Verkehrskontrolle

Kinder erziehen Raser: Saures gab es kaum

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Stefan Huhndorf
Für Redakteur Stefan Huhndorf (l.) gab’s einen Apfel von den Grundschülern. Er ist deutlich langsamer als 30 Stundenkilometer vor der Schule Nordost gefahren. Michael Pahnke (r.) begleitet die Kinder.

Für Redakteur Stefan Huhndorf (l.) gab’s einen Apfel von den Grundschülern. Er ist deutlich langsamer als 30 Stundenkilometer vor der Schule Nordost gefahren. Michael Pahnke (r.) begleitet die Kinder.

Foto: Polizei

In den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg erziehen Kinder derzeit die Autofahrer mithilfe von „Äpfel und Zitronen“.

Schwarzenbek.  „Süßes, sonst gibt’s Saures“, fordern die Kinder traditionell zu Halloween. In dieser Woche geben Grundschüler an vielen Orten in den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg Autofahrern Saures in Form von Zitronen, wenn diese zu schnell vor den Schulen fahren. Denn viele Unfälle passieren, weil das Tempolimit nicht eingehalten wird.

Als charmante Aktion für mehr Verkehrssicherheit zum Schulanfang hat die Polizeirätin Anett Zimmer bereits im Jahr 2008 „Äpfel und Zitronen“ erfunden. „Kinder mögen keine Zitronen wegen des Geschmacks. Außerdem dokumentieren sie, dass sie sauer sind, wenn sie die Südfrüchte an einen Autofahrer weiterreichen. Äpfel sind süß und damit verbinden die Kinder positive Assoziationen, die sie auch weitergeben“, erläutert die Polizistin.

Verkehrskontrolle ist nachhaltiger, wenn Kinder mit den Raser sprechen

Außerdem ist der erzieherische Wert groß, weil die Aktion auf vielen Ebenen wirkt. „Anhaltekontrollen haben immer einen anderen Effekt, als wenn plötzlich ein Bußgeldbescheid im Briefkasten liegt. Die Gespräche, die Autofahrer mit den Kindern führen, sind nachhaltiger, als wenn ein Polizeibeamter einen Autofahrer über sein Fehlverhalten informiert. Außerdem tragen die Kinder die Aktion auch nach Hause und sensibilisieren ihre Eltern, umsichtiger zu fahren“, erläutert Anett Zimmer das Konzept.

Im vergangenen Jahr musste die Polizei die Aktion in Kooperation mit den Schulen und Kommunen wegen der Corona-Pandemie aussetzen. Jist ja nur ein foto, es fehlt der etzt ging es wieder los. Gestern unter anderem an der Grundschule Nordost an der Cesenaticostraße in Schwarzenbek.

Sinkende Unfallzahlen, aber die Unfälle mit Radfahrern und Kindern sind gestiegen

„Während ich hier war, gab es keine einzige Zitrone“, sagte Landrat Christoph Mager, der auf Einladung der Polizei eine Stunde zur Stippvisite nach Schwarzenbek kam. „Meist wird vor den Schulen in Schwarzenbek langsam gefahren. Wir haben wenig Beanstandungen bei Kontrollen, trotzdem haben wir diese Bereiche regelmäßig im Blick“, sagte Jens Stamer, Leiter des Polizeireviers Schwarzenbek.

„Wir hatten im vergangenen Jahr sinkende Unfallzahlen, aber die Zahl der Unfälle mit Radfahrern und Kindern ist gestiegen. Das liegt zum einen daran, dass mehr Menschen durch die Corona-Pandemie das Radfahren entdeckt haben. Zum anderen stellen wir gerade im Kreis Herzogtum Lauenburg fest, dass häufig Kinder in Autos auf der Fahrt zur Schule oder zur Kita nicht angeschnallt oder nicht in einem altersgerechten Sitz transportiert werden. Auch darauf achten wir jetzt bei den Kontrollen“, sagte Polizeidirektor Bernd Olbrich, Leiter der Polizeidirektion Ratzeburg.

Prävention ist ein wichtiger Baustein im Sicherheitskonzept

Wie berichtet, war die Zahl der Unfälle im Vorjahr gegenüber 2019 von 12.083 auf 10.811 gesunken, ein Minus von 10,5 Prozent. Die Zahl der Unfälle, bei denen Kinder beteiligt waren, stieg indes von 53 auf 66, also Plus 13 Prozent. Bei den Unfällen mit Radfahrern gab es sogar ein Plus von 23 Prozent. Die Zahl stieg von 189 auf 212.

„Prävention ist ein wichtiger Baustein in unserem Sicherheitskonzept. Wir werden bald wieder mit den Radfahrprüfungen für Viertklässler anfangen, die Coronabedingt ausfallen mussten und auch Kontrollen hinsichtlich der Beleuchtung vornehmen“, so Olbrich.