Herzogtum Lauenburg

Ein Rezept für Bildung und sozialen Aufstieg

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Frauke Maaß
Mittlerweile ist das junge Unternehmen College Curries das Haupteinkommen der beiden Gründer Nils Lalleike und Surya Ormeloh.  

Mittlerweile ist das junge Unternehmen College Curries das Haupteinkommen der beiden Gründer Nils Lalleike und Surya Ormeloh.  

Foto: Sylvia Fischer / BGZ

College Curries aus Gülzow vertreiben original indische Gewürzmischungen und fördern damit junge Studierende in Indien.

Gülzow. Es ist fast immer möglich, etwas mit wenigen Worten zu beschreiben oder aber ausführlich zu erzählen. Das gilt auch für das junge Unternehmen College Curries aus Gülzow. Die erste Variante lautet: Zwei Deutsche unterstützen Studierende in Indien, indem sie die original Currypulver-Rezepturen der indischen Familie in Deutschland verkaufen und einen Teil des Erlöses spenden.

Aber das würde der Geschichte der Gründer Surya Ormeloh und Nils Lalleike nicht gerecht. Denn es geht hier um viel mehr als eine gute Tat oder einen durchkalkulierten Businessplan. Es geht um kulturelle Unterschiede, um Geben und Nehmen, um Wertschätzung und Dankbarkeit, um Bildung, sozialen Aufstieg, Familientradition – und um Genuss.

Herzogtum Lauenburg: Deutsche unterstützen Studierende in Indien

Den Kontakt zu Indien hat Surya Ormeloh herstellt. Die 33-Jährige ist als Kind deutscher Eltern in Südindien geboren und aufgewachsen und erst kurz vor dem Abitur nach Deutschland gekommen. Nils Lalleike hat sie bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit für das Austauschprogramm „youth for understanding“ kennengelernt und bereits nach kurzer Zeit zu einer Reise in ihre Heimat mitgenommen.

„Ich hatte ein Stipendium für mein Auslandssemester dort“, berichtet Surya Ormeloh. Von diesem Modell erfuhr eine ihr bekannte Inderin, Renuka, und sie fragte, ob Surya und ihr Freund Nils nicht das Studium ihrer Tochter Bhuvana finanzieren könnten.

Anfangs wurden kleine Tüten gegen eine Spende an Freunde verteilt

„Wir wollten gern helfen, aber ohne Almosen“, bekennt Surya Ormeloh. Sie weiß: Bildung ist der Motor für die indische Gesellschaft, um sich von innen heraus weiterzuentwickeln – ohne Westhilfe. „Wenn wir die Kosten ohne Gegenwert übernommen hätten, hätten sie uns immer dankbar sein müssen. Das belastet“, sagt Surya Ormeloh. Also überlegte das Paar, was die indische Familie als Geste der Dankbarkeit den Spendern geben könnte – und sie kamen auf die persönlichen Rezepturen der Currymischungen.

„In Indien ändert sich alle 100 Kilometer das Leben, die Kultur und auch das Essen“, sagt Surya. Jede Familie habe ihr eigenes Currypulverrezept. So auch Renuka, die mit dem Deal einverstanden war. „Also beschafften wir uns für wenige Rupien in Indien am Straßenrand alle notwendigen Gewürze, ließen es mahlen und flogen damit nach Deutschland“, berichtet Nils Lalleike.

Viele genussfreudige Anhänger in Deutschland für die scharfen Currys

Hier füllten sie es in Tüten ab und verteilten es gegen eine Spende für die junge Studentin an Freunde, Verwandte und Bekannte. „Wir waren überrascht, wie schnell wird das Geld für das erste Semester zusammenhatten“, sagt Lalleike. Eine Geschäftsidee war das zu dem Zeitpunkt noch nicht. Es war mehr ein Freundschaftsdienst. Aber Surya Ormeloh und Nils Lalleike haben nicht damit gerechnet, dass die scharfen Currymischungen in kurzer Zeit so viele genussfreudige Anhänger in Deutschland finden würden.

Zwei Jahre lang haben sie in Indien die Gewürze beschafft und die Mischungen gegen eine Spende verteilt – bis ihnen die Idee kam, das kommerziell zu machen. Ein logischer Schritt, der die jungen Gründer jedoch mit vielen Problemen konfrontierte. „Gewürze aus Indien importieren? Keine Chance, bei den Hygienevorgaben hier in Deutschland“, sagt Lalleike. Und sie wollten alles in Bioqualität anbieten – ein weiterer Stolperstein.

Individuelle Mischung wird in Bad Grund hergestellt

Fündig wurden sie beim Gewürzgeschäft Alfred Galke in Bad Grund. „Wir haben das Rezept von Renuka hingeschickt und dort wurde die individuelle Mischung zusammengestellt, gemahlen und uns in großen Säcken zurückgeschickt“, sagt Lalleike. In Berlin werden die Mischungen in einer Arbeitsstätte für Menschen mit Assistenzbedarf abgefüllt und etikettiert. „Uns ist wichtig, dass jeder Mensch seinen Fähigkeiten entsprechend einer wirtschaftlichen Tätigkeit nachgehen kann“, erläutern das Paar diese Entscheidung.

Von dort geht es ins Lager und an den Handel, wobei bislang nur wenige Bioläden die Gläser im Sortiment haben. „Das meiste verkaufen wir über unseren Online-Shop“, sagt Surya Ormeloh.

Aktuell gibt es drei Mischungen, eine vierte Mischung ist in Planung

Pro Kilogramm Currypulver, das produziert wird, überweisen College Curries 10 Euro an einen Non-Profit-Partner in Indien, der extra für den Zweck eingerichtet worden ist. Der Partner ist Teil einer indischen Stiftung, die das Geld als Stipendium an die Studierenden auszahlen darf.

Mit der Zeit kamen zwei weitere Studierende dazu, die Unterstützung benötigten, und damit auch zwei neue Currymischungen. Aktuell gibt es drei unterschiedliche Mischungen: Renukas, Minas und Jancys Curry, eine vierte ist in Planung.

Zehn verschiedene Mischungen sollen es werden

„Wichtig ist uns, dass die Rezeptur 100 Prozent original und qualitativ hochwertig ist“, betont Surya. Noch sind die drei Mischungen so etwas wie ein Geheimtipp, aber Surya Ormeloh und Nils Lalleike wollen ihr Geschäft stetig ausbauen. Zehn verschiedene Mischungen wäre ein erstes Ziel, um die Geschmacksvielfalt der Kulinarik in Indien abzubilden.

„Wir machen es nach und nach“, sagt Surya Ormeloh lächelnd. Das indische Zeitverständnis macht sie gelassen. Druck haben die beiden nicht, auch wenn die Pandemie auch ihrem Geschäft zugesetzt hat.

Ein unglaublich lecker klingendes Rezept für Butter Curry

Am Ende darf ich in die Gläser hineinschnuppern und mir eine Mischung aussuchen. Ich wähle Jancys Curry. Es soll sehr scharf sein. Ich zögere einen Moment, aber zu dem Pulver gibt es ein unglaublich lecker klingendes Rezept für Butter Chicken. Das muss ich einfach probieren.

Mehr Informationen zu den einzelnen Produkten und zum Shop gibt es auf der Seite https://collegecurries.de oder telefonisch unter 04151/ 884 97 50, E-Mail: hallo@collegecurries.de