Nazi-Gegner

Ernst-Schefe-Mahnmal soll vor Rechtsextremen warnen

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Der Gedenkstein für Ernst Schefe (1875–1944) vor dem Amtsrichterhaus.

Der Gedenkstein für Ernst Schefe (1875–1944) vor dem Amtsrichterhaus.

Foto: Marcus Jürgensen

Maik Picker, Schwarzenbeks SPD-Fraktions-Chef, fordert: Gedenkstein an verdienten NS-Gegner gehört in die Stadtmitte.

Schwarzenbek.  Es gibt die Schefe-Straße im Zentrum, seit Kurzem auf Betreiben der SPD-Fraktion die Ernst-Schefe-Allee (ehemals Kerntangente) und seit dem Jahr 2000 den Schefe-Stein am Amtsrichterhaus in Schwarzenbek – und genau den möchte SPD-Fraktions-Chef Maik Picker auch vor dem Hintergrund eines wiedererstarkenden Rechtspopulismus als Mahnmal ins Stadtzentrum an den Ritter-Wulf-Platz versetzt haben. Einen entsprechenden Antrag hat die SPD-Fraktion für die nächste Sitzung der Stadtvertretung gestellt.

„Trotz vieler aktueller Probleme und Aufgaben im politischen Tagesgeschäft müssen wir uns auch immer wieder der dunklen Kapitel der deutschen Vergangenheit stellen“, sagt Maik Picker. „Wir haben die Verpflichtung, Lehren aus der Geschichte zu ziehen, damit sich diese so nicht wiederholen kann. Dazu gehört es auch, der Opfer angemessen zu gedenken und die Erinnerung an Schicksale wachzuhalten.“

SPD will ein dunkles Kapitel der deutschen Vergangenheit aufarbeiten

Ernst Schefe starb, weil er sich getraut hat, das Regime der Nationalsozialisten zu kritisieren und dafür öffentlich einzustehen. Wegen seiner kritischen Äußerungen gegenüber den Nationalsozialisten wurde er mehrmals denunziert und verhaftet und schließlich 1944 im Konzentrationslager Neuengamme ermordet. Offiziell wurde von der Kommandantur des Konzentrationslagers bekannt gegeben, dass Ernst Schefe am 26. September 1944 beim Frühsport ums Leben gekommen sei.

„Ernst Schefe war die bestimmende sozialdemokratische Persönlichkeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Er trat 1893 der SPD im Alter von 18 Jahren bei. Von 1910 bis 1922 war er Ortsvereinsvorsitzender, ab 1915 bis 1933 Gemeindevertreter und zwischen 1919 und 1933 auch Mitglied des Kreistages“, sagt der Heimatforscher und langjährige SPD-Stadtverordnete Reinhard Wiese.

Gedenkstein soll in die Stadtmitte verlegt werden

Der gelernte Zimmerer erklärte 1933 seinen Widerstand, den Jungfernstieg in Schwarzenbek in „Adolf-Hitler-Allee“ umzubenennen und geriet damit erstmals in den Fokus der Nationalsozialisten. Er wurde in den Folgejahren mehrfach von der Polizei verhört und kam kurz nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler im Führerhauptquartier Wolfsschanze in Haft, weil er gesagt haben soll: „Hitler, dat verdammte Swien, makt Krieg un all unsere Jungs möt starven.“ Der damals 60-jährige Sozialdemokrat wurde im KZ Neuengamme inhaftiert, in dem er dann auch ermordet wurde.

„Von der Bevölkerung ist dieser Gedenkstein kaum wahrzunehmen und erfüllt nicht den ihm zugedachten Zweck des Gedenkens und des Erinnerns an die grausame Zeit des Nationalsozialismus. Daher der Antrag, den Gedenkstein in die Stadtmitte zu verlegen“, so Maik Picker.

Stadtvertreter tagen im Gymnasium an der Buschkoppel

Die Stadtvertreter tagen am morgigen Donnerstag um 19 Uhr im Forum des Gymnasiums an der Buschkoppel. Weitere Tagesordnungspunkte sind unter anderem die Erweiterung des Hagebau-Marktes und ein Antrag der Grünen zur Verkehrssicherheit im Lupus-Park durch Tempo 30.

( sh )