Schwarzenbek

Mahnmal für Zwangsarbeiter in Schwarzenbek aufgestellt

| Lesedauer: 3 Minuten
Frauke Maaß
Bei der Einweihung des Mahnmals für die Zwangsarbeiter in Schwarzenbek (v. l.): Ingolf Breese (Heimatbund und Geschichtsverein), Bürgervorsteher Rüdiger Jekubik, Bürgermeister Norbert Lütjens sowie Pastor Andreas Schöer. 

Bei der Einweihung des Mahnmals für die Zwangsarbeiter in Schwarzenbek (v. l.): Ingolf Breese (Heimatbund und Geschichtsverein), Bürgervorsteher Rüdiger Jekubik, Bürgermeister Norbert Lütjens sowie Pastor Andreas Schöer. 

Foto: Frauke Maaß (FMG) / BGZ

Nach Jahren der Diskussion steht der Gedenkstein nun auf dem Schwarzenbeker Friedhof. Der richtige Ort war stark umstritten.

Schwarzenbek. Viele Jahre haben die Vorarbeiten und Recherchen gedauert, gefolgt von langen Streitigkeiten und hitzigen Diskussionen über einen adäquaten Standort. Jetzt wurde der Gedenkstein, der an die Schicksale der Zwangsarbeiter in Schwarzenbek während des NS-Regimes erinnern soll, auf dem Friedhof Schwarzenbek offiziell der Öffentlichkeit übergeben.

Über kaum ein Thema wurde so intensiv und lange gestritten, wie über dieses Mahnmal. Gerade die Jahre der Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg in vier Lagern in Schwarzenbek gehören zu den dunkelsten Kapiteln in der Europastadt. Erst Ende letzten Jahres hat sich eine Lösung ergeben, auch wenn diese nicht unbedingt allen Beteiligten gefällt. Auf den Platz auf dem Friedhof hatten sich schlussendlich Pastor Andreas Schöer, Stadtarchivar Dr. Lukas Schaefer und Gisela Berger, Vorsitzende des Heimatbund und Geschichtsvereins verständigt.

„Mahnmal hätte am Ort des Verbrechens stehen sollen“

„Ich freue mich, dass eine einvernehmliche Lösung gefunden worden ist“, sagte Bürgermeister Norbert Lütjens. Auch Bürgervorsteher Rüdiger Jekubik betonte, dass er froh sei, dass das Mahnmal endlich einen angemessenen Platz gefunden habe, gab aber zu, dass er sich eigentlich einen anderen Ort für den Gedenkstein gewünscht hätte. „Es hätte am Ort des Verbrechens vor dem Firmengebäude der LMT Group stehen sollen“, sagte er und verwies damit auf den langjährigen Standortstreit.

Mehr als 2000 Menschen lebten seit 1940 in Lagern in Schwarzenbek rund um die Grabauer Straße. Der Großteil leistete Zwangsarbeit in der rüstungswichtigen Schraubenfabrik Bauer & Schaurte. Allein dieses Unternehmen hatte zehn Baracken und elf Steingebäude für die Menschen.

LMT Group/Fette wollte Mahnmal nicht vorm Firmengelände

Den Platz vor dem früheren Gelände der Schraubenfabrik an der Grabauer Straße, wo sich 1953 das heute zur LMT-Group gehörende Unternehmen Fette ansiedelte, wählten Politik und die damalige Archivarin Dr. Anke Mührenberg anfangs als idealen Standort. Da das Unternehmen mit den Zwangsarbeitern in Schwarzenbek aber nichts zu tun hat, in keiner Verbindung zu Bauer & Schaurte steht und außerhalb von Corona-Zeiten zahlreiche Firmenbesucher aus allen Teilen der Welt zu Besuch kommen, wollte die Firmenleitung kein Zwangsarbeiter-Mahnmal vor dem Firmentor.

Danach war eine Zeit lang ein „Pfad der Erinnerung“ im Amtsrichtergarten im Gespräch, auf dem auch ein Gedenkstein für die Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten Platz finden sollte. Das scheiterte unter anderem am Denkmalschutz.

Auf dem Friedhof wird bereits an andere Opfer erinnert

„Wir haben jetzt mit dem Friedhof eine gute Lösung gefunden“, unterstrich Pastor Andreas Schöer. Der Ort sei eingebunden in ein großes Ganzes. Nur wenige Meter von dem Standort entfernt, gebe es bereits Gedenkstätten für verstorbene russische Soldaten und Balten. „Mit dem Gedenkstein für die Zwangsarbeiter ist ein harmonisches Ensemble entstanden“.

Er verwies darauf, dass es in der Stadt noch mehr Gedenkorte gebe, zum Beispiel die Tafel im Eingang der St.-Franziskus-Kirche, auf der die Namen der verstorbenen Kinder der Zwangsarbeiter und Flüchtlinge verzeichnet seien.

Überlegungen, die Gedenkorte besser auffindbar zu machen

„Das Mahnmal steht für mich für eine Verantwortung, die die Bundesrepublik trägt“, betonte Bürgermeister Norbert Lütjens. Es gebe Überlegungen, auf die Gedenkorte der Stadt auf der Homepage hinzuweisen, damit sie mehr in das Bewusstsein der Bürger rückten.