Hilfe für Start-ups

In Schwarzenbek gibt es jetzt eine „Mietfabrik“

| Lesedauer: 4 Minuten
Frauke Maaß
 Mark Stegmann Pineda und seine Frau Isabella Stegmann Pineda sind die Geschäftsführer der Firmen Cromind und Croflex in Schwarzenbek.

Mark Stegmann Pineda und seine Frau Isabella Stegmann Pineda sind die Geschäftsführer der Firmen Cromind und Croflex in Schwarzenbek.

Foto: Frauke Maaß (FMG) / BGZ

Von der Beratung über Teilebeschaffung bis zur Montage und Versand: In Schwarzenbek gibt es für Start-ups nun umfangreiche Hilfe.

Schwarzenbek. Gute Geschäftsideen haben viele. Da ist sich Isabella Stegmann Pineda sicher. Aber ein Großteil der Ideen verschwindet irgendwann im Nirwana, „weil viele die Schritte von der Idee bis zum Produkt nicht kennen und sich oftmals auch den Entwicklungsprozess mit all dem, was dazugehört, finanziell und platzmäßig nicht leisten können“, sagt die 36-Jährige.

Und da kommt „Croflex“ ins Spiel. Das junge Unternehmen von Isabella Stegmann Pineda und ihrem Mann Mark ist eine sogenannte Mietfabrik, in der nicht nur Beratung für Gründer und Unternehmen stattfindet, sondern in der auch produziert oder montiert werden kann, was Gründer und Start-ups auf den Markt bringen wollen.

Wobei – alles kann in der Halle an der Nikolaus-Kopernikus-Straße in Schwarzenbek nicht realisiert werden. „Bis auf Aufträge im elektronischen Bereich stellen wir bei uns nichts her“, unterstreicht Isabella Stegmann Pineda. Vielmehr wird aus fertig produzierten Einzelteilen, die in die Mietfabrik geliefert werden, das Produkt fertig zusammengebaut. Was am Ende dabei rauskommt, kann sehr unterschiedlich sein – vom individuell zusammengestellten Fahrrad bis hin zur Kaffeemaschine.

Am Anfang stand ein Prototyp für ein elektronisches Gerät

Geboren wurde die Idee im vergangenen Jahr – mitten in der Pandemie. Ein Jahr zuvor, 2019, hatte Mark Stegmann Pineda sich mit seinem damaligen Geschäftspartner Johann Schmidt in Schwarzenbek selbstständig gemacht und „Cromind“ gegründet, in der sie die Optimierung von Geschäftsprozessen sowie die Integration der Prozesse in die digitale Ebene anbieten. Die Mitarbeiter gehen in die Unternehmen, prüfen die Geschäftsprozesse und erarbeiten Verbesserungsvorschläge – sehr vereinfacht ausgedrückt.

Die Idee für „Croflex“, wie sich die Mietfabrik nennt, entstand im Zuge eines Auftrags für ein Chemieunternehmen. „Wir sollten ein Gerät konstruieren, also rein zeichnerisch, das aus der Ferne die Funktionsfähigkeit von Maschinen überwachen kann“, berichtet Isabella Stegmann Pineda. Als das Gerät als Zeichnung vorlag, kam die Frage, ob „Cromind“ nicht einen Prototypen bauen könnte, um die Eigenschaften zu testen. „Das haben wir gemacht und der Kunde war begeistert“, sagt die gebürtige Brasilianerin.

Kunden können je nach Bedarf verschiedene Module buchen

Mittlerweile sind es nicht mehr nur elektronische Gerätschaften, die auf Wunsch produziert werden. „Alles, was hier in der Halle montiert werden kann, übernehmen wir“, sagt sie. „Croflex“ bietet verschiedene Module an, die von den Kunden gebucht werden können.

„Wir kümmern uns zum Beispiel um Lieferanten für Bauteile, um die Montage und auch um den Versand an den Endkunden“, sagt sie. Zudem würden sie auf Wunsch die komplette Warenwirtschaft übernehmen. In finanzielle Vorleistung geht „Croflex“ nicht. „Unser Kunde übernimmt die Kosten für das komplette Produkt.“

Familienfreundliches Arbeiten gehört zur jungen Firma

Für Gründer ist das eine tolle Möglichkeit, ein eigenes Geschäft aufzubauen. „Wer hat schon gerade zu Beginn das Geld, den Platz oder das Personal, um seine Produkte zu montieren und zu versenden?“

13 Mitarbeiter kümmern sich bei „Cromind“ und „Croflex“ um die Wünsche der Kunden. In den frisch angemieteten Büroräumen im Gewerbegebiet sind jedoch nur vier zu sehen. „Wir haben jahrelang nur remote gearbeitet oder uns in Coworking Spaces getroffen“, erläutert die junge Geschäftsführerin – und haben schon vor der Pandemie komplett auf digitales Arbeiten gesetzt.

Die Büroräume seien eine Möglichkeit, um auch mal zusammenzuarbeiten. Aber das sei nicht zwingend. „Familienfreundliches Arbeiten ist uns wichtig, da gehört Homeoffice dazu“, sagt die dreifache Mutter.

Im Oktober gibt es eine Woche der offenen Tür bei „Cromind“

Jung, kreativ und engagiert – nicht nur für das eigene Unternehmen, sondern auch für die Stadt, in der sie leben. Das Ehepaar Stegmann Pineda möchte in Schwarzenbek arbeiten und sich für eine lebendige Stadt und Networking einsetzen. Dafür organisiert es vom 25. bis 29. Oktober eine sogenannte „Safari-Woche“, eine Woche voller Workshops, in der sich Unternehmen der Region präsentieren können. Unter anderem wird es in ihren Räumlichkeiten Treffen für Gründer geben und Experten stehen für Jungunternehmer für Fragen zur Verfügung. Auch zwei Kindergartengruppen werden „Cromind“ besuchen.

Einen Blick in die Produktionshalle darf ich leider nicht werfen. „Was dort gerade gebaut wird, ist noch geheim“, sagt Isabella Stegmann Pineda und lacht. Nur soviel: Ein Fahrrad ist es nicht.