Nazi-Gegner

Schefestein soll vor dem Rathaus ein Mahnmal werden

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Seit dem Jahr 2000 erinnert dieser Gedenkstein an den Sozialdemokraten Ernst Schefe.

Seit dem Jahr 2000 erinnert dieser Gedenkstein an den Sozialdemokraten Ernst Schefe.

Foto: Marcus Jürgensen

Gegen Rechtsextremismus: Stadt gedenkt von Nazis ermordeten Schwarzenbeker Sozialdemokraten Ernst Schefe im Zentrum.

Schwarzenbek.  Fast auf den Tag genau vor 77 Jahren – am 26. September 1944 – wurde der überzeugte Sozialdemokrat und Nazi-Gegner Ernst Schefe (1875-1944) im KZ Neuengamme ermordet. Angeblich starb er „beim Frühsport“, wie es nach der offiziellen Darstellung des Lager-Kommandanten heißt. Der Zimmerer, nach dem vor zwei Jahren die Kerntangente in Ernst-Schefe-Allee umbenannt wurde, war ein steter Mahner gegen den Rechtsextremismus.

Wegen seiner Haltung geriet er 1933 erstmals in das Visier der Machthaber, als er in der Gemeindevertretung gegen die Umbenennung des Jungfernstiegs in Adolf-Hitler-Allee votierte. Wegen mehrfacher Kritik an Hitler wurde er ins Gefängnis geworfen und 1944 ins KZ gebracht.

Ernst-Schefe-Mahnmal soll vor Rechtsextremen warnen

Bereits kurz nach dem Krieg wurde eine Gedenktafel für Schefe am Grab der Familie des Sozialdemokraten Heinrich Kraus auf dem alten Friedhof installiert. Seit dem Jahr 2000 gibt es einen Gedenkstein am Amtsrichterhaus in Schwarzenbek, der aus denkmalpflegerischer Sicht dort aber nicht hingehört. Die Politiker im Sozial- und Kulturausschuss befassen sich seit Längerem mit der Suche nach einem neuen Standort, um ein würdiges Mahnmal zu setzen.

Verschiedene Standorte waren im Gespräch, letztlich setzte sich die SPD in einer „Kampfabstimmung“, wie Heinz-Werner Rose (SPD) scherzte, mit knapper Ein-Stimmen-Mehrheit gegen die CDU durch und votierte für einen Standort auf dem Ritter-Wulf-Platz am Rathaus. Die Christdemokraten hatten eine Fläche an der Ecke Compestraße/Jungfernstieg favorisiert – unter anderem, weil sie zentral gelegen ist und historisch in einem Kontext um den Streit über die Umbenennung zur Adolf-Hitler-Allee steht. Bauamtsleiter Ralf Hinzmann hatte jedoch im Vorfeld Bedenken geäußert, weil dieses Fläche auch als potenzielles Bauland für innenstadtnahe Wohnungen im Gespräch ist und die Nutzung einer Teilfläche für den Gedenkstein die Planungen möglicherweise behindern könne.

Infotafel über das Wirken von Ernst Schefe

Stadtarchivar Dr. Lukas Schaefer gab hinsichtlich des Standorts am Ritter-Wulf-Platz lediglich zu bedenken, dass den Landsmannschaften der Vertriebenen dieser Platz verwehrt worden war. „Es wäre aber in jedem Fall sinnvoll, eine Informationstafel über das Wirken Ernst Schefes neben dem Mahnmal zu platzieren – unabhängig davon, für welchen Standort die Entscheidung letztlich fällt“, so der Historiker.

Jetzt haben die Politiker den Ball an die Verwaltung weitergespielt, die einen geeigneten Platz auf dem Ritter-Wulf-Platz suchen soll. Denn der angedachte Standort an der „Klagemauer“ vor der Stadtbücherei fällt aus, weil dort eine Feuertreppe gebaut werden soll.

( sh )