Wirtschaftsentwicklung

Zahlenstreit um Gewerbegebiet in Kasseburg hält an

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André Herbst
Für die einen naturferne Agrarfläche, für andere erhaltenswerte Kulturlandschaft: Südlich der A 24 entsteht vorerst kein Gewerbegebiet.

Für die einen naturferne Agrarfläche, für andere erhaltenswerte Kulturlandschaft: Südlich der A 24 entsteht vorerst kein Gewerbegebiet.

Foto: BUND / BGZ

BUND wehrt sich gegen Vorwurf der Stimmungsmache: 100 Hektar mögliche Fläche in Kasseburg stehen in Studie von 2015.

Kasseburg.  Ideen für ein großes Gewerbegebiet im Bereich Kasseburg/Kuddewörde südlich der A 24 sind bis auf Weiteres gestoppt. Die Einwohner Kasseburgs hatten sich in einem Bürgerentscheid mehrheitlich gegen die Pläne der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Herzogtum Lauenburg gestellt. Was folgte, war ein Rechtsstreit zwischen WFL und Hans-Heinrich Stamer, Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Das Verfahren endete, wie berichtet, mit einem Vergleich. Doch der Konflikt schwelt weiter.

Für die WFL war der Bürgerentscheid ein Rückschlag: Autobahnnah sind größere Areale für Gewerbeansiedlungen im Großraum Hamburg dünn gesät. Kasseburgs Bürgermeisterin hatte auf Steuereinnahmen für die 600-Selen-Gemeinde und Verbesserungen für den öffentlichen Nahverkehr gesetzt.

Die 100 Hektar stammen aus einem anderen Zusammenhang

Stamer wendet sich gegen die Behauptung, das Gericht habe die von ihm genannte Größenordnung des Plangebietes als falsch bewertet. Im Vorfeld des Bürgerentscheides in Kasseburg hatte eine erbitterte Auseinandersetzung um die tatsächliche Größenordnung getobt. Die WFL widersprach Stamer, im Dreieck von A 24 und B 404 sei kein Gewerbe-Areal von 100 Hektar in Vorbereitung. Tatsächlich gehe es um eine Größenordnung von 40 Hektar. Stamer blieb bei seiner Darstellung. Er verwies unter anderem auf Ausschuss-Beratungen des Lauenburgischen Kreistags.

Dieser Zusammenhang, so bestätigt der BUND-Mann inzwischen, sei nicht gegeben gewesen. Im Ausschuss war es um 40 Hektar gegangen. Die von ihm genannten 100 Hektar sind aber nicht aus der Luft gegriffen: In einem gemeinsamen Leitfaden vom März 2015 werde mit Blick auf Kasseburg/Kuddewörde festgestellt, dort „können abschnittsweise realisierbare Flächen von insgesamt 100 Hektar entlang der Autobahn dargestellt werden”.

BUND will weiterhin achtsam bleiben

Das Papier sei nicht nur das Ergebnis einer gemeinsamen Arbeitsgruppe der Kreise Stormarn, Segeberg, Herzogtum Lauenburg und der Hansestadt Lübeck zur Gewerbeflächenentwicklung gewesen: „Der Leitfaden vom März 2015 findet Anwendung in der WFL-Broschüre ,Informationen zu einer möglichen Gewerbeflächenentwicklung in Kasseburg’ auf Seite 18, die von der WFL zum Bürgerentscheid am 30.05.2021 herausgegeben wurde“, so der BUND Herzogtum Lauenburg in einer Presseerklärung.

Den von Gewerbegebietsbefürwortern erhobenen Vorwurf der Stimmungsmache mit falschen Zahlen weist der BUND zurück: „Die BI Kasseburg, die IG Ödendorf und eine Mehrheit der Kasseburger Bürger*innen haben im Bürgerentscheid gegen den ersten 40 Hektar-Bauabschnitt abgestimmt – andernfalls wären und würden auch zukünftig weitere Bauabschnitte vermutlich nicht mehr abwendbar sein.“ Und: Der BUND wolle die Entwicklung „weiterhin achtsam begleiten“.

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema von Redakteur André Herbst.