Stadtentwicklungskonzept

Frische Ideen für die Innenstadt von Schwarzenbek gesucht

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Marcus Jürgensen
Olaf Dreyer, Rathaus Schwarzenbek, Bürgermeister Norbert Lütjens, Oliver Bormann (Yellow Z) und Jessica Spittler (v.l.) schauen sich auf einem Plan die künftigen Entwicklungsschwerpunkte der Stadt an.

Olaf Dreyer, Rathaus Schwarzenbek, Bürgermeister Norbert Lütjens, Oliver Bormann (Yellow Z) und Jessica Spittler (v.l.) schauen sich auf einem Plan die künftigen Entwicklungsschwerpunkte der Stadt an.

Foto: Marcus Jürgensen

Bis Sommer 2023 wollen Politik und Verwaltung ein Konzept für die Entwicklung der Europastadt erarbeiten. Wo die Schwerpunkte liegen.

Schwarzenbek.  Beim ersten Rundgang gingen die Meinungen auseinander: Während die meisten Teilnehmer aus der Europastadt auf die Kugellampen auf dem Ritter-Wulf-Platz gut verzichten können, attestierten die Mitarbeiter des Berliner Stadtentwicklungsbüros Yellow Z den markanten Leuchtkörpern einen Retro-Charme. Die Vielfalt der Meinungen sei kein Problem, erläutert Bürgermeister Norbert Lütjens das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK): „Es geht darum, die besten Ideen zu finden und die besten Entscheidungen zu treffen.“

Stadtentwicklungskonzept ist Grundlage für künftige Entwicklung

„Das Stadtentwicklungskonzept ist ein Kompass für die Stadtentwicklung der nächsten 15 Jahre und darüber hinaus. Es geht um eine Weichenstellung“, erläutert Oliver Bormann, Mitinhaber von Yellow Z, das mit Büros in Berlin und Basel vertreten ist. Dabei gelte es die globalen Megatrends im Hinterkopf zu behalten, wie etwa Wohnen und Arbeiten, Verkehr und Konsum künftig aussehen werden. „Das wird immer wieder abgeglichen mit der Situation vor Ort“, erläutert Bormann.

Etwa 80.000 Euro kostet die Dienstleistung des Stadtentwicklungsbüros, die zum großen Teil aus Fördermitteln bestritten wird. Die Stadt trage lediglich die Druckkosten und stelle den einen oder anderen Beamer, so Lütjens. Yellow Z wurde 2002 aus den Beratungsfirmen büro Z in Zürich und prozess yellow in Berlin gegründet, hat Stadtentwicklungskonzepte unter anderem für Iserlohn, Regensburg, Nürnberg und zuletzt Bergedorf erstellt.

Jetzt ist die Meinung der Bürger gefragt

Nach drei Begehungen und Besprechungsrunden mit Politikern, Verwaltungsmitarbeitern sowie Vertretern der Wirtschaft ist am Freitag, 9. Dezember, die Meinung der Bürger gefragt: Um 18 Uhr beginnt im Forum des Gymnasiums ein Workshop, bei dem die Ideen der Schwarzenbeker gesammelt werden.

Mitarbeiter von Yellow Z und des Beratungsunternehmens PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH sowie Jessica Spittler und Olaf Dreyer, die im Schwarzenbeker Rathaus das Projekt betreuen, freuen sich auf viele Besucher. Nachfragen beantworten Dreyer und Spittler unter 0 41 51/881 165 und -173.

Innenstadt, alte Realschule und Bahnhof stehen im Fokus

Beim Integrierten Stadtentwicklungskonzept geht es um die Innenstadtentwicklung. Neben einer neuen Nutzung für die alte Realschule als Dienstleistungszentrum steht die künftige Gestaltung der Lauenburger und Berliner Straße unter anderem mit dem ehemaligen Postgebäude im Fokus. Hinzu kommen der Ritter-Wulf-Platz mit seinen Kugelleuchten ebenso wie der Stadtpark. Bormann: „Was für eine kuriose Idee, eine Autobrücke über einen Park zu bauen. Aber darunter findet ein Musikfestival statt und das ist einzigartig.“ Bei seiner Anreise hat der Diplom-Ingenieur einen weiteren Ort entdeckt, der ins Konzept gehört: den Schwarzenbeker Bahnhof.

Beispiel aus Sierre: Wohnkomplex mitten in der Innenstadt

Ein weiteres Beispiel hat Lütjens von seinem Besuch im schweizerischen Sierre mitgebracht: Dort wurde mitten im Stadtzentrum ein riesiger Wohnkomplex gebaut. „Architektonisch ansprechend, aber riesig“, betont Lütjens. Die Bewohner und ihre Kaufkraft sorgen jedoch dafür, dass sich im Stadtzentrum Geschäfte halten und sich sogar neue ansiedeln können. „Ich weiß nicht, ob so etwas in Schwarzenbek funktionieren würde, neue Parkflächen für die Innenstadt sind aber auch keine Lösung“ so der Verwaltungschef.

Klar ist auch: Nur mit einem ISEK können Fördermittel für die darin aufgeführten Projektfelder generiert werden. Im Idealfall, so Bormann, sollen im Rahmen des Stadtentwicklungskonzeptes Menschen zueinander finden, die dann ihre Ideen privatwirtschaftlich umzusetzen. Bormann und Lütjens warnen jedoch: Das Konzept sei kein Wunschkonzert. „Es wird gute Ideen geben, die dennoch nicht umgesetzt werden können“, beugt der Verwaltungschef möglichen Enttäuschungen vor.

Stadt braucht Fördermittel für Umbau der Realschule

Für die ehemalige Realschule, die mit Dienstleistungszentrum des Rathauses, Stadtbücherei und Volkshochschule geplant wird, ist diese Förderung jedoch notwendig. Mehr als zehn Millionen Euro würde die Neugestaltung kosten – zu viel für den städtischen Haushalt. „Ohne eine hohe öffentliche Förderung bekommen wir das nicht hin. Aber die Wiederbelebung der Realschule spielt eine zentrale Rolle für eine Attraktivitätssteigerung der Innenstadt“, sagt Lütjens.

Bei dem Projekt helfen sollen die Experten von der Gesellschaft PD (Partnerschaft für Deutschland). Die „PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH“ ist ein Beratungsunternehmen für Bund, Länder, Kommunen sowie andere öffentliche Körperschaften und Einrichtungen und ist zu 100 Prozent in öffentlicher Hand.

Mit Hilfe der PD soll die alte Realschule ein Pilotprojekt werden. Deshalb ist auch der Zeitrahmen sehr ehrgeizig: Normalerweise dauert die Erstellung eines integrierten Stadtentwicklungskonzeptes mindestens ein Jahr. Das Schwarzenbeker ISEK soll bereits im kommenden Sommer vorliegen. Obwohl bei der Kommunalwahl am 8. Mai 2023 die Stadtverordnetenversammlung neu gewählt wird, geht der Bürgermeister von einer breiten Zustimmung zum Stadtentwicklungskonzept aus: „Es wird sicherlich Themen geben, die im Wahlkampf kontrovers diskutiert werden. Konsens ist jedoch, dass wir das ISEK brauchen.“