Schwarzenbek

Wo Mütter und Kinder in Not Geborgenheit finden

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Stefan Huhndorf
Das Mutter Kind Haus Schwarzenbek startet nach dem Ende der Corona-Beschränkungen wieder durch: Leiterin Britta Manzke (r.) mit ihrer Stellvertreterin und Nachfolgerin Theresa Nowak.

Das Mutter Kind Haus Schwarzenbek startet nach dem Ende der Corona-Beschränkungen wieder durch: Leiterin Britta Manzke (r.) mit ihrer Stellvertreterin und Nachfolgerin Theresa Nowak.

Foto: Stefan Huhndorf

Das Mutter-Kind-Haus der Freien Evangelischen Gemeinde bereitet einen Tag der offenen Tür vor. Derteit leben zwölf Frauen dort.

Schwarzenbek. Es gibt sie in den Geschmacksrichtungen „Cola-Kirsche“, „Erdbeere-weiße-Schokolade“, „Pfirsichlikör“ und in vielen anderen Variationen. Seit vielen Tagen sind zwölf Mütter und 18 Kinder in der Küche des Schwarzenbeker Mutter-Kind-Hauses am Werk, um ausgefallene Marmeladen-Kompositionen herzustellen. „Es tut uns allen gut, dass die Corona-Beschränkungen zurückgefahren wurden und wieder Normalität einkehrt. Wir haben die Pandemie gut überstanden, wollen jetzt aber zeigen, dass wir noch da sind“, sagt Britta Manzke, Leiterin des Mutter-Kind-Hauses.

Seit 2012 besteht die Einrichtung im Gebäude der Freien Evangelischen Gemeinde an der Hamburger Straße 9. Es ist bislang die einzige Anlaufstelle dieser Art, in der Mütter mit wie auch immer gearteten Problemen Schutz und Hilfe finden.

Bewohnerinnen sind zwischen 18 und über 40 Jahre alt

„Das Spektrum ist weit gefächert, wie das Leben. Unsere jüngste Bewohnerin ist aktuell 18 Jahre alt, die älteste über 40. Alle gemeinsam haben sie, dass sie nicht allein ihre Kinder versorgen können und Hilfe brauchen“, sagt Britta Manzke.

Sie ist froh, dass die Corona-Einschränkungen weitgehend aufgehoben worden sind. Denn die Angst vor einem Einschleppen der Infektion habe die Arbeit im Haus massiv erschwert. „Wir haben versucht, die Panik vor einem möglichen Corona-Ausbruch nicht auf die Mütter und ihre Kinder zu übertragen“, so die gelernte Erzieherin Manzke. Das sei geglückt. Viele Aktivitäten wurden ins Freie verlagert, auch das Kochen – wichtige Punkte im gemeinschaftlichen Leben der Mütter und Kinder. Mitunter war auch ein Vater mit Kind dabei.

Freie Kirchengemeinde investierte 1,6 Millionen Euro in Erweiterung

2012 wurden die Mietwohnungen im ehemaligen Gemeindehaus der Freikirche zum Heim für Mütter in Not. „Es gibt drei Dinge, die unsere Gemeinde auszeichnen“, sagt Andreas Hartung, Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde: „Das sind Gastfreundlichkeit, ein großes Herz für sozial Schwache und viel Liebe für Kinder.“

Er war gemeinsam mit Britta Manzke der Gründungsvater des Mutter-Kind-Hauses. 2018 kam dann als Erweiterung ein Neubau auf dem rückwärtigen Grundstück hinzu, in den die Gemeinde 1,6 Millionen Euro investierte.

17 Beschäftigte kümmern sich um die Mütter und Kinder

Im Altbau leben jetzt vier Mütter mit sieben Kindern, die so weit sind, dass sie bald eigenständig in eigenen Wohnungen umziehen können. Im Neubau sind acht Mütter mit elf Kindern untergebracht, die ihre Probleme noch bewältigen und unter Aufsicht des Jugendamts zu einer Familie werden wollen.

Teilweise nutzen die Mütter die Zeit, um einen Schulabschluss nachzuholen. Viele kommen aber auch aus einem gestörten familiären Umfeld. Sie sind teilweise ohne Eltern oder mit Gewalt und Alkoholismus aufgewachsen und müssen erst einmal ein Verhältnis zu ihren Kindern aufbauen. „Die Probleme sind vielschichtig, und jeder Fall ist anders. Meist können wir helfen. Das erfordert aber viel Einfühlsamkeit“, sagt Britta Manzke. 17 Betreuer kümmern sich um die Mütter. Eine Ökotrophologin hilft ihnen dabei, eine gesunde Ernährung einzuhalten.

Tag der offenen Tür am 20. November

Seit Beginn des Mutter-Kind-Hause haben 44 Mütter mit 49 Kindern an der Hamburger Straße gelebt oder leben noch heute dort. Die Verweildauer beträgt bis zu fünf Jahren.

Am Sonnabend, 20. November, gibt es dort von 15 bis 19 Uhr einen Tag der offenen Tür mit Marmeladenmarkt und Stockbrotbacken an den Feuerkörben.