Storchenbaby

Erster Flugversuch gescheitert: Kleiner Pechvogel in Not

| Lesedauer: 3 Minuten
Jürgen Pelch (l.) und Hans-Werner Olsmann kümmern sich um den Jungstorch auf dem Hof von Gabriela Timm.

Jürgen Pelch (l.) und Hans-Werner Olsmann kümmern sich um den Jungstorch auf dem Hof von Gabriela Timm.

Foto: Privat

Der Jungstorch saß verängstigt und völlig durchnässt am Boden.. Jetzt wird er in der Pflegestation in Erfte aufgepäppelt.

Gülzow. Aller Anfang ist schwer – diese Erfahrung musste in Gülzow jetzt ein kleiner Storch machen. „Die Storcheneltern ziehen zwei Junge auf. Eines fliegt schon sehr sicher und verlässt das Nest auch mal für eine Weile“, hat Gabriela Timm beobachtet. Das zweite Storchenkind hatte es offenbar nicht so eilig, selbstständig zu werden. Warum denn auch, wenn man von der Eltern die besten Leckerbissen frei Schnabel geliefert bekommt?

Eigentlich hatte Familie Timm gar nicht vorgehabt, auf ihrem Hof ein Storchennest bauen zu lassen. Die abgestorbene alte Tanne sollte als Kletterbaum für den Enkel hergerichtet werden. Doch ein männlicher Jungstorch war schneller: Er hatte den Stamm als perfekte Grundlage für ein Liebesnest auserkoren. Im ersten Jahr blieb er noch allein, im nächsten Jahr gesellte sich eine Storchendame zu ihm, zusammen zogen sie ein Junges groß.

Storchenbaby in Not: Der erste Flug endete am Boden

In diesem Jahr brüteten die Vögel zwei Eier aus. „Ich wollte nicht verpassen, wenn auch das zweite Junge seine ersten Flugversuche macht“, erzählt Gabriela Timm. Am vergangenen Sonntag war es dann so weit. Waren die Vogeleltern ungeduldig geworden, oder verließ der halbwüchsige Vogel freiwillig das gemachte Nest? Von gutem Flugwetter konnte jedenfalls keine Rede sein, denn es goss in Strömen.

Möglicherweise war sein durchnässtes Federkleid zu schwer geworden, denn der erste Flug endete nach wenigen Metern auf dem Boden. Da saß der kleine Pechvogel nun: ängstlich, völlig durchnässt und zu keinem Flugversuch mehr fähig. „Ich war total erschrocken, konnte ihn doch da nicht einfach so sitzen lassen“, so die Hofbesitzerin. Die Eltern des Kleinen ließen sich nicht sehen.

Der kleine Vogel kam über Nacht unter die Wärmelampe

Gar nicht so einfach, an einem Sonntag einen Storchexperten zu erwischen. Am Ende hatten die Timms gleich zwei Fachmänner auf ihrem Hof: Hans-Werner Olsmann vom Nabu Geesthacht und Jürgen Pelch, ein bekannter „Storchenvater“ aus Hamburg. Der scheuchte den Vogel dann auch erst mal ein bisschen über den Hof. Dieser schlug zwar aufgeregt mit den Flügel, hob sich aber keinen Zentimeter vom Boden ab.

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Das wird so nichts, stellten beide Männer fest. Vorsichtig wickelte Jürgen Pelch den pitschnassen kleinen Storch in eine Decke und nahm ihn mit zu sich nach Hause. Der Experte weiß, was in solchen Fällen zu tun ist. Der zerzauste Vogel kam erst mal über Nacht unter eine Wärmelampe.

Jetzt kommt das Jungtier in eine Pflegestation

Am nächsten Tag sah die Welt für Klein Adebar schon anders aus: Selbstbewusst stolzierte er über den Hof. Doch es blieb ihm keine Zeit, sich einzuleben. Jürgen Pelch hatte für ihn nämlich schon einen Platz in der Pflegestation für Störche in Erfte klar gemacht. Hier wird sich das Jungtier von seinem Schreck endgültig erholen können. Der „Storchenvater“ ist überzeugt davon, dass der Kleine durchkommen wird. „Für sein Alter von zwölf Wochen ist er ziemlich gut genährt“, hat er festgestellt. Kein Wunder, schließlich hatte er es sich lange genug im elterlichen Nest gemütlich gemacht.

Jetzt wird der Kleine allerhand lernen müssen. Die Pflegestation wird ihn nicht behalten oder gar Besuchern präsentieren. Junge Störche, die hier landen, werden beringt und wieder ausgewildert.

( er )