. Für Wüstendurchquerungen seien die meisten Camper ja auch gar nicht ausgestattet.

Im Extremfall bleibt manchen Besitzern nur noch die Wahl zwischen Partner/in, Urlaubsbegleitung oder Fahrrad. Wer nicht sicher ist, ob er mit dem Wohnmobil klarkommt, dem empfiehlt Udo Pape eine ausgedehnte Probefahrt und im Zweifelsfall einen Abstecher zum Autobahn- und Bezirksrevier Ratzeburg. Wer sich vorher telefonisch anmeldet, hat die Chance, seinen Camper auf die Waage zu stellen.

( he )